Standortförderung

Fisibach will dazugehören, Buchberg nicht

Der Verein Standort Zürcher Unterland könnte in Zukunft auch Mitglieder ausserhalb des Kantons haben.

Fisibach verspricht sich durch eine Mitgliedschaft im Verein Standort Zürcher Unterland, die Gemeinde bekannter zu machen.

Fisibach verspricht sich durch eine Mitgliedschaft im Verein Standort Zürcher Unterland, die Gemeinde bekannter zu machen. Bild: David Künzi

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Die Gemeinde Fisibach hat eine Anfrage für eine Mitgliedschaft gestellt. Daraufhin hat der Verein andere Gemeinden kontaktiert. Mittlerweile ist Hüntwangen wieder dabei und fordert einen stärkeren Fokus auf den Bereich Wirtschaft.

Die Gemeinde Fisibach will Vollmitglied des Vereins Zürcher Unterland werden. Eine entsprechende Anfrage ist bei der Vereinsleitung hängig. «Es ging uns darum, unsere Gemeinde bekannter zu machen», erklärt Gemeindeammann Marcel Baldinger. Da Fisibach – je nach Sichtweise – der Beginn oder das Ende des Bachsertals sei, mache eine Mitgliedschaft im Verein Sinn. Denn dieser ist auch im Bereich Tourismus aktiv. Baldinger findet aber auch den Austausch mit den anderen Gemeinden einen interessanten Aspekt.

Neben der geografischen Lage führt der Gemeindeammann auch andere Gründe an, welche die Nähe zum Zürcher Unterland begründen: So sei das Netz des öffentlichen Verkehrs Richtung Unterland gut erschlossen und seit kurzem gingen Fisibacher Kinder in Weiach und Stadel zur Schule. «Das Bachsertal ist beliebt bei Velofahrern und Wanderern. Es wäre schon schön, wenn der eine oder andere in unserem Restaurant einkehrte», sagt Baldinger. Zu bieten habe Fisibach daneben das Baggermuseum Ebianum, sehenswert sei auch die kleine Kapelle.

Statuten müssten geändert werden

Eine Mitgliedschaft der Aargauer Gemeinde Fisibach ist aber mit Hürden verbunden: Der Verein müsste nämlich seine Statuten ändern, um auch Gemeinden aufzunehmen, die sich nicht im Perimeter der Planungsgruppe Zürcher Unterland befinden. In den nächsten Monaten wird die Vereinsleitung die Mitgliedgemeinden diesbezüglich konsultieren. Die Statutenänderung müsste an einer Generalversammlung beschlossen werden.

Nach der Anfrage von Fisibach ging die Vereinsleitung selber auf andere Gemeinden ausserhalb des Kantons Zürich zu: Kaiserstuhl im Aargau sowie Buchberg und Rüdlingen im Kanton Schaffhausen. Der Gemeinderat von Buchberg schreibt in seinem letzten Mitteilungsblatt, dass der Verein die Gemeinde bezüglich der Vorteile einer Vollmitgliedschaft informiert habe. Die Behörde habe aber beschlossen, dass sich zum heutigen Zeitpunkt ein Beitritt nicht aufdränge. Als Begründung wird geschrieben: «Aktuell haben der Regionale Naturpark und der Tourismus Schaffhausen Priorität und benötigen Bedarf an gemeindeeigenen Ressourcen.»

Auch Rüdlingen und Kaiserstuhl hätten abgelehnt, sagt Cornelia Daftarian, Präsidentin der Fachgruppe Tourismus. «Wir haben diese Gemeinden angefragt, weil sie traditionell sehr enge Beziehungen zum Unterland haben», erklärt Daftarian, also im Sinne guter nachbarschaftlicher Beziehungen. Weitere Gemeinden zu kontaktieren, habe man derzeit aber nicht vor.

