Die neuen iPhones im ersten Test

Am Freitag kommen das iPhone 11 und das iPhone 11 Pro in die Läden. Wir haben sie schon ausprobiert und haben erste Kauftipps.

(Video: A. Ackermann)

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Eines gleich vorweg: Das vernünftigste iPhone ist und bleibt das letztjährige iPhone XR. Der Akku ist sehr ausdauernd, die Kamera toll, an die Grösse gewöhnt man sich nach ein paar Tagen, und den Home-Knopf vergisst man nach einer Woche. Apple selbst verkauft es neuerdings für 700 Franken. Bei Händlern wird man es bald noch günstiger finden.

Doch was, wenn es – wie es beim Metzger jeweils heisst – noch etwas mehr sein darf?

Dann kommen die neuen iPhones ins Spiel. Da ist zum einen das neue iPhone 11 (ab 809 Franken). Es ist der eleganter benannte direkte Nachfolger des iPhone XR und bringt zahlreiche Verbesserungen mit. Der Akku hält leicht länger, der Prozessor ist schneller, und vor allem hat es neu zwei Kameras auf der Rückseite. Zu den Details kommen wir gleich. Denn erst müssen wir noch die anderen neuen iPhones anschauen.

Apple hat nämlich auch die über 1000 Franken teuren iPhones umbenannt. Die heissen nun nicht mehr kryptisch XS, sondern, wie man es von anderen Apple-Produkten kennt, schlicht Pro: das kleinere iPhone 11 Pro (ab 1199 Franken) und das grössere iPhone 11 Pro Max (ab 1299). Hier sind die wichtigsten Verbesserungen eine dritte Kamera auf der Rückseite, ein hellerer Bildschirm, und vor allem ist der Akku deutlich ausdauernder als bei den Vorgängermodellen. Damit haben nun die teuersten iPhones wieder die besten Akkuwerte.

Ich habe die beiden iPhones knapp eine Woche im Alltag ausprobiert. Hier die ersten Beobachtungen und Entdeckungen:

Design und Materialien

Die augenfälligste Neuerung nebst der auffälligen Doppel- und Dreifachkamera sind die neuen Farben. Besonders gefällt mir das gräuliche Violett beim iPhone 11 und das Tarnbombergraugrün des iPhone 11 Pro. Freilich spielen die Farben in der Regel nur beim Kauf eine Rolle. Im Alltag verschwinden die Geräte vernünftigerweise sehr schnell in einer Hülle. Um dem entgegenzuwirken, verkauft Apple nun für alle durchsichtige Hüllen.

Selbst sehe ich bei einem iPhone XR so eine Hülle seit bald einem Jahr täglich im Einsatz. Sie ist bis heute nicht vergilbt (wie es manche dieser durchsichtigen Hüllen tun). Der Nachteil: Man sieht Staub und Sand, die sich zwischen Hülle und Telefon verirrt haben. Persönlich bevorzuge ich Lederhüllen. Die werden von Tag zu Tag zu Tag schöner.

Aber warum hier der Exkurs zu Hüllen? Apple verspricht doch, die neuen iPhones hätten das stabilste Smartphone-Glas aller Zeiten. Ich habe zum Glück noch keines der Testgeräte fallen lassen, aber in der Preiskategorie möchte man als Tester wie als Käuferin oder Käufer kein Risiko eingehen. Gerade beim teureren iPhone Pro ist eine Hülle schon fast Pflicht. Die matte Glasrückseite ist deutlich weniger griffig als die glänzende Rückseite des iPhone 11.

Nebst diesen augenfälligen Neuerungen gibt es noch eine weitere, die einem im Alltag nicht auffällt. Die Pro-iPhones sind gewachsen. Sie sind minimal länger, breiter und dicker geworden. Die Unterschiede sind im Millimeterbereich. Waren die XS-iPhones 7,7 Millimeter dick, sind es die neuen nun 8,1 Millimeter. Das wirkt sich auch aufs Gewicht aus. Das iPhone 11 Pro (188 g) ist 10 Gramm schwerer geworden, das iPhone 11 Pro Max (226 g) hat 20 Gramm zugelegt.

Selbst ist mir die Veränderung erst beim Studieren der Tabellen mit den technischen Daten aufgefallen. Gerade beim nächsten Punkt dürfte diese willkommene Abkehr von Apples Dünner-dünner-Mantra eine entscheidende Rolle spielen.

Akku und Kabel

Das war letztes Jahr die grösste Überraschung: Ausgerechnet das fälschlicherweise als Billig-iPhone verschriene iPhone XR hatte den besten Akku. Beim iPhone XS korrigierte ich diesen Mangel mit einer Akkuhülle, die ich tagein, tagaus am iPhone liess.

