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Kommentar zu den SchulöffnungenDie Schule hat zwei Defizite – und eine Chance

Der Flickenteppich ist gross, die Niveauunterschiede sind unübersehbar. Doch der zweimonatige Lockdown der Schulen hat auch ungeahnte Möglichkeiten aufgezeigt, den Unterricht zu modernisieren.

Eine der zentralen Fragen nach der Corona-bedingten Pause: Wie viel Unterstützung brauchen die Schülerinnen und Schüler, damit sich alle wieder auf dem gleichen Niveau bewegen?
Eine der zentralen Fragen nach der Corona-bedingten Pause: Wie viel Unterstützung brauchen die Schülerinnen und Schüler, damit sich alle wieder auf dem gleichen Niveau bewegen?
Foto: Reto Oeschger

Plexiglasscheiben, Sicherheitsabstände, Desinfektionsmittel: Nach zwei Monaten Fernunterricht haben die Schulen diese Woche ihren Betrieb wieder aufgenommen. Doch der Ort, der üblicherweise von Austausch und Nähe lebt, hat sich in der Corona-Krise stark verändert.

Die Verunsicherung über teils widersprüchliche und mancherorts drastische Schutzkonzepte ist deutlich spürbar. Und deutlich treten nun auch weit grössere Probleme zutage, die zu lange vernachlässigt worden sind. So waren die Schulen trotz entsprechender Offensiven unzureichend auf den digitalen Unterricht vorbereitet – ein folgenschweres Versäumnis. Die Lehrkräfte mussten eilends Konzepte, Methoden und Material für den virtuellen Raum entwickeln, deren Erfolg massgeblich vom Sondereffort der einzelnen Pädagoginnen abhing.

Im digitalen Unterricht werden jene Schüler abgehängt, deren Lernverhalten zu Hause ohnehin wenig kontrolliert wird.

Das Lernen in der Distanz hat auch ein zweites Defizit offengelegt: Im digitalen Unterricht werden jene Schüler abgehängt, deren Lernverhalten zu Hause ohnehin wenig kontrolliert wird. In einer breit angelegten Studie der Pädagogischen Hochschule Zug zu den Folgen der Corona-Krise geben nur 61 Prozent der Schweizer Lehrer und Schulleiter an, dass ihre Schüler zu Hause aktiv an ihren Aufgaben arbeiteten.

Auf diese Weise können beträchtliche Rückstände entstehen, die nur schwer in kurzer Zeit kompensiert werden können – die Schere öffnet sich. Dass die Lehrerinnen nun zusätzliche Stützmassnahmen fordern, ist daher nachvollziehbar. Doch mehr Mittel für die Schule sind angesichts der bevorstehenden Rezession politisch unwahrscheinlich.

Sinnvoller wäre es, die beiden Defizite zu einer Chance zu verweben: Der Digitalisierungsschub in den Schulen kann jetzt genutzt werden, um die selbstständigeren Schüler vermehrt im individualisierten Lernen zu fördern. Das spielt Ressourcen frei, um unterstützungsbedürftigere Kinder enger zu begleiten. Es wäre eine erfreuliche Entwicklung in schwierigen Schulzeiten.

19 Kommentare
    Stefan Reiser

    Ich kann das Kehlmann Interview nicht lesen , aber an der Überschrift

    fällt mir auf , dass das Verb " besorgen " in einer Weise verwendet wird ,

    die mir noch nie begegnet ist .

    Früher gab es beim Tagi die Möglichkeit , Rechtschreibefehler zu melden .

    Gruss

    S.R.