Männedorf

Ex-Vekselberg Finanzchef will Männedörfler Villa verkaufen

Igor Akhmerov gilt als Vertrauter des russischen Investors Viktor Vekselberg. Jetzt will Akhmerov sein prominentes Grundstück mit Seeanstoss verkaufen. Wer es kaufen will, muss sehr tief in die Tasche greifen.

Igor Akhmerov in der SRF-Dokumentation «Die Russen kommen» 2012.

Igor Akhmerov in der SRF-Dokumentation «Die Russen kommen» 2012. Bild: Archiv/Screenshot SRF

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Es ist eines der prominentesten und grössten Grundstücke mit Seeanstoss in Männedorf. Zwischen dem Strandbad Sonnenfeld und den Schrebergärten vor der Ernst Grob AG steht auf 4700 Quadratmetern eine Villa, die ihresgleichen sucht. Ein Immobilieninserat gibt Einblick: Sechs Schlafzimmer, ein Wellnessbereich oder ein eigener Weinkeller sind nur einige der Annehmlichkeiten. «In Zürich gibt es selten eine Chance, eine Villa mit direktem Seeanstoss zu kaufen», betont die verkaufende Immobilienfirma im Inserat.

Von der Männedörfler Seestrasse aus, fallen nur die goldenen Tore ins Auge, die Welt dahinter bleibt dem Autofahrer oder Spaziergänger verborgen. Meist, denn die heutigen Besitzer der Villa gaben auch schon bereitwillig Einblick in ihre schicke Welt. Da war die SRF-Doku «Die Russen kommen», wo der TV-Zuschauer unter anderem den wunderbaren Blick vom Gartenstuhl auf den See geniessen darf. Oder ein Bericht in der Boulevardzeitung Blick, in welchem die Tochter des Hauses in einer 20-teiligen Fotostrecke ihr Zuhause zeigt.

«In Zürich gibt es selten eine Chance, eine Villa mit direktem Seeanstoss zu kaufen.»Aus dem Inserat der verkaufenden Immobilienfirma

Der Besitzer der Villa ist dementsprechend kein Unbekannter: Igor Akhmerov war einst Finanzchef von Renova, der bekannten Firmengruppe des russischen Investors Viktor Vekselberg, danach führte er die Solarenergiefirma Avelar, die ebenfalls zum Vekselberg-Imperium gehörte. Doch hier erleidet Akhmerov Schiffbruch. 2014 wird er in Mailand verhaftet, weil ihm der italienische Staat im Zusammenhang mit Avelar Betrug und Urkundenfälschung vorwirft. 2015 kommt es deswegen zur Anklage. Italienischen Medienberichten zur Folge ist das Verfahren nach wie vor hängig. Akhmerov beteuert stets seine Unschuld, seinen Posten als Chef von Avelar ist er trotzdem los.

Video: SRF-Doku gibt Einblick in Akhmerov's Welt

Konkurs abgewendet

2018 kommt es in Zürich zu einem Gerichtsverfahren mit Beteiligung von Akhmerov. Ihm drohte der Konkurs, wie aus einem Urteil hervorgeht, das der Zürichsee-Zeitung vorliegt. Er sei durch einen «unfreiwilligen Bruch in seiner Berufskarriere in finanzielle Schwierigkeiten geraten», argumentierte Akhmerov im vergangenen Jahr vor dem Zürcher Obergericht. Nicht zuletzt sind aber auch seine Immobilien, darunter die Villa in Männedorf, Thema vor Gericht. Er plane diese Liegenschaft bald zu vermieten, argumentiert er vor Gericht. Weil er so - und durch Belege seiner neuen Firmen - vor Gericht glaubhaft darlegen kann, dass er wieder zu Einkünften kommt, kann Akhmerov den Konkurs in letzter Sekunde abwenden.

Nun ist die Villa mit Steuerwert von 9,6 Millionen Franken also zum Verkauf ausgeschrieben. Was hat sich seit dem letzten Jahr verändert, dass Akhmerov die Villa nicht einfach «nur» vermietet? Diese Frage lässt der russische Unternehmer gegenüber dieser Zeitung unbeantwortet. Klar sei aber, dass die Familie weiter in Männedorf leben werde, unabhängig davon, ob man das Grundstück verkaufe oder nicht. Es handle sich dabei um ein langjährige Bindung, erzählt er.

«Bitte respektieren sie unser Recht, mit unserem Vermögen so umzugehen, wie wir es für unsere Familie am besten halten.»Igor Akhmerov

Geschäftlich aktiv ist Akhmerov auf jeden Fall wieder. Er gründete nach eigenen Angaben zwei Unternehmen: Eine Investmentfirma in Russland und eine global tätig Blockchain-Firma mit Sitz in Abu Dhabi. Beide Firmen sind eng mit dem Energiesektor verbunden. Akhmerov sagt dazu: «Es ist ein unternehmerisches Engagement, erfolgreich und macht Spass.» Wie sich die Firmen auf seine finanzielle Situation auswirken, lässt Akhmerov offen: «Bitte respektieren sie unser Recht, mit unserem Vermögen und unseren Immobilien so umzugehen, wie wir es für unsere Familie am besten halten.» Ob und wie viele Interessenten sich für die Liegenschaft interessieren, ist nicht bekannt. Die zuständige Immobilienfirma lässt ausrichten, dass in allen Belangen zu den gehandelten Grundstücken absolute Diskretion herrsche. (landbote.ch)

Erstellt: 21.01.2019, 08:20 Uhr

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