Ein schmerzhafter Abend für den ZSC

Beim 1:2 in Bern verliert der Leader nicht nur das Spiel, sondern auch Topskorer Garrett Roe.

Verdacht auf Gehirnerschütterung: Nach dem Out von Garrett Roe fehlte der ZSC-Offensive die ordnende Hand. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Verdacht auf Gehirnerschütterung: Nach dem Out von Garrett Roe fehlte der ZSC-Offensive die ordnende Hand. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

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Garrett Roe und Tristan Scherwey werden keine Freunde mehr. Schon im Januar checkte der wilde SCB-Flügel den Amerikaner gegen den Kopf, am Samstag erwischte er ihn erneut: Es lief die 19. Minute, als Scherwey auf Roe zustürmte und ihm den Ellbogen an den Kopf wuchtete.

Der ZSC-Center hatte zuvor den Puck an der Bande weitergespielt und keine Ausweichmöglichkeit, sein Kopf schnellte beim Zusammenprall nach hinten. Einen Einsatz bestritt Roe noch, doch weil er sich groggy fühlte, spielte er danach nicht mehr. Der Verdacht einer Gehirnerschütterung liegt nahe.

Der Stein des Anstosses: Tristan Scherwey checkt Garrett Roe. (Video/Quelle: MySports)

Schon wieder Scherwey

Roe machte die Rückreise im Teambus mit und wird heute genauer untersucht. Ob er länger ausfällt, ist noch offen. Sicher weiterspielen wird Scherwey. Der PSO und der Einzelrichter sind sich einig, dass er nicht gesperrt werden soll, weil der erste Kontakt nicht gegen den Kopf erfolgt sei. Dass Scherwey mit dem Ellbogen auf den Kopf ­zielte, ist aber offensichtlich. Im Januar, als Roe noch für den EVZ spielte, hatte der SCB-Stürmer für seine Attacke gegen sein offenbar liebstes Opfer noch vier Spielsperren kassiert.

Ohne Roe fehlte bei den ZSC Lions in Bern ab dem Mittel­abschnitt die ordnende Hand im Offensivspiel. Besonders gut zu sehen war dies im Powerplay. Sonst eine Stärke der Zürcher, brachten sie da während ins­gesamt zehn Minuten nichts zustande. Das war denn auch der Unterschied in einer intensiven Partie, in der Berns Rüfenacht zu Beginn des Mittelabschnitts in Überzahl zum 2:0 traf.

«Das war ein Spiel mit Playoff-Intensität», urteilte der ­Zürcher ­Coach Rikard Grönborg. «Der SCB ist ein stolzes Team und war nach seiner Nieder­lagenserie besonders gefährlich. Wie ein verwundetes Tier. Und dass die Berner viel Qualität ­haben, ist offensichtlich. Sonst wären sie nicht Champions.»

Sein Team habe nach dem Zweitorerückstand dominiert, fand Grönborg. «Aber der Puck lief nicht für uns.» Hatten sich die Lions beim 7:2 gegen Lugano durch ihre Effizienz im Abschluss ausgezeichnet, trafen sie diesmal trotz 37 Schüssen nur einmal.

Gut möglich, dass es den Zürchern zuletzt etwas zu gut gelaufen war. Gegen den aufopfernd, manchmal verzweifelnd kämpfenden SCB liessen sie die letzte Konsequenz im Abschluss vermissen. «Bern war hungriger», sagte Captain Patrick Gee­ring ohne Umschweife. Roman Wick fügte an: «Wir haben zu wenig aus unseren Druckphasen gemacht, setzten vor dem Tor zu wenig energisch nach.»

Wick: «Meine letzte Saison»

Der Stürmer bestätigte spätabends in den Katakomben der Postfinance-Arena, dass er sich mit Sportchef Sven Leuenberger auf einen neuen Vertrag um eine weitere Saison geeinigt hat. Nur die Unterschrift stehe noch aus. Prüfte er auch andere Optionen? Wick lächelte: «Nein, für mich kam nur der ZSC infrage. Mit diesem Team macht es extrem Spass.» Fast beiläufig fügte er an: «Ich kann auch offen sagen, dass es meine letzte Saison sein wird.»

Im Frühjahr 2021 wird Wick 35-jährig sein. Ein Alter, in dem viele noch weiterspielen. Doch er sagt: «Irgendwann ist es einfach Zeit.» Wegen Rückenproblemen verpasste er das Gros der vergangenen Saison. In diesem Winter ist er aber wieder fit und spielt er eine gute Rolle in der ZSC-Offensive. Er hat in 19 Spielen 10 Punkte gesammelt, obschon er selten im Powerplay spielt.

Wick stiess 2012 von den Kloten Flyers zum Stadtrivalen, als sein Stammclub sparen musste und eine Taskforce entschied, dass man ihn sich nicht mehr leisten könne. Es war ein Seitenwechsel mit viel Getöse. Bei den ZSC Lions brauchte Wick keine Anlaufzeit: Er punktete von Beginn weg verlässlich, sofern gesund, erzielte dreimal 20 Tore oder mehr und wurde 2014 und 2018 mit den Zürchern Meister.

Gerne würde er sein Palmarès in seinen letzten beiden Saisons noch weiter anreichern.


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Erstellt: 18.11.2019, 06:13 Uhr

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