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KommentarEinfach nur
dagegen sein
reicht nicht

Die Flaachtaler Interessengemeinschaft «Lass die Schulen im Dorf» hat die Schliessung von Schulhäusern abgewendet. Vorerst. Jetzt müssen die Kritiker beweisen, dass sie es besser können als die Schulpflege.

Sich gegen die Schliessung des Schulhauses im eigenen Dorf zu wehren, ist verständlich und legitim. So gesehen hat die Interessengemeinschaft (IG) «Lass die Schulen im Dorf» am Mittwochabend einen grossen Sieg eingefahren. Mit einem Dauerfeuer auf die Behörde, die drei der fünf Schulstandorte im Flaachtal schliessen wollte, ist ihr das gelungen. Tatkräftig unterstützt von den Gemeinderäten von Berg am Irchel und Dorf.

Aber wie? Und mit welchen Folgen? Natürlich ist die IG keine «Schattenregierung», formal verantwortlich ist die Schulpflege. Doch so leicht kann sich die IG nun nicht der Verantwortung entziehen. Denn sie war es, die in der Stimmbevölkerung sehr grosse Hoffnungen geweckt hat – mit teils sehr fragwürdigen Methoden.

So zauberte die IG die drohenden Schulschliessungen mit realitätsfremden Berechnungen aus der Welt. Oder sie verglich Birnen mit Äpfeln, indem sie die Kosten für die geplanten Ergänzungsbauten in Buch am Irchel und Flaach unredlich den viel höheren Kosten für Neubauten gegenüberstellte – und fertig war das Schreckgespenst von doppelt so hohen Ausgaben. Auch unterstellte die IG der Schulpflege bösartiges Verhalten: Die Behörde würde die Bevölkerung täuschen und ihr Informationen vorenthalten.

Und die IG zeigte mangelnde Kritikfähigkeit. Als der «Landbote» über die Fehlinformationen der Interessengemeinschaft und die Kritik an ihr zu berichten begann, platzierte die IG die Artikel dieser Zeitung kurzum nicht mehr auf ihrer Website. Der Bericht einer anderen Tageszeitung, in dem die Kritik der Schulleiterin am IG-Alternativvorschlag mit keinem Wort erwähnt wurde, war der IG hingegen hochwillkommen. Anders verhielt sich die Schulpflege: Sie stellte alle Artikel auf ihre Website – selbst solche, in denen sie massiv kritisiert wurde.

Ja, die Schulpflege informierte zu Beginn ungenügend. Doch das anfängliche Manko machte sie danach mehr als wett. Und anders als von der IG behauptet, hatte die Behörde sehr wohl Alternativen vertieft geprüft und dieses Bemühen auch dokumentiert. Aber man muss solche Berichte halt auch lesen wollen. So muss sich die behördenkritische Stimmbevölkerung heute den Vorwurf gefallen lassen, dass sie sich in der Vergangenheit viel zu wenig für die Belange der Schule interessierte. Es gibt eben nicht nur eine Bringschuld der Behörde, sondern auch eine Holschuld des Bürgers.

Der Sieg der IG hat kein einziges Problem gelöst. Das kantonale Volksschulamt wird die Stellenprozente für Lehrpersonen kürzen. Dann werden noch mehr Schulkinder im Flaachtal herumgekarrt, um die zu kleinen Klassen da und dort aufzufüllen. Deshalb wird es noch mehr Rekurse verärgerter Eltern geben. Die Verhältnisse im Tal werden unberechenbar und instabil bleiben. Vermutlich wird das Flaachtal bereits in wenigen Jahren wieder am gleichen Punkt stehen wie vor dem denkwürdigen Mittwochabend in Buch am Irchel. Wenn nicht, umso besser.

2 Kommentare
    PeterBosshard

    Mutmassungen. Hätte, wäre, würde, könnte ...

    Danke für den treffenden Kommentar von Herrn Brupbacher, der die Situation mit etwas Distanz beurteilt. Es sind tatsächlich keine Probleme gelöst worden, im Gegenteil.

    Meine Ansichten zum Thema:

    1. Seit einer Woche ist es möglich, an Stelle von Gemeindeversammlungen die Meinungen der Bevölkerung mittels Urnenabstimmung abzuholen. Es wäre durchaus möglich gewesen, dass der Projektierungskredit an der Urne durchgekommen wäre, weil es mit dem Stimmcouvert in Coronazeiten einfach bequemer geht.

    2. Hans Beereuter hatte mit seinem Rückweisungsantrag die Bevölkerung im Flaachtal nochmals auffordern wollen, die Diskussion zu suchen; man müsse sich zusammenraufen und alle beteiligten Politischen Gemeinden erneut einbeziehen, damit eine für "alle" gute Lösung entstehen würde. Im online-Kommentar von Herrn Döbeli (IG Lass die Schulen im Dorf) tönt das etwa gleich.

    An diesem Wochenende wird über die Gemeindefusion rund um Andelfingen abgestimmt. Im Vorfeld fanden diverse öffentliche Veranstaltungen statt und die Gemeindebehörden hatten sicher sehr viele Meinungen ausgetauscht. Gemäss den Zeitungsartikeln sind sich die Gemeindebehörden nun aber alles andere als einig! Es wird sich zeigen, welche Haltung die Bevölkerung hat. Ich bin gespannt.

    Die Erfolgschancen von weiteren Diskussionen für die Schullösungen im Flaachtal schätze ich deshalb als nicht sehr hoch ein. Da bin ich für einmal eher pessimistisch.

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