Eishockey

Ein sportliches Erdbeben in Kloten

Beim EHC Kloten bleibt kein Stein auf dem anderen. Am Montag wurden Headcoach Pekka Tirkkonen (49) und Sportchef Pascal Müller (38) freigestellt und durch interimistische Lösungen ersetzt.

Aus und vorbei: Pekka Tirkkonen ist nicht mehr EHC-Trainer.

Aus und vorbei: Pekka Tirkkonen ist nicht mehr EHC-Trainer. Bild: Keystone

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Es war idyllisch gestern Morgen im Hardwald in Kloten. Herrliches Herbstwetter, auf dem zweiten offenen Eisfeld der Swiss-Arena kurvten einige Jugendliche herum, es fehlte nur noch, dass im nachbarlichen Freibad die Türen wieder geöffnet wurden. Auch in der Halle selber deutete zu diesem Zeitpunkt rein gar nichts auf das Gewitter hin, das schon bald über den EHC Kloten hereinbrechen sollte.

Pünktlich um 10.45 Uhr begann das Training mit Cheftrainer Pekka Tirkkonen und seinem Assistenten Niklas Gällstedt. Sportchef Pascal Müller sass auf der Tribüne und Teammanager Beat Equilino machte mit einigen Fans eine Führung durch die Katakomben. Man bekam zu diesem Zeitpunkt den Eindruck, dass heute Dienstag im Heimspiel gegen den HC Lugano alles beim Alten bleiben würde.

Doch um 15.03 Uhr erreichte ein Clubmail die Journalisten, das an Brisanz kaum zu überbieten war. Beim EHC Kloten bleibt in der sportlichen Führung kein Stein auf dem anderen.

Eine Niederlage zu viel

Cheftrainer Tirkkonen und Sportchef Müller sind per sofort frei­gestellt, beide hatten noch einen Vertrag bis Ende Saison in der Tasche. Interimistisch übernehmen Assistent Niklas Gällstedt und André Rötheli, bislang Head Coach Elite Junioren, die sportliche Leitung an der Bande. Sie werden also das Team im heutigen Heimspiel gegen den HC Lugano betreuen. Dem nicht genug. Auch Sportchef Pascal Müller muss per sofort gehen und wird einstweilen durch das Duo Peter Lüthi (bislang Leiter strategische Entwicklung) und Beat Equilino (bislang Teammanager und Medienverantwortlicher) ersetzt.

Die Entlassung von Cheftrainer Tirkkonen ist wenig überraschend, man kann sie nachvollziehen. Wer elf von dreizehn Partien verliert, hat keine Jobgarantie. Zumal dem EHC Kloten droht, den Kontakt zum Tabellenstrich endgültig zu verlieren. Die 2:4-Niederlage am vergangenen Samstag in Biel war für Tirkkonen offenbar eine zu viel.

Müllers Freistellung erstaunt

Weshalb allerdings auch Sportchef Müller gehen muss, ist weniger leicht zu erklären. Noch im Sommer hatte er ein Angebot in gleicher Funktion von den ZSC Lions gehabt. Doch damals wollte Präsident und Vereinsinhaber Hans-Ueli Lehmann vom ZSC eine Entschädigung haben. Als diese vom «Z» nicht gewährt wurde, liess er Müller nicht gehen und die Stadtzürcher entschieden sich für Sven Leuenberger.

Als Sportchef gelangen Müller in der vergangenen Saison mit den Engagements der günstigen Ausländer Drew Shore und Bobby Sanguinetti zwei Glücksgriffe. Er machte mit den bescheidenen verfügbaren finanziellen Mitteln einen guten Job. Zugegeben, die Resultate stimmten dann in der laufenden Qualifikation nicht, zehn Punkte Rückstand auf den Tabellenstrich sind zu viel und dafür haftet auch der Sportchef. Trotzdem kommt seine Freistellung überraschend und war nicht zwingend nötig.

Schläpfer, Hollenstein

Für Lehmann selber gibt es für die Mutationen im sportlichen Bereich nur einen Grund: «Die Resultate sind allein entscheidend. Ich konnte nach der Niederlage in Biel erstmals nicht mehr gut schlafen und wusste, dass jetzt Handlungsbedarf besteht.» Das habe nichts persönlich mit Tirkkonen und Müller zu tun, er habe mit ihnen keinerlei Probleme gehabt. Im Gegenteil. «Aber jeder, der in diesem Business tätig ist weiss, dass ungenügende Resultate Konsequenzen haben können. Das gilt für den Trainer, das gilt aber auch für den Sportchef», erklärt der Unternehmer als Glattfelden.

Die Entscheidung sei in Absprache mit den anderen Ver­waltungsratsmitgliedern erfolgt, eine eigentliche Krisensitzung habe es aber nicht gegeben. Die jetzigen Lösungen seien temporär, ein neuer Cheftrainer wie auch ein neuer Sportchef werden gesucht. Wobei der Trainer natürlich mehr Priorität habe, in zwei bis drei Wochen müsse allerspätestens ein neuer Mann an der Bande stehen.

Kevin Schläpfer, der derzeit immer bei einer Trainerentlassung genannt wird, sei eine Möglichkeit. Andere aber auch. Eine interne Lösung mit Vereinslegende Felix Hollenstein dürfte auch eine Option sein. Klar ist: Den gestrigen Tag wird man in Kloten nicht so schnell vergessen. Ob er auch die Basis zu einer besseren sportlichen Zukunft ist, wird erst die Zukunft zeigen. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 16.10.2017, 14:57 Uhr

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