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Um der Quarantäne in China zu entgehenDutzende Swiss-Crews müssen im Flugzeug schlafen

Reisten die Crews der Frachtflüge der Swiss nach China ein, würden sie eine zweiwöchige Quarantäne riskieren. Um das zu vermeiden, ruhen sie sich vor dem Rückflug in der First Class aus.

Die Swiss führt in diesen Wochen Dutzende Frachtflüge durch – und trifft spezielle Massnahmen für ihre Crews.
Die Swiss führt in diesen Wochen Dutzende Frachtflüge durch – und trifft spezielle Massnahmen für ihre Crews.
Foto: Keystone

Was für die zahlungskräftigsten Passagiere gut genug ist, muss auch für die Crew reichen. Über 40-mal ist die Fluggesellschaft Swiss seit Ende März nach China geflogen, um medizinische Güter abzuholen. Normalerweise würde die Crew nach einem so langen Flug erschöpft in einem Hotel einchecken. Doch jetzt ist nichts normal. Darum schlafen vier Piloten und vier Kabinenangestellte in den besten Betten, die ein Swiss-Langstreckenflugzeug zu bieten hat: in der First Class.

Grund dafür ist das strenge chinesische Corona-Grenzregime. Sollte bloss ein Mitglied der Swiss-Crew bei der Einreise ins Land eine erhöhte Körpertemperatur aufweisen, würde gleich die ganze Mannschaft zwei Wochen unter Quarantäne gestellt.

Für ihr Vorgehen hat die Swiss sogar das Einverständnis des Bundesamts für Zivilluftfahrt eingeholt.

«Die Ruhepause dauert sechs Stunden», bestätigt eine Swiss-Sprecherin gegenüber dieser Zeitung. Es sei sichergestellt, dass in dieser Zeit keine Beladung des Flugzeugs vorgenommen werde. Während des Aufenthalts dürfen sich die Crewmitglieder zudem die Beine auf dem Standplatz des Flugzeugs vertreten. Duschen stehen ihnen dagegen nicht zur Verfügung, weder im Flugzeug noch am Flughafen. Für ihr Vorgehen hat die Swiss sogar das Einverständnis des Bundesamts für Zivilluftfahrt eingeholt.

Drei 777 könnten umgebaut werden

Ebenfalls eine Sonderregelung hat die Swiss für ihren letzten verbliebenen Interkontinentalflug für Passagiere an den New Yorker Flughafen Newark beschlossen: Weil sie ihre Angestellten nicht im Corona-Hotspot schlafen lassen will, schickt sie eine zweite Crew mit, die den Rückflug übernimmt. Im Moment nimmt das zusätzliche Personal keinem Passagier den Platz weg, die Auslastung der Flüge ist tief.

Während der Passagierbereich also darbt, verstärkt die Swiss ihr Frachtgeschäft mit Medizingütern. Bis Ende Mai plant sie über 50 weitere Flüge an Destinationen weltweit. Um pro Flug mehr transportieren zu können, zieht sie nun auch in Erwägung, in drei ihrer Boeing 777 die Bestuhlung der Economy-Klasse auszubauen. Mit einer schnellen Erholung der Passagierzahlen rechnet offensichtlich keiner mehr.