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Kommentar zur Zürcher HerzchirurgieDie Spitalleitung verantwortet einen Scherbenhaufen

Gregor Zünd und Martin Waser handeln zu konfus, um Vertrauen zu schaffen. Jetzt verlässt einer ihrer Hoffnungsträger das Zürcher Unispital.

Martin Waser, Präsident des Spitalrats, und Gregor Zünd, CEO des Unispitals: Sie haben zu lange weggeschaut.
Martin Waser, Präsident des Spitalrats, und Gregor Zünd, CEO des Unispitals: Sie haben zu lange weggeschaut.
Foto: Anna-Tia Buss

Es ist schlicht unglaublich, wie die Verantwortlichen am Zürcher Unispital eine hervorragende Herzklinik mit internationaler Ausstrahlung innert ein paar Jahren an die Wand gefahren haben.

Seit vielen Jahren sind Missstände bekannt. Mehrfach gab etwa die hohe Sterberate zu reden. Auch die Finanzen sahen immer miserabler aus. Wie erschreckend die Zustände aber wirklich sind, ist erst durch die Meldung eines Whistleblowers in der Öffentlichkeit bekannt geworden. Geschönte Publikationen, verheimlichte Komplikationen, monetäre Interessen des Klinikchefs an eingesetzten Implantaten. Und der Verdacht, dass man Patientenleben aufs Spiel gesetzt hat. Francesco Maisano, der ehemalige Klinikchef, bestreitet die Vorwürfe.

Niemand kann heute behaupten, das alles sei plötzlich vom Himmel gefallen. Und doch haben Spitalratspräsident Martin Waser und Spital-CEO Gregor Zünd nichts unternommen. (Lesen Sie auch: Maisano-Team und ein Hoffnungsträger gehen)

Ihr Kalkül ist nicht aufgegangen. Die Massnahmen haben kein Vertrauen geschaffen.

Noch schlimmer ist aber ihr konfuses Handeln, seit die Affäre publik wurde. Zuerst haben sie den Whistleblower vor die Tür gesetzt, obwohl eine externe Untersuchung einen guten Teil seiner Vorwürfe bestätigte. Dann stellten sie ihn wieder ein. Nur um ihn ein paar Wochen später restlos zu desavouieren. Indem sie sich nicht nur von Maisano trennten, sondern gleichentags auch von ihm. Als ginge es in diesem Skandal darum, zwei Streithähne zu trennen.

Ihr Kalkül ist nicht aufgegangen. Die Massnahmen haben kein Vertrauen geschaffen, wenn jetzt der stellvertretende Leiter, Peter Matt, gehen will.

Es gibt aber einen Hoffnungsschimmer. Dass Klinikleiter Paul Vogt bei null anfangen und praktisch eine neue Herzklinik aufbauen kann. Es ist zu hoffen, dass in zwei Jahren, wenn er altershalber geht, eine fähige Frau, ein fähiger Mann sich für die Nachfolge interessiert. Und man dann in der Spitalleitung nicht wieder nach einer angeblichen Koryphäe sucht, sondern einfach nach Medizinern, welche die Patienten im Zentrum sehen und für Qualität in der Behandlung sorgen.

Francesco Maisano bei einer «Weltpremiere»: Er setzte selber entwickelte Implantate ein und verschwieg Komplikationen.
Francesco Maisano bei einer «Weltpremiere»: Er setzte selber entwickelte Implantate ein und verschwieg Komplikationen.
Foto: Unispital Zürich
33 Kommentare
    Sämi Amstutz

    Das Uni-Spital macht Werbung. Im Tram.

    Das sagt eigentlich schon alles.