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Wikimedia-Chefin Katherine MaherEine der mächtigsten Frauen des Internets tritt ab

Katherine Maher hat dem grössten Online-Lexikon einen Verhaltenskodex verpasst. Nun geht sie. Der Kampf gegen Trolle und für Autorinnen wird auch ihre Nachfolger beschäftigen.

Die Geschäfsführerin der Wikimedia-Stiftung Katherine Maher bei einer Konferenz 2018 in Bern. Jetzt tritt sie ab.
Die Geschäfsführerin der Wikimedia-Stiftung Katherine Maher bei einer Konferenz 2018 in Bern. Jetzt tritt sie ab.
Foto: Tamedia

Katherine Maher hat in einem Abschiedsbrief auf der Homepage von Wikimedia verkündet, dass sie bereits Mitte April dieses Jahres ihr Amt abgeben will. Die Stiftung sitzt in San Francisco, hat rund 450 Mitarbeiter und betreibt die Online-Enzyklopädie Wikipedia, die im Januar ihren 20. Geburtstag feierte.

Maher hatte damit die Hoheit über mittlerweile 55 Millionen Beiträge in knapp 300 Sprachen, an denen mehr als 200'000 Freiwillige mitschreiben.

Als Wikimedia-Chefin hatte die US-Amerikanerin eine besondere Führungsrolle inne. In der musste sie das Kunststück fertigbringen, eine Organisation zu führen, deren Grundprinzipien flache Hierarchien und Schwarmintelligenz sind. Denn Wikipedia ist eher eine Bewegung und eine Infrastruktur als eine Organisation im traditionellen Sinne.

Maher referiert beim Web-Summit in Portugal.
Maher referiert beim Web-Summit in Portugal.
Foto: NurPhoto via Getty Images


Nachdem ihre Vorgängerin Lila Tretikov nach langem Streit über ihren Führungsstil zurücktreten musste, hat Maher die Stiftung wieder geeint und auf Kurs gebracht. Vor allem Tretikovs Idee, die Stiftung in eine «Hightech-NGO» zu verwandeln und eine «Knowledge Engine» ähnlich der Google-Suchmaschine zu bauen, führte damals zu Ärger unter den Mitarbeitenden.

Maher war auch im Geldeinsammeln erfolgreich. So stieg unter ihrer Ägide das Spendenaufkommen an. Mittlerweile verfügt die Non-Profit-Organisation über ein Stiftungsvermögen von mehr als 90 Millionen US-Dollar. Das Jahresbudget hat sich für 2021 auf geschätzte 140 Millionen US-Dollar verdoppelt.

Die Zahl der Autorinnen sei im vergangenen Jahr um 30 Prozent gestiegen, schreibt sie zum Abschied auf Twitter.

Nicht nur finanziell bewirkte die Wikimedia-Chefin einen Aufschwung, sagt sie zumindest. Maher gibt an, dass die Enzyklopädie unter ihrer Führung 30 Prozent mehr Leserinnen und Leser habe. Die Geschlechterfrage beschäftigt Wikipedia und damit auch Maher seit Langem und mit ihr die Erkenntnis, dass es vor allem Männer sind, die über das Online-Wissen der Welt streiten und entscheiden.

Maher versuchte, die Zahl der Frauen, die Artikel für das Online-Lexikon schreiben, zu erhöhen. Auch die Zahl der Autorinnen sei im vergangenen Jahr um 30 Prozent gestiegen, schreibt sie zum Abschied auf Twitter. Das liege vor allem daran, dass neue Freiwillige aus Afrika, Amerika und Ozeanien dazugekommen seien.

Zu ihren letzten Projekten gehört der erst vor wenigen Tagen von der Stiftung veröffentlichte «Code of Conduct». Der Verhaltenskodex soll Mindeststandards für alle Beteiligten der weltweiten Wikipedia-Communitys festlegen. Er umreisst, welches Verhalten inakzeptabel sein soll, unter anderem Beleidigungen, sexuelle Belästigungen, Trollerei, Machtmissbrauch und auch Vandalismus. Geprüft und durchgesetzt werden sollen diese Verhaltensregeln durch gewählte, unabhängige Gremien, die es in einigen Communitys und Projekten der Wikipedia bereits gibt.

Maher war 2016 Chefin der Stiftung geworden. Zuvor vor war die heute 37-Jährige für die Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung zuständig. Sie hat unter anderem in Ägypten und Syrien Arabisch und Orientalistik studiert.

Die Wikimedia Foundation hat nun eine Kommission gebildet, die eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für Maher sucht. Der amerikanischen Nachrichten-Website Axios sagte die scheidende Chefin, dass sie sich eine Person an der Spitze der Stiftung wünsche, die aus der «Zukunft des Wissens» komme. Das bedeute, dass es eine Person aus Afrika, Indien oder Lateinamerika sein solle, schreibt Axios.

Zu ihrer Zukunft und ihren künftigen Aufgaben sagte Maher, dass sie zurück an die Ostküste möchte. Sie sei offen für eine neue Herausforderung.

11 Kommentare
    Rim Mayorz

    Irgendwie verstehe ich das nicht: Warum muss denn das Bemühen um weibliche Autorinnen hier als Erfolg verstanden werden? Wikipedia ist doch eine Plattform wo jede Frau selber entscheiden will und darf ob sie einen Artikel beitragen will. Und wenn diese es anscheinend bevorzugen es nicht zu tun (wie das hier beschrieben ist), dann ist das eben so. Aber der Artikel wird ja nicht besser, schlechter oder diverser nur weil jemand einem bestimmten Geschlecht angehört, denn das würde ja deren eigenem Code of Conduct widersprechen. Also ein wenig blabla finde ich, aber ansonsten eine top Bewegung und in der Regel meine erste Quelle der Informationsbeschaffung.