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Stadtratswahl in WinterthurDie FDP verliert ihren zweiten Sitz

Urs Hofer konnte sich nicht gegen die grünliberale Herausforderin durchsetzen. Vizepräsidentin Carola Etter-Gick relativiert die Niederlage – und erklärt, warum sie diese Wahlen nicht wollte.

Urs Hofer (FDP) zeigt sich nach der Wahlniederlage enttäuscht, aber dankbar. Ob er in anderthalb Jahren wieder antritt, lässt er offen.
Urs Hofer (FDP) zeigt sich nach der Wahlniederlage enttäuscht, aber dankbar. Ob er in anderthalb Jahren wieder antritt, lässt er offen.
Foto: Enzo Lopardo

Die FDP schaffte es nicht, ihren zweiten Sitz im Stadtrat zu verteidigen. Schon nachdem die ersten Stadtkreise ausgezählt waren, zeichnete sich ab, dass es nicht reichen würde. Am Ende machte Urs Hofer insgesamt 9620 Stimmen – rund 2500 weniger als die grünliberale Wahlsiegerin Katrin Cometta. Nur in Seen holte Hofer mehr Stimmen als sie.

«Natürlich bin enttäuscht», sagt Hofer nachdem das Schlussresultat bekannt ist. Er spricht davon, wie sehr man sich persönlich exponiert, und vom täglichen Einsatz, den so eine Exekutivwahl mit sich bringt: «Es ist persönlicher, die Enttäuschung grösser. Das muss man selbst erlebt haben.» Dass die Ausgangslage schwierig war, sei allen bewusst gewesen: «Es tut mir auch leid für die vielen Unterstützerinnen und Unterstützer.»

Im Wahlkampf wusste Hofer nicht nur SVP und CVP, sondern auch die Wirtschaftsverbände hinter sich. Schon bei früheren Wahlen und Abstimmungen habe man gesehen, dass es die Stimme der Wirtschaft in Winterthur schwer habe: «Ich hoffe, dass wir den Rank finden, auch in der neuen Zusammensetzung», sagt Hofer. Und: «Winterthur braucht eine starke Wirtschaft, gerade in der Corona-Zeit.»

«Bei bürgerlichen Männern scheint die Frauenfrage mehr Gewicht zu haben.»

Urs Hofer

«Mein Team und ich haben im Wahlkampf vieles richtig gemacht und ein positives Bild der FDP nach aussen getragen», so Hofer. Würde er also alles wieder genauso machen? Nicht ganz: Aus Rücksicht auf Barbara Günthard-Maier habe man die Kandidatur zunächst vertraulich behandelt und die CVP und SVP relativ spät ins Boot geholt: «Es wäre einfacher gewesen, wenn wir diese Gespräche früher geführt hätten.»

Im Wahlkampf und offenbar auch auf der Strasse wurde Hofer immer wieder auf die Frauenfrage angesprochen. Beim Rennen zwischen Kaspar Bopp (SP) und Anetta Steiner (GLP) vor einem Jahr sei das anders gewesen: «Bei bürgerlichen Männern scheint die Frauenfrage mehr Gewicht zu haben.»

«Die Ausgangslage einer Blockwahl war nicht glücklich für uns.»

Carole Etter-Gick

Hofer bezweifelt, dass die Linksparteien die Grünliberalen bei den Gesamterneuerungswahlen in anderthalb Jahren wieder unterstützen würden. Ob er selbst nochmals antritt, lässt er offen: «Jetzt bekommen erst einmal mein Amt als Fraktionspräsident im Gemeinderat, meine Familie und meine Kanzlei mehr Priorität.»

Zwei ungleich grosse Blöcke

War es ein Fehler mit einem Mann ins Rennen zu gehen? Carola Etter-Gick, Vizepräsidentin der FDP Winterthur, stellt den Entscheid nicht infrage: «Es kommt auf die Qualitäten an. Und was die betrifft, war Urs Hofer ein Topkandidat.»

Generell wäre es Etter-Gick aber am liebsten gewesen, wenn es gar nicht zu einer Wahl gekommen wäre: «Die Ausgangslage einer Blockwahl war nicht glücklich für uns», erklärt sie das Resultat. «Der ganze linke Block bis und mit GLP stand dem ganzen bürgerlichen Block gegenüber.» Dabei waren die Unterschiede bei den Stadtratswahlen kleiner als bei den letzten Gemeinderatswahlen.

Dies zeige, dass die Kandidatur mobilisieren und überzeugen konnte: «Wir haben eine gute Kampagne gemacht», sagt Etter-Gick und lobt ihren Kandidaten: «Urs Hofer ist sich selbst geblieben als Person und als Freisinniger. Er hat sich nicht verbogen, um zusätzliche Stimmen zu gewinnen.»