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Streetwear aus WinterthurDieser Turnbeutel war eine Uniform

Keine Amtsanmassung: Die Brühlgut-Stiftung näht Accessoires aus den ausrangierten Jacken der Stadtpolizei Winterthur.

Im «Zäni-Lädeli» der Brühlgut-Stiftung liegen die ersten Handyhüllen, Etuis und «Gartenpolizisten» bereit, genäht aus alten Stadtpolizei-Jacken.
Im «Zäni-Lädeli» der Brühlgut-Stiftung liegen die ersten Handyhüllen, Etuis und «Gartenpolizisten» bereit, genäht aus alten Stadtpolizei-Jacken.
Foto: Madeleine Schoder

Seit Anfang Jahr ist die Winterthurer Stadtpolizei mit neuen Uniformen unterwegs. Grund ist eine Vereinheitlichung: Die Korps von 14 Kantonen, mehreren Städten und auch die SBB-Transportpolizei tragen jetzt das gleiche Dunkelblau. 490'000 Franken hat das die Stadt Winterthur gekostet. Doch was passiert mit den alten Winterthurer Uniformjacken? Zum Fortwerfen sind sie zu schade. Doch auf den Secondhand-Markt dürfen sie aus naheliegenden Gründen ebenfalls nicht gelangen – mit echten Polizeijacken könnte man allerhand Schabernack treiben.

Robust und reflektierend

Im «Zäni-Lädeli» der Brühlgut-Stiftung erhalten die Uniformjacken ein zweites Leben als Handyhülle, Stifte-Etui oder Turnbeutel. Ab Mittwoch sind die ersten Stücke im Verkauf. Sie leuchten im Knall-Orange der Verkehrspolizei. «Der Stoff ist super zum Weiterverarbeiten», sagt Janine Frey, die bei der Stiftung für die Eigenprodukte zuständig ist. «Er ist sehr wetterfest und reflektiert.» 34 Franken kostet ein Beutel im Stapo-Look.

Eine Geduldsarbeit: Doris Nützi trennt die Reissverschlüsse aus einer alten Uniformjacke der Stadtpolizei.
Eine Geduldsarbeit: Doris Nützi trennt die Reissverschlüsse aus einer alten Uniformjacke der Stadtpolizei.
Foto: Madeleine Schoder

90 Jacken werden die vier Mitarbeitenden mit Beeinträchtigung im Laufe dieses Jahres weiterverarbeiten. Doris Nützi ist gerade dabei, Nähte aufzutrennen und Reissverschlüsse zu entfernen. «Die kann man wiederverwenden, für die Etuis», sagt sie. Eine Geduldsarbeit! Seit Wochen ist Doris Nützi schon am Werk, erst in Heimarbeit, jetzt wieder im Nähatelier hinten im Laden am Oberen Graben.

«POL» und «ZEI» sind erlaubt

Doch nicht alles darf verwendet werden. Die aufgestickten Logos sind zum Beispiel tabu. «Es gibt eine genaue Abmachung, verfasst von einem Juristen», sagt Rahel Egli, Mediensprecherin bei der Stadtpolizei. Dort ist unter anderem festgelegt, dass nie das ganze Wort «Polizei» von P bis I verwendet werden darf. Auf den orangen Etuis steht darum «POL» oder «ZEI». So macht sich sicher niemand der Amtsanmassung verdächtig.

Die Ideen gehen den Mitarbeitenden nicht aus. «Aus den Reflektorstreifen werde ich Hosenklammern für Velofahrer nähen», sagt Doris Nützi. Und fügt stolz an: «Meine Idee!» Keine Winterthurer Idee, aber originell, sind die «Gartenpolizisten»: kleine Stoffbeutel, die mit Holzwolle gefüllt sind, und in Bäume und Sträucher gehängt werden. Unten sind sie offen. Hier sollen sich Ohrenkneifer wohlfühlen. Diese sechsbeinigen Nützlinge gehen nachts auf Patrouille und machen Jagd auf Blattläuse und Spinnmilben.