Embrach

Embrach ist zu klein fürs eritreische Weihnachtsfest

Zwei Wochen nach dem hiesigen Weihnachtsfest feiern auch die Orthodoxen – und mit ihnen viele Eritreer. Ihr bisheriges Gotteshaus-Asyl im Unterland, die katholische Kapelle von Embrach, ist dem Andrang aber nicht mehr gewachsen.

Die katholische Petrus-Kapelle von Embrach bietet seit 2011 auch einigen orthodoxen Christen aus Eritrea eine kirchliche Heimat.

Die katholische Petrus-Kapelle von Embrach bietet seit 2011 auch einigen orthodoxen Christen aus Eritrea eine kirchliche Heimat. Bild: cwü

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Regelmässig versammeln sich afrikanische Christen unweit des Bahnhofs Embrach zum Gottesdienst. Es sind dies Mitglieder der eritreisch-orthodoxen Kirche, die in der St.-Petrus-Kapelle gemeinsam oft stundenlang singen und beten, Hochzeiten feiern und Kinder taufen.

«Es ist sehr schön hier und wir sind froh, dass wir hierher kommen dürfen», sagt Tekla Teferi, er ist Sprecher der Gemeinschaft. Es sei alles andere als einfach einen Ort zu finden, wo die eritreischen Gläubigen ihre eigenen Gottesdienste abhalten können. «Wir sind der Katholischen Kirche von Embrach sehr dankbar, dass sie uns die Kapelle zur Verfügung stellt.» Zu verdanken haben die afrikanischen Glaubensverwandten diese Möglichkeit dem katholischen Pfarrer Hännes Broich.

Bis zu 300 Gläubige erwartet

Doch für das nun anstehende Weihnachtsfest der eritreischen Christen ist die rund 100 Personen fassende Embracher Kapelle viel zu klein. Der Sprecher der Gemeinschaft erwartet am Sonntag mindestens 170 Landsleute – es könnten aber auch deutlich mehr sein. Vielleicht werden es 250 oder gar 300 Gläubige sein.

«Wir sind der Katholischen Kirche von Embrach sehr dankbar, dass sie uns die Kapelle zur Verfügung stellt.»Tekla Teferi

Zur Geburt des Heilands wird auch in dieser etwas fremd anmutenden, orientalisch-geprägten Christengemeinde ein deutlich grösserer Andrang erwartet im Gottesdienst. «Wir haben deshalb in Zürich einen grossen Raum gemietet», sagt Teferi. Das sei aber nur für dieses eine Mal am kommenden Sonntag (7. Januar), sonst werde man sich weiterhin in Embrach treffen. So anders die orthodoxen, afrikanischen Christen zu sein scheinen, im Bedürfnis zumindest einmal jährlich an Weihnachten zum Gottesdienst zu gehen, unterscheidet sich das Kirchenvolk ganz offensichtlich nicht gross.

Regime hält Patriarch in Haft

Dabei ist die Eritreergemeinde, die sich regelmässig in Embrach trifft noch eine Minderheit der Minderheit. Denn es hält weiterhin zum angestammten Patriarchen Abuna Antoniyos. Doch das ist ein Problem geworden, seit das heimatliche Regime das Oberhaupt der eritreisch-orthodoxen Kirche vor zwölf Jahren einsperren liess. Lange war der heute in Embrach praktizierende Teslay Weldeghebriel nämlich der einzige Priester weit und breit, der unbeirrt dem angestammten und nicht einem von der Regierung neu eingesetzten Patriarchen die Treue hielt.

Eigentlich dürfte nur der koptische Papst von Alexadria in Ägypten einen neuen Patriarchen für Eritrea einsetzen. Denn die Eritreer gehören offiziell zur koptisch-orthodoxen Kirche, die sich als eine der ersten bereits im Jahre 451 nach Christus von der Christlichen Urgemeinde getrennt und verselbständigt hat.

Die interne Spaltung wegen der zwei Patriarchen sei «eine schwierige Situation», gibt Teferi zu verstehen. Sie, die zum alten Patriarchen hielten, spürten schon einen gewissen Druck. Dennoch wolle man frei sein, sagt er. «Wir haben ja denselben Glauben».

Erstellt: 05.01.2018, 17:28 Uhr

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