Kloten auswärts (1)

Die ganze Region fiebert in Pruntrut mit

Der jurassische Eishockeyverein HC Ajoie ist nicht nur im Hauptort Pruntrut ein Heiligtum, sondern wird von allen 21 Gemeinden des Bezirks verehrt und unterstützt. Nach 45 Jahren erhält der Klotener Gegner ein neues Stadion.

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Auf den ersten Blick existiert sie wirklich, diese sprichwörtlich heile Schweizer Welt. Wer durch den Kanton Jura fährt, kann sich den Naturschönheiten dieser Landschaft kaum entziehen – so man sie zu sehen bekommt. Denn wer sich von Biel auf der Transjurane, der erst vor einem Jahr durchgehend fertig gebauten Autobahn, Richtung Pruntrut, bewegt, durchquert viele, teils lange Tunnels.

Gut für den EHC Kloten und seine Fans: wenn die Zürcher Unterländer in ihrer ersten Swiss League-Saison zum Auswärtsspiel in Pruntrut hin- und zurückfahren, können sie dies von zuhause von der A51 über die A1, die A5 und A16 bis direkt zum Ajoie-Stadion alles auf Autobahnkilometern bewältigen.

Die Transjurane war einer der Gründe, warum diese Region einst Epizentrum für nationalistische Unruhen war. Von den 60er- bis tief in die 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts bewegte die Jurafrage hierzulande die politischen Gemüter. Der französische Teil des Berner Juras lieferte sich mit Kantonsregierung und Bund einen teils harten Kampf, in dem sogar Sprengsätze detonierten. Einer der Vorwürfe damals: Der Ausbau der Infrastruktur werde vernachlässigt. Deshalb war nach der Gründung des Kantons Jura 1979 der Autobahnbau eines der wichtigsten Ziele der neuen jurassischen Regierung. Es dauerte indes mehr als 30 Jahre, bis die Transjurane fertiggestellt war. Kosten für die 84 Kilometer: Stolze 6,5 Milliarden Franken.

Der Klub der Freiwilligen

Geld, von dem man beim HC Ajoie nur träumen kann. «Bei uns passiert rund um den Verein immer noch viel über Freiwilligenarbeit», sagt Jean-Louis Gigon, der das Amt des Medienchefs genau in diesem Sinn ausübt. Er habe im Klub schon viele Funktionen bekleidet, meint er lächelnd. «Nur Präsident war ich glaube ich noch nicht.»

Gigon verkündet Erfreuliches. Das jetzige Eisstadion, die Patinoire du Voyeboeuf, im Jahr der Klubgründung 1973 erbaut, erfahre jetzt dank einer gewonnenen Kreditabstimmung die längst fällige Renovation. Für 20,5 Millionen Franken wird die bestehende Eishalle und deren Infrastruktur erneuert oder ausgebaut, für zusätzliche 6,5 Millionen Franken entsteht neben der Patinoire ausserdem ein zweites Eisfeld. «Dieser Umbau ist nicht nur wegen des bauichen Zustands der Eishalle notwendig, sondern sportlich lebensnotwendig», gibt Gigon zu bedenken.

Der Zürcher Unterländer besucht die Stadien der künftigen Gegner des EHC Kloten in der Swiss League. Diesmal: die Patinoire du Voyeboeuf. Video: Michael Caplazi

Nicht nur der Eishockeyclub profitiere von der Renovation, sondern auch der Eiskunstlauf und der Curlingclub. «Bisher war die Zuteilung der Eiszeit bei nur einem Trainings- und Spielfeld problematisch.» Jetzt hätten mehrere Vereine und Sporarten endlich die Möglichkeit, sich weiter entwickeln zu können.

Besitzer der Patinoire du Voyeboeuf sind die 21 Gemeinden des jurassischen Bezirks Porrentruy, auch Pruntruter Zipfel oder eben Ajoie (Elsgau) genannt. Der Hockeyclub wird in der ganzen Region verehrt. Das hänge auch damit zusammen, dass die Ajoie, aber auch der Kanton Jura als Ganzes, kaum andere sportliche Spitzenvereine habe, sagt Jean-Louis Gigon. In Boncourt an der Landesgrenze spielt der örtliche Basketballverein in der höchsten Schweizer Liga der Männer. Der Fussballklub SR Delémont aus der Kantonshauptstadt bestritt um die Jahrtausendwende zwei Saisons in der NLA (heute Super League), ist aber aktuell nur noch in der vierthöchsten Liga.

