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TribüneDie Maskendebatte ist ein Maskenball

Sportreporterlegende und «Landbote»-Kolumnist Beni Thurnheer über die Maskendebatte und was sich hinter den Argumenten von Befürwortern und Kritikern verbirgt.

Masken bringen nichts, weil sich die Menschen dann zu nah kommen, sagen die Gegner. Die Befürworter verweisen aufs Ausland. Und die Maskendebatte findet kein Ende.
Masken bringen nichts, weil sich die Menschen dann zu nah kommen, sagen die Gegner. Die Befürworter verweisen aufs Ausland. Und die Maskendebatte findet kein Ende.
Urs Jaudas

Aus Südkorea stammt die neueste TV-Unterhaltungs-Idee namens «The masked singer». Unkenntlich hinter Masken und in Tierkostümen versteckt, geben Prominente aller Art ihre Gesangskünste zum Besten. Wer singt am schönsten? Wer verbirgt sich hinter dem Eichhörnchen, dem Drachen, der Spitzmaus?

Die Südkoreaner haben offenbar ein besonders inniges Verhältnis zu Masken. Im Kampf gegen das Coronavirus setzten sie sie sofort flächendeckend ein. Ein deutscher Privatsender erwarb die TV-Rechte für «The masked singer», das Schweizer Fernsehen dafür die Maskentragepflicht für (fast) alle, zum Beispiel auch für die Kameraleute.

«Wer verbirgt sich hinter dem Eichhörnchen, dem Drachen, der Spitzmaus?»

Bernard Thurnheer

Derart vermummt, staunten diese dann nicht schlecht, als in einer der ersten Corona-Sondersendungen der Chef des Bundesamtes für Gesundheit, Daniel Koch, erklärte, solche Masken taugten nur sehr bedingt etwas. Seither tobt ein eigentlicher Glaubenskrieg um die Schutzmasken. Die Befürworter verweisen aufs Ausland und haben bei den Super-Ängstlichen leichtes Spiel. Die Gegner weisen darauf hin, dass die weit sicherere Zwei-Meter-Abstandsregel nicht mehr eingehalten werde, weil sich die Maskenträger in einer falschen Sicherheit wiegten. Und erst die vielen Möglichkeiten, die Maske falsch auszuziehen!

Hinter vielen Informationen, die den Medien zugespielt werden, versteckt sich meistens eine zweite, höchst eigennützige, «The masked information» sozusagen. Die Wirtschaft, die auf eine baldige Öffnung aller Geschäfte aus war, schloss sich schon früh der Pro-Masken-Fraktion an. Damit konnte man suggerieren, mit einer Maske für alle seien sofort alle Probleme gelöst (und die Geschäfte sofort zu öffnen). Der Bundesrat sei bloss dagegen, weil er es versäumt habe, genügend Masken bereitzustellen (20 Stück pro Einwohner = 160 Millionen Stück sollten prophylaktisch immer irgendwo gelagert sein).

«Schweizer, die sonst auf ihre Freiheit pochen, flehten den Bundesrat plötzlich an, sie zum Maskentragen zu zwingen»

Bernard Thurnheer

Viele Schweizer, die sonst auf ihre Freiheit pochen, flehten den Bundesrat plötzlich an, sie zum Maskentragen zu zwingen. Nun werden bereits Masken mit allerlei Mustern und Farben angeboten. Einige kommen richtig fröhlich und modisch daher. Ich bin fast sicher, dass das den Masken-Fundis überhaupt nicht passt. Sie wollen die Weisse, die Einheitliche, die Bedrohliche! Da ist also auch sehr viel Symbolisches im Spiel. Halt wie bei einem richtigen Maskenball!