Bezirksgericht Meilen

Er fand es cool, Leute auszurauben

Ein 22-Jähriger ohne wirkliche Perspektive tat alles, um an Geld zu kommen. In Männedorf und Winterthur beging er gar zwei Raubüberfälle. Der Staatsanwalt nennt ihn einen Intensivtäter.

Am 1. August 2018 war der 22-jährige Schweizer am Überfall auf Jugendliche im Jugendhaus Männedorf beteiligt – gemäss Staatsanwaltschaft war er sogar die «treibende Kraft».

Am 1. August 2018 war der 22-jährige Schweizer am Überfall auf Jugendliche im Jugendhaus Männedorf beteiligt – gemäss Staatsanwaltschaft war er sogar die «treibende Kraft». Bild: Archiv Sabine Rock

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Zuerst waren es Zechprellerei oder kleinere Diebstähle. Schliesslich zwei Raube bei denen Waffen im Spiel waren. Seit der 22-Jährige aus dem Raum Winterthur volljährig ist, hat er immer wieder illegal versucht, an Geld zu kommen. Am Bezirksgericht Meilen wird er wegen elf verschiedenen Straftatbeständen, die meisten davon mehrfach, angeklagt.

Er war die treibende Kraft beim Überfall auf zwei Jugendliche beim Jugi Männedorf am 1. August 2018. Er und die drei anderen Angeklagten aus dem Oberland, dem Glatttal und Winterthur hatten den Tipp bekommen, dass jemand dort 700 bis 800 Gramm Marihuana dabei habe. Schliesslich war es viel weniger, worauf der Beschuldigte das Opfer dazu brachte, weiteres Bargeld zu beschaffen. Vorher hatte er einem weiteren Jugendlichen ein Messer an den Hals gehalten.

Gaspistole an Kopf gedrückt

Nur zwei Monate später hing er mit drei anderen Kollegen gegen Mitternacht auf dem Salzhausplatz in Winterthur herum, als fünf Männer vorbeigingen. Ein Kollege glaubte, einer der Männer habe Marihuana dabei. Nachdem dieser verneinte, zückte der Beschuldigte eine Gaspistole und hielt sie ihm an den Hals. Der Mann konnte nichts Interessantes vorweisen, also kamen die Anderen der Reihe nach dran.

Mindestens zwei weiteren Opfern soll der 22-Jährige die Pistole an den Kopf oder Hals gehalten haben. Einer sagte ihm, er werde eh nicht abdrücken. Worauf der Beschuldigte ihm drohte, ins Bein zu schiessen. Die Waffe war nicht geladen, wäre aber fähig, Stahlpatronen abzuschiessen. Die Täter erbeuteten auf diese Weise ein I-Phone und eine 50er-Note. Zwei Smartphones wollten sie nicht, weil ihnen die Modelle zu alt waren.

Eine Heimkarriere

Was brachte den jungen Mann dazu, zum Intensivtäter zu werden, wie ihn der Staatsanwalt nennt, der immer rücksichtsloser vorging? Schon in der Primarschule an der Goldküste und in Volketswil geriet er immer wieder in Streitereien. Dann startete seine «Heimkarriere». Er war unter anderem in der Psychiatrie und ein Jahr in der geschlossenen Abteilung eines Jugendheims. Man habe ihn nicht rausgelassen, weil er gegen das System rebellierte, sagt der Schweizer am Prozess. Einen Schulabschluss hat er nicht, eine Anlehre nach zwei Wochen geschmissen.

Nachdem ihn seine Mutter aus der Wohnung geworfen hatte, weil er immer wieder «Scheiss» gemacht hatte, lebte der Beschuldigte auf der Strasse, bei Kollegen oder in Hotels. Wobei er in letzteren die Zeche prellte. Der Alltag bestand aus Alkohol, Drogen und viel Nichtstun.

Gearbeitet hat er nie, entsprechend auch kein Geld gehabt. Einzig kurz vor seiner Verhaftung unterstützte ihn das Sozialamt. Nicht einmal die Geburt seines Sohnes 2017 änderte etwas an seinem Verhalten.

Damals habe er es für cool gehalten, Leute auszunehmen. Das Gefängnis habe ihm gezeigt, dass er sich ändern müsse. Die Taten gibt er zu, sagt aber, er habe weder Messer, noch Pistole jemandem am Körper aufgesetzt.

Keine Lust «im Gefängnis zu verfaulen»

Jetzt will er den Schulabschluss machen und eine Lehre. Der Verteidiger versucht die Taten nicht schönzureden. Er fordert eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. Sie soll zugunsten einer Massnahme für junge Erwachsene aufgeschoben werden. Diese würde in einer spezialisierten Einrichtung durchgeführt und kann bis zu vier Jahren dauern.

Das wäre die letzte Chance für den 22-Jährigen, der keine Lust hat «im Gefängnis zu verfaulen». Auch der Staatsanwalt, der eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren fordert, will dem jungen Mann diese Chance gewähren.

Die Urteile in diesen Fällen kann das Gericht erst beraten, wenn alle Beteiligten am Raub in Männedorf den Prozess hinter sich haben. Bei einem wird das erst im Dezember der Fall sein. Sollte er wieder nicht auftauchen, wird ohne ihn verhandelt.





Erstellt: 21.11.2019, 16:24 Uhr

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