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Kommentar zum Corona-Déjà-vu in der WaadtEin Kanton wird zur Gefahr für die Schweiz

Die Regierung in Lausanne versagt bei der Corona-Bekämpfung. Und wird damit zum Problem für das ganze Land.

Locker gestimmt durch die Krise: Die Waadtländer Regierungsrätinnen Nuria Gorrite, Rebecca Ruiz und Béatrice Métraux (von links).
Locker gestimmt durch die Krise: Die Waadtländer Regierungsrätinnen Nuria Gorrite, Rebecca Ruiz und Béatrice Métraux (von links).
Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

Wer in einem wichtigen Bereich schlechter als alle anderen dasteht, sollte gründlich in sich gehen. Und dann handeln. Beim Kanton Waadt, der aktuell die weitaus meisten Covid-Neuinfektionen verzeichnet, hapert es mit beidem.

Zwar ergreift die Waadtländer Regierung angesichts der rapide wachsenden Fallzahlen nun endlich ein paar Massnahmen: Sie schliesst die Diskotheken, weitet die Maskenpflicht aus und führt für private Feste eine Limite von 100 Personen ein. (Hier geht es zum Bericht) Doch das Bewusstsein dafür, wie schief die Dinge im Moment laufen, scheint noch immer zu fehlen.

Das Bewusstsein dafür, wie schief die Dinge im Moment laufen, scheint noch immer zu fehlen.

Insbesondere das Contact-Tracing, also die Rückverfolgung von Infektionsketten, funktioniert in der Waadt schlechter als in den meisten anderen Kantonen. Die Kontakte von Infizierten werden kaum je ausfindig gemacht, sofern sie nicht dem engsten Familienkreis angehören. Man sei halt ein grosser Kanton so der unbekümmerte Kommentar von Regierungspräsidentin Nuria Gorrite (SP) hierzu. Und überhaupt: Von Quarantäne verspricht sich das Gremium nicht viel, und die Wirtschaft will man möglichst schonen. Das Resultat dieser fortwährenden Nonchalance sind zunehmend überlastete Spitäler und ein wachsendes Chaos bei den zuständigen Behörden.

Doch Corona kennt keine Kantonsgrenzen. Wenn die Waadtländer Zahlen explodieren, wird die Situation auch bei den Nachbarn ausser Kontrolle geraten, irgendwann vielleicht in der ganzen Schweiz. Ein Föderalismusproblem, einmal mehr: Es reicht, dass einer von 26 Kantonen versagt, und schon droht Gefahr für das ganze Land.

Für künftige Pandemien braucht es daher im Minimum ein verbindliches Monitoring der kantonalen Regimes. Es darf nicht mehr genügen, dass sich eine Kantonsregierung selber gute Zeugnisse schreibt. Wenn die Lage irgendwo ernsthaft zu entgleiten droht, müssen übergeordnete Stellen eingreifen können. Im Fall Waadt wäre dieser Moment jetzt gekommen.

71 Kommentare
    Marc-Reto Wirth

    Nicht die Kantone, sondern der Bund bzw. BR muss wieder die zentrale Hoheit über schweizweit gültige Entscheide und Massnahmen in Sachen Corona 19 haben.

    Es macht absolut keinen Sinn dass in der kleinen Schweiz mit der hohen Bevölkerungsdichte und dem hohen Mobilitätsstandard - von Nord nach Süd - Ost nach West - sind es zwischen max. 2 und 3 Auto-/Bahn-OEV-fahrtstunden - welche die 26 Kantone verbinden, theoretisch 26 kantonseigene Regeln und Massnahmen zur Anwendung kommen.

    Täglich pendeln hunderttausende kantonsübergreifend - von ihrem Wohnort an ihren Arbeitsort und zurück. Ähnliches gilt für das Freizeitverhalten ausserhalb der Arbeitszeiten.

    In der Pandemiezeit ist kein Platz für Kantönligeist und Beamtenkompetenzgerangel und geschäftslobby-politischen "Lokalkolorit", denn die Lage ist ernst und wird vermutlich noch ernster werden (2. Welle?).

    In den umliegenden grossen Ländern mögen regionenspezifische Lösungen evtl. vorläufig Sinn machen, denn diese sind im Durchschnitt in Bezug auf Fläche und Anzahl Einwohner - mit Ausnahme Oesterreichs oder Liechtensteins - rund 10mal grösser als die Schweiz und zeigen in Bezug auf Besiedelungsdichte und regionale Wirtschaftskraft, Pendlerdistanzen sowie auch verkehrstechnisch und strukturell sehr grosse Unterschiede in den Regionen (Bsp. BRD Ost-West, Nord-Süd-Gefälle, ähnliche zeigt sich auf in Frankreich, Italien oder Oerstrerreich), was sich auch an den signifikanten Unterschieden der Covid 19-Verbreitungung zeigt.