Buchberg, Rüdlingen und Kaiserstuhl sind alle Teilmitglieder, und zwar im Bereich Tourismus. Dies heisst, dass sie pro Einwohner und Jahr 1.22 Franken an Beiträgen zahlen und an der Generalversammlung eine Stimme haben. Vollmitglieder wiederum zahlen 1.30 Franken pro Einwohner und haben fünf Stimmen an der Versammlung. Letztere profitieren sowohl von den Aktivitäten im Bereich Standortförderung als auch im Bereich Tourismus.

«Verein darf nicht nur den Tourismus fördern»

Auch innerhalb der Perimetergemeinden sind die Vorteile einer Mitgliedschaft zuweilen umstritten. So ist Oberglatt auf Ende letzten Jahres aus dem Verein ausgetreten. Der Gemeinderat war der Ansicht, dass eine Mitgliedschaft im Verein Flughafenregion Zürich mehr Vorteile bringt. Gemeindeschreiberin Sandra Markovic nahm in Abwesenheit des Gemeindepräsidenten schriftlich Stellung dazu: «Wegen Sparmassnahmen musste man sich entscheiden zwischen diesen zwei Vereinen. Da Oberglatt eine Standortgemeinde vom Flughafen ist, war die Mehrheit des Gemeinderats dafür, im Verein Flughafen Region Zürich zu bleiben und beim Verein Zürcher Unterländer leider auszutreten.»

Hüntwangen trat vor einiger Zeit aus dem Verein aus, ist jedoch mittlerweile wieder Mitglied. Gemeindepräsident Matthias Hauser war beim Austritt noch nicht Gemeindepräsident, kann jedoch den Schritt verstehen: «Man muss den Nutzen von Mitgliedschaften immer kritisch hinterfragen.» Er erhalte praktisch jede Woche eine Rechnung für Verbände und Vereine. Der erneute Eintritt sei ein Mehrheitsentscheid des Gemeinderats gewesen. Er sei aus Solidarität mit den anderen Gemeinden erfolgt. Der Wiedereintritt ist laut Hauser aber auch unter dem Aspekt erfolgt, dass die Gemeinde mithilft, den Verein zu reformieren. «Es ist wichtig, dass der Verein nicht nur für die Tourismusförderung da ist, sondern zum Beispiel auch beim Ansiedeln von Unternehmen und dementsprechend der Schaffung von Arbeitsplätzen hilft.» Das Tourismusangebot sei für Hüntwangen kaum relevant. Für Hauser ein gutes Beispiel ist der Verein Flughafenregion Zürich, der den Wirtschaftsstandort effektiv durch Unternehmensförderung stärke.

15 Unternehmen sollen dieses Jahr beitreten

Laut Cornelia Daftarian sind dieses Jahr im Bereich Wirtschaft Massnahmen geplant: «Dazu gehören etwa der Ausbau der Netzwerkanlässe und die bessere Vernetzung mit Gewerbevereinen.» Es ist das erklärte Ziel des Vereins, im laufenden Jahr 15 neue Firmenmitglieder zu gewinnen – rund 80 Unternehmen sind derzeit dabei. Eine höhere Mitgliederzahl erachtet Daftarian als wichtig, weil «vieles mit einem guten Netzwerk besser funktioniert». Der Verein sehe sich in einer Türöffnerfunktion zwischen Behörden und Unternehmen. Es sei bereits vorgekommen, dass er Gespräche zwischen Behörden und Firmen vermittelt habe. Details nennt sie nicht.

Sie betont aber, dass der Fokus nicht nur auf der Wirtschaft liegt. Die Bereiche Wohnen und Lebensqualität würden als ebenso wichtig erachtet. «Wir haben zahlreiche Angebote im Tourismus- und Freizeitbereich», sagt Daftarian. Dadurch unterscheide man sich auch vom Verein Flughafenregion Zürich. Fisibach verspricht sich durch eine Mitgliedschaft im Verein Standort Zürcher Unterland, die Gemeinde bekannter zu machen.David Küenzi ()

Erstellt: 27.02.2016, 09:40 Uhr

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