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Kolumne LomoFreie Fahrt mit PPS

Unser Kolumnist macht sich Gedanken über die Corona-Situation und wie diese unsere Magistraten überraschen konnte.

Wer bei roter Ampel weiterfährt, weist bei der Strassenpolizei am besten den Parmelin-Persil-Schein vor.
Wer bei roter Ampel weiterfährt, weist bei der Strassenpolizei am besten den Parmelin-Persil-Schein vor.
Foto: Urs Jaudas

Wenn man Monopoly spielt, hofft man immer darauf, jene Karte zu kriegen, mit der man ohne Busse sofort aus dem Gefängnis rauskommt. Seit dem Interview mit unserem neuen Bundespräsidenten vom letzten Wochenende kenne ich aber noch etwas viel Besseres, um aus jeder Klemme rauszukommen, und zwar den PPS – den Parmelin-Persil-Schein. Die Schlagkraft des PPS besteht dabei zuallererst im möglichst dreisten Unwissenheit-Vorschützen und Verantwortung-Abschieben.

Komplett überraschter Bundesrat

So gab der Bundesrat zu Protokoll, nicht nur er, sondern auch viele Spezialisten seien komplett davon überrascht worden, dass sich jetzt die Corona-Situation so rasch verschlechtert habe. Kein Wort darüber, dass die Spezialisten der eigenen Taskforce, genau davor schon im Juli mündlich, schriftlich und wahrscheinlich sogar per Fax gewarnt hatte. Die ominösen Spezialisten hingegen, denen Monsieur Parmelin zugehört hat, müssen wohl in irgendeinem anderen Gebiet Spezialisten gewesen sein als auf dem pandemischen.

Auf seine Argumentation werde ich mich fortan auch im Strassenverkehr berufen, zum Beispiel wenn ich zweimal bei roter Ampel weiterfahre und so einen Unfall verursache. Der Strassenpolizei weise ich dann den PPS vor und erkläre: Beim ersten Mal sei ich halt total überrascht gewesen, dass eine rote Ampel «stopp!» bedeute, denn schliesslich sei ich noch nie selber in so einer Ampelsituation gewesen.

«Schliesslich hätten auch viele Spezialisten für Sumpfotter mich nicht extra auf das Rot der zweiten Ampel aufmerksam gemacht.»

Zugegeben, ich hätte die Ampeln in Italien und aus dem Theoriehandbuch gekannt, aber wer hätte auch ahnen können, dass die realen Ampeln in der Schweiz ähnlich funktionieren würden. Aber ich gebe zu, vielleicht hätte ich damals anhalten sollen.

Aber bei der zweiten Ampel sei ich ganz unschuldig, weil total überrascht gewesen, dass eine rote Ampel offenbar auch beim zweiten Mal bedeute, dass man anhalten solle. Das kann man mir nicht zum Vorwurf machen, denn schliesslich hätten auch viele Spezialisten für Sumpfotter mich nicht extra auf das Rot der zweiten Ampel aufmerksam gemacht. Und wenn mich der Polizist dann fragt, wie es mit den 7000 Passanten steht, die wegen meiner fahrlässigen Fahrerei umkamen, dann zitiere ich einfach meinen Freund Ueli: Wir haben halt eine Güterabwägung gemacht, und wer weiss, ob die Passanten nicht früher oder später von jemand anders überfahren worden wären. Fahren wir also weiter, mit viel PPS.