Zum Hauptinhalt springen

iPhone Mini und Max im TestEin Apple-Telefon für alle Fälle

Diesen Freitag kommen das iPhone 12 Mini und das iPhone 12 Pro Max in die Läden. Wie gut sind das grösste und das kleinste iPhone – und was muss man für Kompromisse machen?

Das iPhone 12 Mini und Pro Max stellen das 12 und 12 Pro in den Schatten.
Das iPhone 12 Mini und Pro Max stellen das 12 und 12 Pro in den Schatten.
Foto: Rafael Zeier

Wenn Apple die neuen iPhones wie jetzt gestaffelt auf den Markt bringt, ist das für die eiligsten Kundinnen und Kundinnen immer schwierig. Soll man schon zuschlagen oder besser noch auf die anderen Modelle warten? Für Tester ist das dafür angenehmer. So hat man mehr Zeit für die einzelnen Geräte. Für die grosse Mehrheit spielt das alles keine Rolle. Die kauft sich dann ein neues Telefon, wenn gerade eines gebraucht wird.

Und gerade für die grosse Mehrheit ist die Auswahl heuer – allein bei Apple – komplexer denn je. Ganze fünf neue iPhones hat Apple dieses Jahr lanciert. Bereits auf dem Markt sind diese drei:

  • iPhone SE (ab 450 Fr.): Das günstigste iPhone kommt mit dem Knopf-Design von vorgestern und ist die Budget-Option Sortiment. Zum Testbericht

  • iPhone 12 (ab 880 Fr.): Der Nachfolger des beliebten iPhone 11 hat mit 5G und Magsafe alle neusten Funktionen. Zum Testbericht

  • iPhone 12 Pro (ab 1130 Fr.): Das Pro ist exakt gleich gross wie das Nicht-Pro. Für den Aufpreis gibt es ein glänzendes Design und eine Kamera mit mehr Funktionen und Objektiven. Zum Testbericht

Und nun kommen diesen Freitag noch zwei weitere hinzu:

  • iPhone 12 Mini (ab 780 Fr.): Das kleinste iPhone ist sogar noch kleiner als das iPhone SE. Technisch bietet es alles, was das iPhone 12 auch hat. Einzig der Bildschirm ist deutlich kleiner und der Akku hält auch nicht ganz so lang.

  • iPhone 12 Pro Max (ab 1230 Fr.): Das grösste iPhone hat nicht nur den ausdauerndsten Akku und den grössten Bildschirm, es hat auch eine bessere Kamera als das iPhone 12 Pro.

Die letzteren zwei habe ich nun eine Woche lang im Alltag ausprobiert. Dabei bestätigt sich, was schon der Testbericht zum iPhone 12 und iPhone 12 Pro aussagte: Dank 5G, schnellem Prozessor, guten Kameras und Magsafe sind die neuen iPhones auch in 3 bis 4 Jahren noch gut genug. Und das kantige Design hebt sich wohltuend vom rundlichen Einheits-Look aller anderen Smartphones ab.

Grössenvergleich:
Oben: Das iPhone 12 Mini, iPhone SE, iPhone 12, iPhone 12 Pro und das iPhone 12 Pro Max.
Unten: Das iPhone 11, iPhone XS und das iPhone 11 Pro Max.
Grössenvergleich:
Oben: Das iPhone 12 Mini, iPhone SE, iPhone 12, iPhone 12 Pro und das iPhone 12 Pro Max.
Unten: Das iPhone 11, iPhone XS und das iPhone 11 Pro Max.
Foto: Rafael Zeier

Abgesehen vom iPhone-typischen hohen Preis ärgert im Alltag vor allem das Fehlen eines Fingerabdrucksensors. In Zeiten von Gesichtsmasken ist Entsperren per Gesichtserkennung keine gute Idee. Da haben fast alle Android-Top-Handys und auch das iPhone SE mit ihren Fingerabdrucksensoren einen grossen Komfortvorteil.

Nun da wir damit die Basics schon abgehandelt haben, können wir uns den wichtigsten Neuerungen der zwei Neulinge widmen:

Die Mini-Grösse

Wenn man das Mini auspackt, muss man unweigerlich schmunzeln. Ein so kleines iPhone hatte ich seit dem iPhone SE von 2016 nicht mehr im Gebrauch. Es liegt grossartig in der Hand und endlich trifft man mit dem Daumen alle Ecken des Touchscreens ohne Verrenkungen zu machen oder eine zweite Hand zu Hilfe zu nehmen.

Die leichte Bedienbarkeit hat aber einen offensichtlichen Nachteil. Der Bildschirm (auch wenn er nahezu randlos ist) ist, wirkt schon sehr klein. Wer sich wie ich mit grossen Smartphones arrangiert hat, muss sich wieder umgewöhnen. Lange Artikel mochte ich auf dem Mini nicht lesen und schon gar nicht schreiben.