Damit ist mit den neuen iPhones nun Schluss. Erstens, weil es (noch) keine Akkuhülle gibt. Zweitens, weil die Akkus der teureren Pro-Modelle zugelegt haben. Apple verspricht, man könne mit dem iPhone Pro je nach Grösse 18 oder 20 Stunden lang Videos schauen. Beim iPhone 11 seien es 17 Stunden. Im Alltag macht das freilich niemand.

Sowieso ist es schwierig, nach gerade mal einer Woche Aussagen zur realen Akkulaufzeit zu treffen. Dies, weil das Telefon im Hintergrund noch reichlich Daten mit den Clouds abgleicht und weil man selbst wegen der Testerei auch mehr darauf herumdrückt, als man das im Alltag tut. Bislang ist es mir auf jeden Fall noch nicht gelungen, das ausgeliehene iPhone 11 Pro Max vor dem Abend leer zu bekommen.

Sollte das doch passieren, ist in der Schachtel (nur in der des teureren Pro) zum ersten Mal ein leistungsfähigeres Netzteil dabei. Es ist dasselbe, wie es auch dem neuen iPad Pro beiliegt. Das Ladekabel hat auf der einen Seite USB-C und auf der anderen den von iPhones gewohnten Lightning-Stecker. So kann man das iPhone Pro nun auch ohne Adapter an einen neueren Apple-Laptop anschliessen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Längerfristig wünschte ich mir, das iPhone würde komplett auf USB-C setzen. Doch das hat sich Apple heuer noch nicht getraut. Es würde wohl zu viele Kunden mit noch mehr Lightning-Kabeln zu Hause verärgern.

Natürlich kann man die neuen iPhones auch wieder bequem drahtlos laden. Anders als es Gerüchte vermuten liessen, kann man das iPhone aber nicht als Ladematte für beispielsweise die Airpods oder die Apple Watch nutzen. Huawei und Samsung haben beide ähnliche Funktionen. Apple hat nun anscheinend doch (fürs Erste) darauf verzichtet.

Prozessor und andere Chips

Apples Chip-Designer lassen Jahr für Jahr die Konkurrenz alt aussehen. Auch dieses Jahr macht der neuste Prozessor einen so rasanten wie ausdauernden und vor allem zukunftssicheren Eindruck. Spannender als der gewohnt schnelle Prozessor, den man erst in zwei, drei Jahren so wirklich schätzen wird, sind andere Chips, die in beiden neuen iPhones stecken. So wurde die Bluetooth-Reichweite deutlich verbessert (Praktisch, wenn man zu Hause Bluetooth-Lautsprecher nutzt!), und der neue WLAN-Standard Wi-Fi 6 – erste Router kommen langsam – ist auch an Bord.

Der interessanteste Chip ist aber der U1. Das ist ein Ultrabreitband-Chip. Der hilft dem iPhone, andere Geräte und Gegenstände mit U1-Chips zu finden. Nach dem Update vom 30. September soll damit Airdrop besser funktionieren. Zeigt man mit dem iPhone 11 auf ein anderes iPhone 11, soll das zuoberst auf der Liste mit möglichen Airdrop-Geräten erscheinen. Spannender ist jedoch das längerfristige Potenzial dieser Technologie. In nicht allzu ferner Zukunft warnt das iPhone vielleicht, wenn man die Hausschlüssel im Büro oder die Airpods im Zug liegen lässt.

Ein leidiges Thema von früher verlangt leider auch bei den neuen iPhones einen eigenen Absatz: die Speichergrössen. Das iPhone 11 Pro gibt es entweder in 64 GB, 256 GB oder 512 GB. Dass es sich Apple traut, ein über tausend Franken teures Smartphone mit 64 GB zu verkaufen und dann auch noch Pro zu nennen, ist reichlich dreist. Natürlich muss sich das keiner kaufen. Aber eine Einsteigerversion mit 128 GB wäre kundenfreundlicher gewesen.

Das 64er-Pro kann man wirklich nur Cloud-Profis empfehlen. Beim iPhone 11 sind die Speichergrössen mit 64 GB, 128 GB und 256 GB dagegen sehr kundenfreundlich ausgefallen. Bravo!

Bildschirm und Auflösung

Gerade im Zusammenhang mit dem iPhone XR wurde mir die Frage immer wieder gestellt: Wie viel schlechter ist der Bildschirm der günstigeren iPhones? Die Frage wird sich heuer wiederholen. Das iPhone 11 hat nämlich einen LCD-Bildschirm mit tieferer Auflösung als das iPhone Pro mit dem hochauflösenden OLED-Bildschirm.

Darum hier schon mal meine Antwort: Wenn man die Geräte nebeneinanderhält und gerade Filme mit viel Schwarz und hellen Lichteffekten schaut, gewinnt das teurere iPhone. Aber: Im Alltag, wo man kaum zwei Geräte nebeneinanderhält, fällt mir der Unterschied nicht auf. Nur wegen des Bildschirms würde ich mir kein teureres iPhone kaufen.