Die Menschen in der Region würden sich durch viel Herz und einen familiären Charakter auszeichnen, erklärt Gigon. «Der HC Ajoie ist ähnlich. Wir kommen nicht aus der Grosstadt, hier kennt man die Nachbarn noch persönlich.» Aus diesem Grund werde auch das neue Stadion, auch wenn jetzt zusätzliche Zuschauertribünen und erstmals VIP-Logen entstehen würden, kein Luxustempel werden, sondern ein Schmuckstück, ein Bijou bleiben, ist er überzeugt.

Gigon glaubt, dass die Swiss League an Attraktivität gewonnen hat, seit der Schweizer Privat-TV-Sender «Mysport» die Spiele überträgt. Mit Kloten käme ein zusätzlicher Publikumsmagnet dazu, welcher der Liga nur gut tun könne. «Dank den Zürcher Unterländern steigt die Dynamik enorm, Kloten ist ein Ausrufezeichen für alle Klubs, welche die Playoffs der Swiss League als Saisonziel haben», sagt Gigon, der die Zürcher Unterländer vom Renommee her viel höher einstuft als den bisherigen Gegner und NL-Aufsteiger Rapperswil-Jona.

13 Niederlagen – 1 Sieg

Der HC Ajoie spielte in seiner 45-jährigen Geschichte drei Saisons in der NLA. Jean-Louis Gigon, der auch als Statsitiker seines Vereins amtet, kann sich noch gut erinnern. «Wir trafen insgesamt 14 Mal auf Kloten und haben gerade mal ein einziges Heimspiel gewinnen können».

Aktuell hat der HC Ajoie keine Ambitionen in die National League aufzusteigen. 3,5 Millionen Franken Budget ist selbst für einen Verein in der Swiss League enorm wenig. Saisonziel ist die Playoff-Teilnahme, das höchste der Gefühle wäre der Gewinn des Meistertitels in der Swiss League, was zuletzt in der Saison 2015/16 gelang. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 16.07.2018, 15:09 Uhr

HC Ajoie

Klub der jurassischen Herzen

Vereinsgeschichte: Der Hockey-Club Ajoie wurde 1973 gegründet. 1982 stieg die Mannschaft erstmals in die Nationalliga B auf. Im Frühjahr 1988 gelang unter Trainer Richard Beaulieu der Sprung in die Nationalliga A, 1990 musste der Abstieg hingenommen werden. Trainer Richmond Gosselin geleitete den HCA als Meister der NLB 1992 zurück in die höchste Spielklasse, es ging aber gleich wieder hinab in die NLB. 1995 passierte gar der Abstieg in die 1. Liga. Das Trainergespann Doug McKay/Hans Kossmann führte die Mannschaft 1995/96 zum direkten Wiederaufstieg, doch der Wiederabstieg folgte prompt. 2000 führte Trainer Merlin Malinowski den HCA in die NLB zurück. 2015/16 konnte das Team aus dem Jura den NLB-Meistertitel holen, Trainer war wie heute Gary Sheehan. Im Finale gegen die Rapperswil-Jona Lakers setzte sich Ajoie mit 4:2-Siegen durch, verzichtete aber auf die Teilnahme an der Ligaqualifikation zur NLA.

Aktuell: 325 Mitglieder und 12 Teams. Partnerteam in der National League ist der EHC Biel.

Stadion: Patinoire du Voye-boeuf, 4200 Plätze, davon 1200 Sitzplätze. Wird renoviert.

Präsident: Patrick Hauert.

Headcoach: Gary Sheehan.

Durchschnittliche Zuschauerzahl in der vergangenen Saison: 1800 bis 2000.

Bekannte Spieler gestern und jetzt: Fréderic Rothen (heute Off-Ice Coach EHC Kloten), Julien Vauclair, Geoffrey Vauclair, Tristan Vauclair, Benjamin Conz, Alain Birbaum, Dan Weisskopf, Mathias Joggi (beide neu).

Einwohnerzahl Porrentruy: 6878 (2016)

Nächste Beiz: Im Stadion kleines Restaurant, während der Saison neben der Patinoire grosses Festzelt. (rce)

www.hc-ajoie.ch

Der Weg zur Patinoire du Voyeboeuf. (Bild: Quelle: d-maps, Grafik: mb)

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