Da mich der kleine Bildschirm des Mini weniger zum Verweilen verleitet hat, bekam ich auch keine Akku-Probleme. Das Mini reichte in meinen Tests jeweils durch einen Tag. Vielnutzer dürften es freilich schon im Verlauf des Nachmittags leer bekommen. Aber der typische Mini-Kunde, der die neuste Technik in einem möglichst kleinen Gerät haben möchte und nicht ständig am Bildschirm klebt, dürfte damit gut durch den Tag kommen.

So gesehen erinnert das iPhone 12 Mini an das Sony Xperia Z1 Compact von 2014. Das verfolgte eine ähnliche Philosophie und wurde ein grosser Erfolg. Leider verabschiedete sich Sony in den Folgejahren von der Strategie, Toptechnik in kleine Gehäuse zu stecken – und damit verabschiedete sich auch der Erfolg. Apple dürfte das nicht passieren. Wer kleine Handys (egal ob iPhone oder Android) mag, elegantes Design schätzt und bei den neusten Funktionen keine Kompromisse machen mag, kommt am iPhone 12 Mini nicht vorbei.

Die Max-Kamera

Das iPhone 12 Pro Max fühlt sich in der Hand gut und gerne doppelt so gross an wie das iPhone 12 Mini. Dank dem kantigen Design ist es immerhin nicht so rutschig wie die rundlicheren Vorgänger. Trotzdem führt kein Weg an Fingerakrobatik oder Zweihandbedienung vorbei.

Dank dem grossen Bildschirm kann man darauf aber auch hervorragend arbeiten, Filme schauen oder Games spielen. Aber die schiere Grösse ist nicht das Spannendste am Max. Es ist die Kamera.

Die Dreifach-Kamera unterscheidet sich nämlich von der des iPhone 12 Pro markant. Das Teleobjektiv hat etwas mehr Zoom (2,5x statt 2x) und in der Normalkamera (auch Weitwinkel oder 1x genannt) kommt ein rundum neuer und vor allem grösserer und stabilisierter Fotosensor zum Einsatz.

Ohne in die technischen Details zu gehen: Dadurch fängt der Sensor (übrigens weiterhin 12 Megapixel) mehr Licht auf und dadurch gelingen dem iPhone 12 Pro Max bei wenig Licht bessere Fotos. Mindestens in der Theorie. Im Alltag muss man schon genau hinschauen und die richtigen Situationen erwischen, um den Unterschied zum iPhone 12 Pro mit dem kleineren Sensor zu sehen.

Am auffälligsten war der Unterschied, wenn ich am Abend Kinderfotos machte. Während die Gesichter mit dem 12 Pro leicht verschwommen waren, waren sie mit dem 12 Pro Max noch scharf. Der Unterschied war je nach Licht mal grösser, mal kleiner und mal inexistent.

Wer aber nur wegen der Kamera ein 12 Pro kaufen will, sollte sich gut überlegen, ob es dann nicht gleich das 12 Pro Max sein soll. Der Aufpreis von 100 Franken ist für Apple und in der Preisklasse überraschend moderat.

Bedenken sollte man auch, dass iPhone-Kameras mit jedem Update noch besser werden, da die Techniker in Cupertino noch fleissig an der Software optimieren. Gerade im Hinblick auf die Möglichkeit, Fotos im bei Profis beliebten RAW-Format zu machen, könnte das iPhone 12 Pro Max mit dem grösseren Sensor künftig noch spannender werden.

Fazit

2019 war ein sehr gutes iPhone-Jahr. Die 11er-iPhones gefallen auch heute noch sehr. Längerfristig dürften ihnen die neuen 12er-iPhones aber die Show stehlen. Mit 5G, dem effizienten Prozessor, einem neuen Design und Magsafe machen sie nochmal einen grossen Sprung vorwärts und dürften noch viele Jahre im Gebrauch bleiben.

Mit dem neuen iPhone-Sortiment wagt sich Apple aber auch weit aus der Deckung und erinnert mehr denn je an Handy-Hersteller wie Samsung, Huawei oder früher Nokia, die in allen Preisklassen und Grössen Angebote haben. Das ist toll für uns Kunden. Für jedes Budget und jeden Anspruch findet sich was. Apple ist aber gut beraten Fokus, Überblick und Einfachheit zu wahren. Denn eine zu komplizierte Abstufung der einzelnen Modelle, die sich einem erst nach dem Studium von Funktionstabellen erschliesst, birgt unweigerlich das Risiko, dass die Kundschaft den Überblick und irgendwann das Interesse verliert.

4 Kommentare
    Herbert Berger

    Ein Apple-Phone für alle Fälle? Also sowohl für Akkusativ als auch Genitiv, Dativ und Nominativ? Nicht schlecht für ein in China zusammengebasteltes Handy aus den USA.