Bezirksgericht Meilen

Don Juan der Goldküste steht vor Gericht

Darlehen über 500'000 Franken hat ein 54-Jähriger von mehreren Damen erhalten. Ohne Aussicht auf baldige Rückzahlung. Nutzte der Deutsche aus, dass ihm die Frauen blind vertrauten, oder waren die Kunden schuld, die den Handwerker nicht rechtzeitig bezahlten?

Teure Uhren, schnelle Autos: Ein 54-jähriger Deutscher hat Frauen reihenweise dazu gebracht, ihm Geld zu leihen. Der Handwerker lebte auf grossem Fuss an der Goldküste.

Teure Uhren, schnelle Autos: Ein 54-jähriger Deutscher hat Frauen reihenweise dazu gebracht, ihm Geld zu leihen. Der Handwerker lebte auf grossem Fuss an der Goldküste. Bild: Symbolbild/Keystone

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Rundlich, Brille, gespannter Bauch unter dem Sweatshirt: Sieht so ein Frauenheld aus? Der 54-jährige Deutsche findet offenbar immer wieder einen Weg, die Damenwelt zu beeindrucken. Schnell zeigt sich am Mittwoch am Gericht in Meilen, dass er über eine grosse Portion Selbstbewusstsein verfügt. Der Handwerker war eigentlich am Boden. 2012 ging sein Betrieb an der Goldküste in Konkurs. Die Schulden gingen in die Hunderttausende. Die teure Wohnung in Herrliberg konnte er sich nicht mehr leisten. Heute wohnt er an der Pfnüselküste in einer WG. Nach harten Jahren gehe es jetzt wieder aufwärts. «Die Auftragsbücher sind voll», frohlockt der Handwerker. Das waren sie allerdings auch vor 2012. Bis der Konkurs Tatsache wurde.

Die Staatsanwältin wirft ihm happige Vergehen vor, mehrfachen Betrug. Der Deutsche habe eine Masche gehabt, um an Geld zu kommen: Er brachte Frauen dazu, ihm so zu vertrauen, dass sie ihm hohe Summen zahlten, bis zu 150 000 Franken. Klingt unglaublich, hat aber fünfmal funktioniert. Eine der Geprellten hat die Klage zurückgezogen, die anderen vier fordern ihr Geld zurück. Mit zwei der Frauen hatte er eine Beziehung, gibt er zu. Die anderen beiden seien nur gute Freundinnen gewesen. Was diese etwas anders sehen. Kennen gelernt hat er die meisten Frauen auf der Internetplattform Friendscout24. Er sei neu in der Schweiz gewesen und habe Freunde gesucht. Da er verheiratet war, sei es ihm nie darum gegangen, Frauen zu finden, die offen für Beziehungen waren. Mit einer Klägerin habe er sich gut verstanden, wollte beruflich mit ihr zusammenarbeiten. Aber nein, Sex war da nie, sagt er. Dass ihm die Dame über 222 000 Franken geliehen hat, unter anderem für einen Porsche erklärt er sich damit, dass er eben ein netter Typ sei. Und heute habe sie das Geld ja wieder.

Protziger Lebensstil

Die nächste Dame hat sich für ihn sogar verschuldet. 150 000 Franken hat sie ihm geliehen – und musste dafür erst selber ein Darlehen aufnehmen. Auch mit ihr will er keine sexuelle Beziehung gehabt haben. Zwar habe er ihr gesagt, dass er ältere Frauen möge, aber sie sei nun doch zu alt gewesen. Sie hätten es immer gut zusammen gehabt, sie sei ja auch ein «herzensguter Mensch». Als er sich das nächste Darlehen angelte, hatte der Handwerker schon einen Schuldenberg von 500 000 Franken angehäuft. Doch sein scheinbar luxuriöser Lebensstil blendete die Frau. Sie vertraute ihm, der sie mit dem Porsche abholte, den eine andere Frau finanziert hatte, der in Herrliberg wohnte und angeblich sogar ein teures Boot auf dem Zürichsee hatte. Alles Quatsch, entgegnet der Beschuldigte. «Ich hab ihr nie gesagt, dass mir das Boot oder die Wohnung gehören.» Er habe den Frauen gesagt, dass er Schulden habe. Diese hätten ihm helfen wollen, er habe niemanden gezwungen. Das Problem sei gewesen, dass seine Kunden nicht gezahlt hätten. Darum habe er nicht genug Geld gehabt, um die Schulden zu begleichen.

Der Deutsche redet viel, hat auf alles eine Antwort. Die Anwältin der Privatklägerinnen bricht immer wieder in Lachen aus. Der Vorsitzende Richter fragt ihn mehrfach, ob er wirklich denkt, dass die Richter ihm das glauben sollen.

Doch er bleibt dabei: Er habe nie jemanden betrügen wollen. Sein Verteidiger fordert einen Freispruch. Die Frauen hätten um seine Situation gewusst und jeg­liche Vorsichtsmassnahme vermissen lassen. Die Staatsanwältin spricht sich für eine hohe Freiheitsstrafe von vier Jahren aus. Denn die Masche sei nicht neu. Im Deutschland hat der Mann 14 Vorstrafen, auch, weil er Damen um ihr Geld gebracht hat. Die Richter konnten am Mittwoch noch nicht entscheiden, ob der 54-Jährige ein Hochstapler oder ein liebenswerter Typ ist. Das Urteil fällen sie in einigen Wochen.

Erstellt: 19.04.2018, 11:03 Uhr

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