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Bundesrat rät von Reisen abEdelweiss beharrt trotz allem auf Stornogebühren

Schweizer sollen nur noch reisen, wenn es unbedingt nötig ist. Ferienreisen fallen nicht darunter. Dennoch müssen Passagiere in einigen Fällen zahlen, wenn sie ihren Flug nun stornieren.

Bei Edelweiss  kann man immer noch buchen: Flieger landet am Flughafen Zürich am 24. März 2020 im Rahmen einer Rückholaktion des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten.
Bei Edelweiss kann man immer noch buchen: Flieger landet am Flughafen Zürich am 24. März 2020 im Rahmen einer Rückholaktion des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten.
Alexandra Wey (Keystone)

Flugstopp, Kurzarbeit, Ansteckungsangst an Ferien denken die meisten Schweizerinnen und Schweizer angesichts der ökonomischen und privaten Ausnahmesituation derzeit wohl nicht. Sollten sie auch gar nicht, findet der Bundesrat. Denn nur so liessen sich die Ansteckungsgefahr und die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen. «Verzichten Sie auf nicht dringende Auslandsreisen», heisst es denn auch in den offiziellen Empfehlungen.

Leser der Redaktion Tamedia, die sich an die Empfehlungen halten wollten, merkten aber: So einfach ist es nicht, die Reisen abzusagen. Ein Ehepaar aus Bern hätte eigentlich dieser Tage nach Cancún in Mexiko fliegen sollen. Natürlich habe man sich inzwischen entschieden, das angesichts der immer weiter eskalierenden Lage nicht zu tun, berichten sie. «Doch an der Hotline hiess es dann, dass die Stornierung des Fluges kostenpflichtig sei.» 260 Franken pro Person habe die Absage gekostet.

Flüge sind noch buchbar

Flüge nach Cancún sind denn auch bei Edelweiss weiterhin in den nächsten Wochen buchbar. Ebenso wie solche nach Havanna oder Male auf den Malediven. Das, so ein Sprecher, sei allerdings hauptsächlich, damit Urlauber wieder zurückkämen. Ausserdem habe es in der Schweiz auch einige Kubaner gegeben, die zurück in die Heimat hätten fliegen wollen.

«Cancún ist aktuell eine Destination, bei welcher keine Einschränkung der Einreise für Schweizerinnen und Schweizer besteht.»

Edelweiss-Sprecher

Dass man für die Stornierung trotz der Empfehlung des Bundesrates zahlen müsse, bestätigt der Sprecher allerdings. «Cancún ist aktuell eine Destination, bei welcher keine Einschränkung der Einreise für Schweizerinnen und Schweizer besteht», so die Begründung. Solche Flüge könnten daher unter den üblichen Tarifbedingungen annulliert werden. «Dies kann je nach gebuchtem Tarif kostenpflichtig sein.»

Er fügt aber auch an, dass für alle Tickets egal für welche Destination, eine einmalige kostenfreie Umbuchung der Reise mit einem Rückflug bis spätestens 31.12.2020 angeboten werde. «Die neuen Wunschdaten können bereits jetzt oder aber auch zu einem späteren Zeitpunkt mitgeteilt werden.»

Nicht alle haben Ende Jahr noch Ferien

Doch das sei gar nicht so einfach, berichtet ein anderer Leser, der seine geplante Reise ebenfalls nicht antreten will. «Mein Arbeitgeber hält uns an, unsere Ferien möglichst jetzt zu nehmen. Ich kann schlicht nicht gegen Ende Jahr noch mal drei Wochen in die Sonne, so gerne ich würde.» In dieser Situation sind derzeit viele Arbeitnehmende in der Schweiz. «Viele Unternehmen geben den Leuten jetzt frei, aber haben bereits ein Verbot ausgesprochen, im Juni, Juli oder August Ferien zu nehmen», sagt Babette Sigg, Präsidentin des Schweizerischen Konsumentenforums. Eine Frist bis Ende Jahr sei daher nicht fair.

«Falls das neue Flugdatum bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt ist oder der Passagier nach dem 31.12.2020 reisen möchte, besteht die Möglichkeit, die Tickets offenzuhalten und die Umbuchung gemäss den Tarifbedingungen vorzunehmen», so der Edelweiss-Sprecher dazu. Die gegebene Ticketgültigkeit von einem Jahr entfalle aufgrund der aktuellen Situation. Aber: Dann kann es immer noch zu Umbuchungsgebühren kommen.

Lage kann sich jederzeit ändern

Sigg findet dieses Vorgehen «der Situation nicht angepasst». Es sei wichtig, dass die Schweizerinnen und Schweizer sich an die Empfehlungen des Bundes hielten. «Ich verstehe nicht, wie ein Unternehmen sich so nonchalant darüber hinwegsetzen kann.» Alle Airlines, so die CVP-Politikerin, sollten sich jetzt kulant verhalten. «Besonders dreist ist es auch vor dem Hintergrund, dass derzeit in vielen Teilen der Welt Schweizer festsitzen, die nicht heimkommen.»

Einige Länder wie zum Beispiel Peru haben auch die Ausreisen wegen des Coronavirus verboten. «Es erfordert oft viel diplomatisches Geschick, die Betroffenen wieder heimzuholen.» Jetzt zu sagen: «Hinfliegen geht ja noch», sei daher unverantwortlich. Denn auch die Lage bezüglich Ausreisen könne sich jederzeit ändern.

«Vielleicht widerspiegelt das momentane Verhalten von Edelweiss mehr Hoffnung als Realitätsbezug.»

Franco Muff, Ombudsmann für Touristik

Rechtlich ist Edelweiss aber auf der sicheren Seite. «Die Situation lässt Einreisen in Mexiko noch zu, deshalb wird Edelweiss diese Haltung vertreten», so Franco Muff, Ombudsmann für Touristik. Eine generelle Reisesperre für Schweizer gibt es auch nicht, sondern nur die Empfehlungen. Dennoch fügt auch Muff an: «Vielleicht widerspiegelt das momentane Verhalten von Edelweiss mehr Hoffnung als Realitätsbezug, ist es doch gut möglich, dass Mexiko plötzlich ebenso eine Einreisesperre verhängt.»