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Debüt für Ciriaco SforzaFC Basel – kuscheln unter Absturzgefahr

Im ersten Wettbewerbsspiel für den neuen FCB-Trainer geht es in Osijek bereits um Millionen. Neben dem Feld kämpft der Club um die Liebe seiner Region.

Die Mission beginnt: Trainer Ciriaco Sforza beim Training in Osijek mit Samuele Campo.
Die Mission beginnt: Trainer Ciriaco Sforza beim Training in Osijek mit Samuele Campo.
Foto: Daniela Frutiger (Freshfocus)

Beinahe könnte man meinen, beim FC Basel sei eine fast schon vergessen gegangene Normalität eingekehrt. Die Basler verlängern den Vertrag mit einer Teamstütze mit engem Bezug zum Club. Danach machen sie sich auf, um im Europacup zu spielen. So hätte sich das in Basel auch im Jahr 2013 oder 2016 zutragen können.

Aber natürlich schafft es die aktuelle Ausgabe des FCB, auch einem neuen Vertrag mit Clubikone Valentin Stocker noch eine spezielle Note zu verleihen. Erst das öffentlich gewordene Werben des FC Luzern brachte die Basler Führung dazu, mit Stocker über eine Verlängerung seines bis Sommer 2021 laufenden Kontrakts zu reden.

Auf dem Video, das der Club danach veröffentlichte, erklärt Stocker, er erfülle mit der Vertragsunterzeichnung gerne einen Wunsch der «lieben Fans». Dabei war es eher der Verein, der aufgrund der Schlagzeilen fast nicht mehr anders konnte, als den Publikumsliebling länger an sich zu binden.

Drei Jahre nach dem Kauf des FCB hat Besitzer Bernhard Burgener einen Grossteil seines Kredits in der Öffentlichkeit verbraucht. Der Abgang seines Captains nach Luzern hätte die Stimmung weiter angeheizt. Schon so hängt die Region voll mit Protestnoten gegen Burgener.

Auch darum ist die Clubführung seit ein paar Tagen auf einen strengen Kuschelkurs eingeschwenkt. Burgener und CEO Roland Heri wollen sich in zwei Treffen mit Fans erklären. Der FCB kann es sich nicht leisten, den Rückhalt in der Region zu verlieren. In pandemiefreien Zeiten nimmt der Club selbst in einem bloss durchschnittlichen Jahr 20 Millionen Franken mit seinen Zuschauern ein.

Neben Stocker haben auch der gebürtige Basler Taulant Xhaka und Stürmer Ricky van Wolfswinkel neue Verträge erhalten. Letzterer, nachdem ihn der FCB schon offiziell verabschiedet hatte. Sie alle werden in ihrem letzten Vertragsjahr zwischen 33 und 35 Jahre alt sein und damit die typischen Blütejahre eines Profifussballers weit hinter sich haben.

Zukunftsweisende Entscheide ohne Sportchef

Aber diese potenziellen Probleme in den kommenden Jahren musste die Basler Führung in Kauf nehmen, um dringend nötige Ruhe in die Gegenwart zu bringen. Eine interessante Volte ist, dass all diese Entscheide in einem Moment gefällt wurden, da der Club keinen Sportchef mehr hat, der gemeinhin für die längerfristige Perspektive einer Manschaft zuständig ist.

Aber der FCB befindet sich sowieso in einer Phase seines Daseins, in der sich fast alles um das Hier und Jetzt dreht. Rund 40 Millionen Franken hat der Club unter Burgeners Führung verloren. Es sagt einiges über die finanzielle Lage aus, dass der Präsident zuletzt auf SRF fast schon triumphierend verkündete, im ersten Halbjahr 2020 habe der FCB bloss 3,6 Millionen Franken minus gemacht.

In Osijek steigt bereits eine Schicksalspartie

Damit unterstrich Burgener allerdings bloss, wie wichtig das heutige Spiel beim NK Osijek für Basel ist. Verlieren die Basler in Kroatien, ist die Europa League für sie bereits beendet. Und damit auch die Aussicht auf die Millionenprämien der Uefa, auf die der FCB so dringend angewiesen ist. 13 Millionen Franken verdienten die Basler 2019 in Europa – und schrieben dennoch 19,5 Millionen Franken Verlust.

Ciriaco Sforza beginnt seine Amtszeit also gleich mit einem mittleren Schicksalsspiel. Vielleicht ganz gut darum, hat der neue Trainer sein einziges Testspiel mit 1:5 gegen einen deutschen Drittligisten verloren. Sforza verspricht zwar «mehr Offensive und mehr Offensivpressing» als Vorgänger Marcel Koller. Aber so naiv in Konter laufen wie gegen Saarbrücken sollten die Basler gegen Osijek besser nicht.

Und selbst bei einem Sieg in Kroatien müssen die Basler zwei weitere Qualifikationsrunden überstehen, um die Gruppenphase der Europa League zu erreichen.

Die Saison könnte sowieso schwierig werden für Sforza. Präsident Burgener verlangt zwar den Meistertitel. Er stellt seinem Trainer dafür aber ein Team hin, das derzeit schwächer wirkt als jenes der letzten Saison. Und die endete auf Rang 3.