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Nach Nein zum Corona-BonusDie Pflegelöhne sollen jetzt dauerhaft steigen

Bis jetzt haben Pflegende nur Applaus erhalten, aber nicht mehr Geld. Drei Politikerinnen wollen dies nun mit einem neuen Vorstoss im Kantonsrat ändern.

In den letzten Monaten waren Pflegerinnen im Dauereinsatz.
In den letzten Monaten waren Pflegerinnen im Dauereinsatz.
Archivfoto: Keystone

Für manche Pflegende mag die Debatte vergangene Woche wie eine Ohrfeige gewesen sein. Da ereifern sich im Kantonsrat Parlamentarier von links bis rechts über die Löhne in der Pflege. Allesamt finden sie, dass Spitalangestellte nach diesem anstrengenden Jahr dringend einen Corona-Bonus verdient hätten – und am Schluss springt nichts dabei heraus für die Betroffenen. Dies, weil die Parteien jeweils nur ihre eigenen Anträge gut fanden, nicht aber jene der anderen.

Aus der einmaligen Zulage wird somit nichts. Vielleicht liegt dafür aber langfristig eine Lohnerhöhung drin. Grüne, SP und CVP haben nämlich ein dringliches Postulat eingereicht, mit dem sie bessere Löhne in der Pflege fordern. Der Vorstoss war schon vor der Bonus-Debatte in der Pipeline, wie Erstunterzeichnerin Jeannette Büsser (Grüne, Zürich) auf Anfrage sagt.

«Wir wollten jetzt nicht das Signal aussenden, dass uns das Pflegepersonal egal ist.»

Jeannette Büsser, Kantonsrätin (Grüne, Zürich)

Nach der resultatlosen Debatte von vergangener Woche habe man sich nun extra beeilt, damit das Postulat bald in den Rat kommt. «Wir wollten jetzt nicht das Signal aussenden, dass uns das Pflegepersonal egal ist.»

Nur kantonale Spitäler würden profitieren

Jeannette Büsser und ihre Mitstreiterinnen Brigitte Röösli (SP, Illnau-Effretikon) und Janine Vannaz (CVP, Aesch) fordern mit ihrem Vorstoss den Regierungsrat dazu auf, eine höhere Einstufung der Pflegeberufe im kantonalen Lohnsystem einzuleiten. Dabei geht es ihnen nicht nur um Wertschätzung, sondern auch darum, dass das Pflegepersonal der Branche erhalten bleibt.

Die Aussteigerquote betrage 46 Prozent, schreiben sie. Gleichzeitig würden heute nur 43 Prozent des Personals ausgebildet, das es eigentlich brauchte – also viel zu wenig. «Die Corona-Krise zeigt in aller Deutlichkeit, welch eindrücklichen und unverzichtbaren Einsatz die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege für unsere Gesellschaft leisten», heisst es im Postulat.

Der Vorstoss zielt allerdings nur auf die vier kantonalen Spitäler, also das Universitätsspital Zürich, die Psychiatrische Universitätsklinik, das Kantonsspital Winterthur und die Integrierte Psychiatrie Winterthur-Zürcher Unterland. Für die übrigen Spitäler ist der Kanton gar nicht zuständig.

Ähnliche Vorstösse in der Stadt Zürich

Grüne und SP haben allerdings zwei vergleichbare Vorstösse im Zürcher Stadtparlament für die städtischen Spitäler eingereicht. Der links-grüne Stadtrat hat Bereitschaft signalisiert, sich des Themas anzunehmen. Anders bislang der Regierungsrat: Er sieht sich nicht dafür zuständig, etwas für höhere Löhne zu unternehmen.

Nicht der Kanton sei der Arbeitgeber der Pflegenden, sondern die Spitäler, argumentiert die Gesundheitsdirektion. Wenn die vier kantonalen Spitäler fänden, dass es höhere Pflegelöhne brauche, müssten sie beim Kanton einen entsprechenden Antrag stellen. Dies tun nun stattdessen die drei Kantonsrätinnen.

Grosse Lohnbandbreite

Wie viel verdienen aber Pflegende überhaupt? Gemäss einer Statistik der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liegen die Schweizer Pflegelöhne – im Gegensatz zu anderen Ländern – unter dem nationalen Durchschnitt.

Sie variieren allerdings stark, je nach Ausbildung, Berufserfahrung und Funktion. Gemäss einer Übersicht der Gewerkschaft VPOD hat eine Fachangestellte Gesundheit im Kanton Zürich einen Standardlohn von rund 4400 Franken. Eine Pflegefachperson erhält rund 5600 Franken. Hat sie eine Zusatzausbildung, kommt sie auf 6300 bis 6700 Franken.

Konkrete Forderungen, wie viel mehr Lohn die Pflegenden der kantonalen Spitäler erhalten sollen, machen die drei Kantonsrätinnen von Grünen, SP und CVP nicht. Der Vorstoss dürfte bereits im Januar in den Kantonsrat kommen.