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LadetechnikDie Ladezeit pro Kilometer ist entscheidend

Ladegeschwindigkeit, Ladeleistung, Ladezeit – wenn es ums Nachladen eines Elektroautos geht, wird die Käuferschaft mit ganz unterschiedlichen Kennzahlen konfrontiert. Doch worauf sollte man schauen?

Bei Elektroautos kommt es nicht nur auf die maximale Ladeleistung, sondern auch auf die Ladezeit und die Reichweite des Autos an.
Bei Elektroautos kommt es nicht nur auf die maximale Ladeleistung, sondern auch auf die Ladezeit und die Reichweite des Autos an.
Foto: PD

Im Zusammenhang mit Elektroautos wird man mit Begriffen wie Gleichstrom und Wechselstrom, Ladezeit und Ladeleistung, Batteriekapazität und Ähnlichem mehr konfrontiert. Doch für den Käufer entscheidend ist: Wie schnell kann ich wie viel Prozent der Batterie aufladen, und für wie viele Kilometer wird das dann reichen? Da Hersteller oft nur eine maximale Ladeleistung nennen, also mit wie viel Kilowatt im besten Fall geladen werden kann, wird dadurch noch nicht klar, wie lange die Batterie benötigt, um geladen zu werden – ein Elektroauto kann nämlich nicht permanent mit voller Leistung geladen werden.

«Den Kunden sollte nicht nur der Maximalwert der Ladeleistung interessieren, sondern vielmehr, wie diese im Laufe eines Ladevorgangs verläuft und gegebenenfalls gedrosselt werden muss», bestätigt Silvia Gramlich, die bei Audi in der Entwicklung für Ladedauer und -effizienz arbeitet. Weil sich Batterien beim Ladevorgang stark erhitzen, müssen sie entsprechend gekühlt werden – bei zu starker Erhitzung des Akkus muss die Ladeleistung gedrosselt werden. Diesen Umstand handhaben die Hersteller ganz unterschiedlich. Wie schnell also eine Batterie geladen werden kann, ist nicht nur von der Ladeleistung abhängig, sondern massgebend auch vom Thermomanagement. «Die Frage, die den Kunden interessieren sollte, ist: Wie viele Kilowattstunden kann ich in welchem Zeitraum nachladen?»

Hinzu kommt aber noch ein weiterer entscheidender Faktor: der Verbrauch. Erst wenn ein Kunde die Ladeleistung, die Ladezeit, die Reichweite und den Verbrauch eines Elektroautos kennt und diese Faktoren in Relation stellt, kann er beurteilen, wie oft und wie lange sein Auto an einer Ladesäule stehen wird. Wenn Auto A schneller laden kann, dafür aber mehr verbraucht und somit öfter am Kabel hängen muss, ist man mit Auto B vielleicht besser bedient, weil es zwar weniger schnell lädt, dafür aber mit einer Ladung weiter fahren kann. Auto C hat vielleicht eine kleinere Batterie, kann diese aber deutlich schneller laden als Auto D und steht somit zwar öfter, dafür aber kürzer an der Ladesäule.

Noch fehlt eine vereinheitlichte Kennzahl, die all diese Faktoren in den unterschiedlichen Autos vergleichbar machen würde. Die Batteriekapazität wird meist brutto genannt, wie viel das Auto tatsächlich davon nutzt, steht allenfalls im Kleingedruckten. Einige Hersteller nennen die Zeit, die eine Ladung von 10 bis 80 Prozent der Batterie benötigt – im Idealfall natürlich. Manche sprechen von der Anzahl Kilometer, die man in wie viel Minuten «tanken» kann. Andere stellen die maximale Ladeleistung in den Vordergrund, ohne zu erwähnen, wie sehr die Leistung beim Laden mit der Zeit nachlässt oder wie oft und wie lange man denn nun tatsächlich laden muss. Solange es keine einheitliche Deklaration gibt, bleibt es die Aufgabe des Kunden, diese Werte zu prüfen und zu hinterfragen und damit letztlich eine eigene «Milchbüechli-Rechnung» aufzustellen.

Batterien erhitzen sich stark während des Ladens – je nach Thermomanagement wird die Ladeleistung dann entsprechend gedrosselt.
Batterien erhitzen sich stark während des Ladens – je nach Thermomanagement wird die Ladeleistung dann entsprechend gedrosselt.
Foto: PD