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Protest im Schweizer EishockeyEinfach nur protestieren: Das reicht nicht

Die geplante Ausländer-Aufstockung entzweit das Schweizer Eishockey. Für ein Happy End braucht es von den Spielern endlich konkrete Vorschläge. Ihnen fehlt dafür aber die Einigkeit.

Landesweiter Protest in unterschiedlichen Farben, mit den gleichen Worten: Hier bei Rapperswil-Jona gegen die ZSC Lions …
Landesweiter Protest in unterschiedlichen Farben, mit den gleichen Worten: Hier bei Rapperswil-Jona gegen die ZSC Lions …
Foto: Thomas Oswald (freshfocus)
… bei Ambri-Piotta gegen Bern …
… bei Ambri-Piotta gegen Bern …
Foto: Michela Locatelli (freshfocus)
… sowie bei Biel gegen Fribourg.
… sowie bei Biel gegen Fribourg.
Foto: Screenshot MySports
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Eines muss man den Schweizer Eishockeyspielern lassen: Am Samstag haben sie mit ihrem Protest beim ersten Puck-Einwurf viele überrascht. Viele Fans, TV-Zuschauer und selbst einige Coachs. Es gab Teams im Strichkampf, die angesichts der Wichtigkeit des Spiels ihre Trainer extra schon am Vortag informierten. Es gab aber auch solche, die ihre Chefs an der Bande keine halbe Stunde vor Puck-Einwurf einweihten.

Darüber, was die Aktion brachte, lässt sich streiten. Die Sympathien vieler Fans haben die Spieler auf sicher. Dank den von den Ultras gestalteten Bannern, die sie hochhielten, ist das nicht überraschend, es war eine gemeinsame Aktion zweier Lager, die sich in Zeiten der Liga-Reformen übergangen fühlen. Einerseits beim Beschluss, ab 2022 womöglich sieben statt vier ausländische Spieler zu erlauben, andererseits bei der Absicht, den automatischen sportlichen Abstieg abzuschaffen.

Für viele ausländische Spieler war der Protest ein Eiertanz.

Aber bringt die Aktion die Spieler auch ihren Zielen oder einer Einigkeit mit der Liga näher? Kaum. Weil es dieses klar definierte gemeinsame Ziel noch gar nicht zu geben scheint. Und weil die Einigkeit fehlt, trotz der von Jonas Hiller präsidierten Spielvereinigung Sihpu, in der Spieler aller 12 Clubs vertreten sind.

Für viele ausländische Spieler zum Beispiel war der Protest ein Eiertanz. Keiner stand beim Puck-Einwurf auf dem Eis, es gab solche, die erst nach der Aktion aus der Garderobe kamen, weil sie als Teil des Protests negative Auswirkungen bei den Vertragsverhandlungen für nächste Saison befürchteten. Es gab dabei solche, die ihre Schweizer Kollegen gern unterstützt hätten, sich dann aber doch lieber für Solidarität mit ihren ausländischen Freunden entschieden. Und es gab solche, die die Aktion schlicht nicht gut fanden, da ihnen sieben statt vier Importplätze grössere Chancen auf einen längeren Verbleib in der Schweiz bringen. Das Verhältnis zwischen Schweizer Spielern und den Ausländern wird in dieser Saison generell schon auf die Probe gestellt. Nicht in allen Clubs mussten die Imports wegen Corona in gleichem Masse auf Löhne verzichten.

Es gibt aber auch jene Schweizer Spieler, die nicht genau wissen, was sie wollen, ausser die Erhöhung der Anzahl Ausländer zu verhindern. Die keinesfalls bereit sind, freiwillig auf noch mehr Geld zu verzichten, um damit eine Annäherung an die Liga zu ermöglichen. Es gibt immer noch jene, die eigentlich gegen Lohnkürzungen waren und sind und diese selbst in Zeiten von Corona nur zähneknirschend akzeptieren. Weil sie die Schuld der Lohnexzesse komplett bei den Clubs sehen, die jahrelang mehr gezahlt hätten, als sie eigentlich sollten und könnten. Weil sie keine Chance mehr auf eine Diskussion auf Augenhöhe sehen, wenn sie nun in Zeiten der Krise zwar auf Geld verzichten, einzelne Clubs aber immer noch einen fünften oder gar sechsten Ausländer verpflichten.

Nur zu betonen, für Diskussionen bereit zu sein, reicht genauso wenig, wie zu protestieren und zu klagen, dass man bei den Entscheidungen aussen vor gelassen wird.

Dabei kann nur dies der nächste Schritt der Spieler sein: Die nach ihrem Empfinden bittere Pille zu schlucken und der Liga ein klares, einheitliches und realistisches Angebot zu machen – inklusive von sich aus offerierten weiteren Einbussen. Nur zu betonen, für Diskussionen bereit zu sein, reicht genauso wenig, wie zu protestieren und zu klagen, dass man bei den Entscheidungen aussen vor gelassen wird. All das ist zu schwammig und unkonkret. Vor allem, weil da auch Aussage gegen Aussage steht: Ligachef Denis Vaucher betont, dass die Spielerseite bislang sehr wohl angehört worden sei.

Darum müsste dieses konkrete Entgegenkommen vonseiten der Spieler auch öffentlich gemacht werden, weil nur das beide Parteien zum aktiven Dialog zwingt und für Klarheit sorgt. Seit Samstag laufen die Telefone und Computer der Spieler heiss, wird in der Sihpu in Gruppenchats eifrig debattiert, was der nächste Schritt sein soll. Ob sie – inklusive der Egoisten unter ihnen – eine Einigkeit finden werden?

8 Kommentare
    Reto Reusser

    Die Liga war ein Erfolgskonzept. Viele Spieler haben den Sprung in die NHL geschafft, die Hallen waren oft ausverkauft. Die Liga wurde wegen ihres Erfolgs für Investoren aus Uebersee attraktiv. NHL und UPC boten Verträge an. Die Club CEOs liessen sich blenden. Allen voran ist nun CEO Lüthi der Marktschreier, der die aktuelle Liga schlecht reden muss, damit die von NHL und UPC geforderten Reformen umgesetzt werden können. Bref: Die Spieler wollen die alten Strukturen beibehalten, sie fühlen sich von den CEOS verkauft und verraten. Die Arbeit der Clubs war herausragend das haben insbesondere auch die Resultate der Nationalmannschaft gezeigt. Die Nationalmannschaft bietet den Spielern ein Fenster in die weite Welt hinaus, das wirft bei einem grossen Transfer auch für die Clubs Millionen ab. Ich weiss wirklich nicht was Lüthi daran auszusetzen hat. Die Spieler und die Fans sehnen ganz einfach das Erfolgskonzept Schweizer-Hockey-Liga gefährdet. Mir scheint, dass die CEOs bereits einige Verträge unterzeichnet haben. Es bleibt an den Fans, diesen Frevel nicht zu unterstützen und den Spielen fern zu bleiben. Solange, bis es vernünftige (alte) Strukturen geben wird. Das können selbstverständlich die Spieler nicht wollen, weil damit ihr Zahltag gefährdet ist. Es ist eine hässliche Situation. Wenn wir aber die Stadien der unteren Ligen füllen, könnte es ja sein, dass dort besser Verträge gemacht werden können. Bis die leeren Hallen die Geld-Haie vertreibt, müsste man durchhalten.