Was aber auch auffällt, der Bildschirm des iPhone 11 Pro ist im Vergleich zum Vorjahresmodell noch mal deutlich heller geworden. Gerade im Freien ist das eine sehr willkommene Verbesserung.

Mehr noch hätte ich mir allerdings die hohe Bildwiederholfrequenz gewünscht, die ich beim neuen iPad Pro so sehr schätze. Damit wirkt der Bildschirm ruhiger und alles weniger nervös. Erste Android-Handys haben bereits einen solchen Bildschirm. Apple spart sich den wohl für nächstes Jahr auf. Aber keine Sorge: Fotos und Filme sehen auf dem neuen iPhone schon jetzt und ohne die Technologie fantastisch aus.

Doppelkamera und Dreifachkamera

Das Beste habe ich mir für den Schluss aufgespart. Die Kameras. Vor drei Jahren habe ich mir in diesem Artikel die perfekte Handykamera zusammenfantasiert. Ich wünschte mir Tempo wie bei Samsung, künstliche Intelligenz wie bei Google, Zuverlässigkeit wie bei Apple und Technik-Tricks wie bei Huawei. Alles in einer Kamera. Damals völlig unrealistisch. Damals.

Seit einer Woche habe ich das alles in meiner Hosentasche. In einem Handy. Noch nie kam eine Smartphone-Kamera meinem Ideal so nah. Egal für welche Motive (Nacht, Makro, Landschaft, Porträts, Gruppenfotos und sogar rennende Kinder), egal ob man ein Profifotograf oder Anfänger ist, die Kamera enttäuscht nicht. Farben und Belichtung sind immer so gut getroffen, dass man nachträglich nicht mehr korrigieren mag und sich auch keine feineren manuellen Kontrollen wünscht.

Mit meiner deutlich teureren Vollformatkamera muss ich mir inzwischen richtig Mühe geben, auf die Schnelle bessere Schnappschüsse zu machen. Gerade wenn es schnell gehen muss, greife ich lieber erst zum iPhone.

Besonders beeindruckend ist der neue Nachtmodus. Die Konkurrenz hatte solche Modi schon länger. Leider wirkten die Bilder damit meist zu hell und künstlich. Apple trifft hier eine deutlich bessere Balance. Doch vor allem geht alles automatisch. Man muss keinen Nachtmodus aktivieren. Auslöser drücken und fertig.

Erfreulich ist auch, dass sich die Kamera des iPhone 11 und der teureren Pro-iPhones nur in einem Bereich unterscheiden: Die teureren iPhones haben als drittes Objektiv ein 2x-Zoom. Das gefällt Foto-Fans wie mir, da es einem 50mm-Objektiv entspricht. Die grosse Mehrheit wird sich dagegen über das neue Weitwinkel-Objektiv freuen. Damit bekommt man die ganze Grossfamilie oder auch ein Hochhaus ins Bild.

Eine nette Spielerei ist die in den Einstellungen versteckte Möglichkeit, parallel mit beiden Kameras des iPhone 11 ein Foto zu schiessen. So kann man nachträglich noch herauszoomen, wenn man etwa sieht, dass man eine Person am Bildschirmrand abgeschnitten hat.

Noch spannender wird eine Funktion namens Deep Fusion, die Apple per Software-Update nachreichen will. Dabei werden mehr Fotos, als es Smartphones sonst schon machen, zu einem fertigen Foto zusammengerechnet. Erste Beispiele, die mir Apple auf einem grossen und hochauflösenden Fernseher zeigte, waren beeindruckend. Aber hier muss man sich noch gedulden.

Interessieren Sie sich für die Details der Kameras, finden sie einen kleinen Konkurrenzvergleich in der obigen Bildstrecke und im persönlichen Blog des Autors.

Fazit: Im Vorfeld meines Tests fragte ich mich, ob die Bezeichnung Pro nun mehr dem Marketing oder den Profi-Funktionen geschuldet sei. Nach einer Woche mit dem iPhone 11 Pro Max sehe ich das deutlich entspannter. Das iPhone 11 ist das aktuell beste iPhone für die ganz grosse Mehrheit. Wer trotzdem noch ein iPhone Pro will, muss schon ganz gute Gründe (etwa das 2x-Objektiv) dafür haben. So gesehen, macht die Unterscheidung in Pro und Nicht-Pro durchaus Sinn.

Und wie gesagt, vergessen Sie das iPhone XR nicht.

Haben Sie Fragen zu den neuen iPhones, unser Autor beantwortet sie gerne auf Twitter und Telegram:

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Erstellt: 17.09.2019, 12:05 Uhr

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