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Netzwerk will Handel erobern Facebook wird zum Shop – Schweizer könnten profitieren

Mark Zuckerberg will vom Onlineboom profitieren und greift Amazon an. Dereinst könnten auch hiesige Unternehmen auf seiner Plattform Produkte verkaufen.

Mark Zuckerberg vergrösstert sein Imperium und macht Facebook zum Onlineshop.
Mark Zuckerberg vergrösstert sein Imperium und macht Facebook zum Onlineshop.
Foto: Marcio Jose Sanchez (Keystone)

Zuerst die Ferienfotos der Freunde kommentieren, die Newslage checken, ein paar Geburtstagsgrüsse schreiben und dann noch schnell neue Sandalen kaufen – alles, ohne die Website verlassen zu müssen. Facebook schwingt sich auf, um es Amazon gleichzutun: Mit Facebook Shops will das soziale Netzwerk in der Welt der Onlineplattformen mitspielen. Die nötige Anzahl potenzieller Kunden hat der US-Tech-Gigant mit seinen 2,6 Milliarden Nutzern bereits.

Wie in einer virtuellen Shoppingmall können Händler in Facebook Shops digitale Schaufenster erstellen und dort ihre Produkte präsentieren. Seit Dienstag können Firmen in Österreich, Deutschland und weiteren Ländern ihre Produkte in ihrem Facebook Shop verkaufen. Dies war bisher nur über Instagram und Whatsapp möglich. Wann das Angebot in die Schweiz kommt, ist noch offen.

Eine Chance für Schweizer Onlineshops

Die Gefahr für Schweizer Onlineshops, nun von Facebook überrollt zu werden, schätzt Thomas Lang vom E-Commerce-Beratungsunternehmen Carpathia zum aktuellen Zeitpunkt als sehr gering ein. «Zudem ist es eine Plattform, die Händlern zur Verfügung steht. Also keine Gefahr, sondern eine Chance, über die Facebook-Apps zusätzliche Zielgruppen zu erreichen», sagt Lang.

Beim grössten unabhängigen Schweizer Onlinehändler Brack.ch betrachtet man Facebook Shops als «spannende Chance, um potenzielle Kundinnen und Kunden, die sich auf diesen Plattformen inspirieren lassen, auch direkt dort abzuholen». Die Weiterentwicklung der Social-Media-Plattformen zu Ökosystemen sei abzusehen gewesen. «Das ist in China auf Wechat schon heute Realität und hat sich auch für Plattformen wie Pinterest und Facebooks Plattformen abgezeichnet», sagt Sprecher Daniel Rei.

In China hat sich Wechat von einer Chatplattform zu einer Art Super-App entwickelt, die ihren Nutzern erlaubt, Bankgeschäfte zu tätigen und einkaufen zu gehen. Die von Mark Zuckerberg angekündigten Shops seien eine Weiterentwicklung der bereits bestehenden Funktionen von Instagram, mit denen Brack.ch auch experimentiere.

«Facebook will einen Basar öffnen, wir betreiben dagegen ein Warenhaus. Nebeneinander kommen wir gut zurecht»

Florian Teuteberg, CEO Digitec Galaxus

Die Entwicklung sei aber durchaus ernst zunehmen. Doch wie gross der Erfolg in der Schweiz werde, hänge von den rechtlichen Rahmenbedingungen, der Bereitschaft der Konsumentinnen und Konsumenten sowie der teilnehmenden Anbieter ab, sagt Rei.

Auch die Migros-Tochter Digitec Galaxus geht nicht davon aus, dass Facebooks Marktplatz dem Geschäft schaden werde. Unterscheiden sich die Konzepte doch stark: Digitec Galaxus arbeite ausschliesslich mit grösseren Onlinehändlern zusammen und nicht mit Kleinstshops oder Einzelpersonen wie bei Facebook geplant. «Facebook will einen Basar öffnen, wir betreiben dagegen ein Warenhaus. Nebeneinander kommen wir gut zurecht», sagt CEO Florian Teuteberg.

Werbedienste verbessern

Und was hat Facebook von dieser Offensive? Ganz klar: Daten. Laut der Financial Times wolle das Unternehmen die Informationen der Kunden sammeln, um zu erfahren, was Käufer wollen und wo sie ihre Einkäufe tätigen. Die Nutzer können nach Produkten suchen, sich direkt mit den Unternehmen in Kontakt setzen oder die Käufe sofort online tätigen. Wer über die App auf Shoppingtour geht, wird von Facebook überwacht: bei der Suche, beim Kauf.

So will das Netzwerk seine Werbedienste verbessern, um dann höhere Preise dafür verlangen zu können. Denn Werbung bleibt die Haupteinnahmequelle von Facebook. Zurückhaltung bei den Schweizerinnen und Schweizern, noch mehr Daten mit Facebook zu teilen, sieht E-Commerce-Experte Thomas Lang nicht. «Bei Cumulus und Supercard wird auch alles preisgegeben aus denselben Gründen.»

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sagte zu Reuters, er habe nicht versucht, Amazon zu kopieren. Er wolle mit bereits vorhandenen E-Commerce-Diensten wie Shopify zusammenarbeiten, die kleinen Unternehmen bei der Erstellung von Onlineshops helfen und sich um Analysen und Zahlungen kümmern.

1 Kommentar
    Nick Mena

    Niemals kaufe ich ein bei diesen Firmen. Weder bei Amazon, Facebook, Zalando, usw.

    Damit sorgen wir nur für einen globalen Einheitsbrei.

    Es reicht doch schon das Weltweit an Bahnhofstrassen, die gleichen Läden, mit gleich geschminkten und frisierten Damen zu der gleichen banalen Musik die gleichen Artikel anbieten.

    Dann gleich noch den gleichen Burger vom King oder Mac und den Caramel Dingens vom Starbucks und dazu einen Tom Cruise oder eine Anne Hathaway mit ein US Fahne und/oder Kanone.

    Das ist keine Verbesserung des Lebens. Das kann bleiben wo es herkommt. In den USA. Im Land des unbegrenzten Konsums.