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Corona-KriseFlughafen leistet sich keinen neuen Bombenroboter

Die Flughafen Zürich AG überprüft angesichts der Umsatzverluste sämtliche Investitionen und Anschaffungen. Das bedeutet nun den Verzicht auf einen neuen Roboter für die Flughafenpolizei.

Ein Fernlenkmanipulator, wie er im Kanton Zürich zum Einsatz kommt.
Ein Fernlenkmanipulator, wie er im Kanton Zürich zum Einsatz kommt.
SIcherheitsdirektion Kanton Zürich

Man kennt die reptilienähnlichen Hightech-Geräte aus Filmen und Nachrichtensendungen. Sie kommen dann zum Einsatz, wenn die Sicherheitskräfte den Bereich rund um einen Gegenstand mit Absperrbändern abgeriegelt haben. Wie von Zauberhand gesteuert, nähern sich dann die Fahrzeuge dem verdächtigen Objekt. Ohne dass sich eine Person im unmittelbaren Gefahrenbereich aufhalten muss, können sie dieses untersuchen und gegebenenfalls abtransportieren. Solche Fernlenkmanipulatoren, umgangssprachlich auch Bombenroboter genannt, versehen im Kanton Zürich ihren Dienst.

Gerät ist in die Jahre gekommen

Das Forensische Institut Zürich, eine gemeinsame Organisation der Stadt- und der Kantonspolizei Zürich, verfügt über zwei Fernlenkmanipulatoren. «Das Gerät kommt bei entsprechenden Alarmen oder in Gefahrengebieten zum Einsatz. Das Forensische Institut Zürich verzeichnet rund 50 Fälle pro Jahr für die ganze Ostschweiz», erklärt Marc Besson, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich.

Ein weiteres Gerät ist am Flughafen stationiert. Dort wird es gemäss Besson rund ein- bis zweimal pro Jahr eingesetzt. «Der heute am Flughafen stationierte Fernlenkmanipulator ist in die Jahre gekommen und entspricht somit nicht mehr dem heutigen technischen Standard», sagt Besson.

Weniger Passagiere bedeuten auch weniger Einnahmen: Die Flughafen Zürich AG muss sparen.
Weniger Passagiere bedeuten auch weniger Einnahmen: Die Flughafen Zürich AG muss sparen.
Sabina Bobst

Eigentlich wollte sich die Flughafen Zürich AG deshalb nun ein neues Modell zulegen, damit dieses von der Flughafenpolizei genutzt werden kann. Die entsprechende Ausschreibung hat man auf Simap.ch publiziert. Simap.ch ist die gemeinsame elektronische Plattform von Bund, Kantonen und Gemeinden im Bereich des öffentlichen Beschaffungswesens. Vor drei Tagen wurde nun auf derselben Seite unter Bemerkungen folgender Satz ergänzt: «Sehr geehrte Anbieter, aufgrund der wirtschaftlichen Lage, in welcher sich die Flughafen Zürich AG aktuell befindet, sehen wir uns gezwungen, die Ausschreibung abzubrechen.» Das neue Gerät hätte «einen tiefen sechsstelligen Betrag» gekostet, erklärt Jasmin Bodmer, Mediensprecherin der Flughafen Zürich AG.

Anschaffungen werden überprüft

«Aufgrund der aktuellen Lage überprüfen wir alle Investitionen und Anschaffungen kritisch und stellen auch einige geplante Anschaffungen zurück», sagt Jasmin Bodmer. Um welche es sich dabei handelt, ist nicht zu erfahren: «Zu einzelnen Anschaffungsplänen geben wir nicht im Detail Auskunft», erklärt die Mediensprecherin. Marc Besson von der Kantonspolizei betont derweil: «Der aktuelle Fernlenkmanipulator ist weiterhin voll einsatzfähig und wird gewartet.»

Die Zahlen des ersten Halbjahrs 2020 der Flughafen Zürich AG lassen jedenfalls erahnen, dass die Sparschraube weiter angezogen werden könnte: 64 Prozent weniger Passagiere und mehr als 50 Prozent weniger Flugbewegungen im Vergleich zur Vorjahresperiode. In den ersten sechs Monaten schrieb das Unternehmen einen Verlust von 27,5 Millionen Franken.

1 Kommentar
    Daniel Wülser

    Sehr gut, dass auf diese mit Steuergeldern finanzierte Anschaffung verzichtet wird. Man kann nicht Flughafen Angestellte etc. im grösseren Stiel entlassen und dann sich ein solches "neues Ding" - welches fast nie zum Einsatz kommt - kaufen. PS vielleicht "sponserte" ja der grösste private Flughafen Aktionär Josef Felder (früherer CEO) sowas....