Oberembrach

Die Kröte «Eigental» ist immer noch nicht geschluckt

Der neu gewählte Gemeinderat Michael Welz will dafür kämpfen, dass die Eigentalstrasse offen bleibt. Die Gemeindepräsidentin sieht wenig Chancen.

Der Eigentalweiher ist ein bedeutendes Amphibienlaichgebiet mit grossen Vorkommen von Erdkröten und
Grasfröschen. Auf ihrer Laichwanderung gelangen die Tiere jeweils auf die stark befahrene Eigentalstrasse.

Der Eigentalweiher ist ein bedeutendes Amphibienlaichgebiet mit grossen Vorkommen von Erdkröten und Grasfröschen. Auf ihrer Laichwanderung gelangen die Tiere jeweils auf die stark befahrene Eigentalstrasse. Bild: Leo Wyden

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Die Oberembracher wollen sich einfach nicht damit abfinden, dass die Eigentalstrasse per 2027 definitiv und unwiderruflich für den motorisierten Verkehr gesperrt wird -allen voran der Oberembracher alt Kantonsrat Michael Welz (EDU). Am letzten Wochenende wurde er mit grossem Abstand als neuer Gemeinderat gewählt. Der Grund für das deutliche Resultat dürfte ein Wahlversprechen sein. Er wolle dafür sorgen, dass die Eigentalstrasse auch nach Ablauf der Frist offen bleibe, sagte er letzte Woche gegenüber dem «Zürcher Unterländer».

Der Oberembracher alt Kantonsrat Michael Welz setzte sich jahrelang für die Eigentalstrasse ein, konnte am Ende aber nichts ausrichten. Bild: Archiv

Auch jetzt nach der Wahl hält Welz an seiner Aussage fest: «Für einen grossen Teil der Bevölkerung und für mich ist die Sache noch nicht definitiv abgeschlossen.» Das letzte Wort sei noch nicht gesprochen. Die geplanten Lösungen für den Verkehrsfluss durchs Dorf nach der definitiven Eigentalsperrung sind für den alt Kantonsrat nicht befriedigend. «Wir haben noch keine Lösung und der Verkehr nimmt zu», sagt er.

Dutzende Stunden in Kampf investiert

In seinen Kampf gegen die Strassensperrung aus Gründen des Moor- und Amphibienschutztes hat der Landwirt in der Vergangenheit dutzende Stunden investiert. Er schrieb Briefe und Stellungnahmen, studierte Unterlagen und nahm am Runden Tisch mit den Umweltschutzverbänden, den Gemeinden und dem Kanton teil. Am Ende einigten sich die Gemeinden mit dem Naturschutz auf eine Tempo-Reduktion auf 60 km/h, ausgedehnte Sperrzeiten im Frühling, Sommer und Herbst zwecks Amphibienschutzes und die definitive Sperrung der Strasse ab dem Jahr 2027.

«Die unterschriebenen Verträge habe ich nie gesehen», klagt Welz. Das wolle er nun alles prüfen. Ihm sei aber auch klar, dass er nur einer von fünf Gemeinderäten sei und nach der Konstituierung im Oktober ans Kollegialitätsprinzip gebunden sei.

Gemeindepräsidentin Verena Koch Hanselmann sieht wenig Chancen, die Sperrung noch zu verhindern.

Auch Gemeindepräsidentin Verena Koch Hanselmann stellt fest, dass die «Kröte» Eigental von einem grossen Teil der Einwohnerinnen und Einwohner noch nicht geschluckt worden ist. «Mit der Wahl von Michael Welz keimt bei diesem Teil der Bevölkerung nun die Hoffnung auf, dass man noch etwas änder kann», analysiert sie. Ihrer Ansicht nach dürfte es allerdings äusserst schwierig werden, die Sperrung abzuwenden. «Ausschlaggebend ist der Moorschutz, der auf Bundesebene geregelt ist», sagt die Gemeindepräsidentin. Die Rechtslage sei eindeutig.

Strasse über vier Jahre gesperrt

Die Causa Eigental beschäftigte die kleine Gemeinde Oberembrach über Jahre hingweg. Im Januar 2013 entschied die Stadt Kloten als Eigentümerin, die Strasse zu schliessen, weil sie brüchig und nicht mehr sicher zu befahren war. Ein Sanierungsprojekt wurde aufgegleist, doch schalteten sich die Umweltverbände WWF und BirdLife Schweiz ein und machten Rekurse. Am Ende musste ein externer Vermittler eingesetzt werden und alle betroffenen Parteien wurden zu einem Runden Tisch eingeladen. Bei der gefundenen Lösung handelte es sich um einen gut schweizerischen Kompromiss: Die Strasse wird für zehn Jahre wieder geöffnet, Tempo 60 wird eingeführt, die Sperrzeiten werden ausgedehnt, und danach wird die Strasse zu einem Radweg zurückgebaut.

Aus diesen beiden Varianten konnten die Stimmberechtigten für die Verkehrsführung nach der Sperrung des Eigentals auswählen. Sie entschieden sich für die grüne Streckenführung über die Jakob-Bosshart-Strasse.

2017, also vier Jahre nach der Sperrung, konnte die Strasse nach abgeschlossener Sanierung wieder dem Verkehr übergeben werden - zur vorübergehenden Nutzung bis 2027. In Oberembrach machte man sich aber bereits vor der Schliessung Gedanken darüber, wie der Verkehr später durchs Dorf rollen soll. In einer Urnenabstimmung konnte die Bevölkerung letzten Herbst aus zwei Varianten auswählen: Einer Verkehrsführung über die Jakob-Bosshart-Strasse oder über eine noch zu bauende Ausweichroute. Nach einem mit hart geführten Abstimmungskampf, zahlreichen Leserbriefen und Flugblättern, entschieden sich die Stimmberechtigten am Ende für die Variante Jakob-Bosshart-Strasse.

Doch offenbar scheint der Mist, zumindest bei Michael Welz und einem Teil der Bevölkerung, noch nicht geführt zu sein.

Erstellt: 05.09.2019, 11:39 Uhr

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