Bezirksgericht

20-Jähriger muss nach Überfall am Bahnhof ins Gefängnis

Ein gebürtiger Madagasse war in einen Raub in der Unterführung des Bahnhofs Winterthur verwickelt. Der 20-Jährige stritt die Tat vor Gericht erfolglos ab.

Der junge Mann war bereits auf Bewährung, das Bezirksgericht Winterthur verurteilte ihn nun zu einer Gefängnisstrafe.

Der junge Mann war bereits auf Bewährung, das Bezirksgericht Winterthur verurteilte ihn nun zu einer Gefängnisstrafe. Bild: Marc Dahinden

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Aus dem Beschuldigten wurde man als Zuschauer im Gerichtssaal nicht recht schlau. Der heute 20-Jährige, der in Madagaskar geboren worden und mit zwei Jahren zuerst nach Italien und dann in die Schweiz gekommen war, ist in einem Heim aufgewachsen. «Zu Hause ging es nicht», war seine knappe Antwort auf die Frage nach der Heimplatzierung. Seine Geschwister, 11 und 12 Jahre alt, leben hingegen bei seiner Mutter. Er selbst sei aktuell «mehrheitlich beim Vater».

«Trauen Sie einem Typen wie mir einen Raub wirklich zu?»Der Beschuldigte 

Vom Erscheinungsbild her wirkte der Beschuldigte vor Gericht eher harmlos: schlaksiger Körperbau, grosse braune Augen, schmale Nase, volle Lippen. «Trauen Sie einem Typen wie mir einen Raub wirklich zu?», soll er denn auch den Staatsanwalt in einer Einvernahme gefragt haben. Auch sonst markierte er zivile Normalität. In diesen Tagen trete er eine neue Stelle auf dem Bau an, sagte er. Im Sommer dann wolle er eine Lehre im Informatikbereich beginnen. Drei Polymechlehren hatte er bereits begonnen und jeweils nach dem ersten Jahr abgebrochen.

«Dann hast du ein Problem»

Der Staatsanwalt stützte sich in der Anklage auf die Aussagen des Opfers. Dieses hatte den Überfall, der im Dezember 2017 um 2 Uhr nachts in der Hauptunterführung des Bahnhofs Winterthur stattgefunden hatte, damals sofort der Polizei gemeldet. Mit zwei anderen Personen soll der Beschuldigte das Opfer bedroht, dessen Bankkarte eingefordert und damit am Automaten der Raiffeisenbank am Bahnhof 730 Franken abgehoben haben. Den PIN-Code, sagte er, habe er von einem Kollegen, der das Opfer beim Bezahlen mit der Karte im Ausgang beobachtet hatte.

Als der Beschuldigte erfuhr, dass ihn sein Opfer bei der Polizei gemeldet hatte, rief er es an. «Wenn ich deshalb im Knast lande, hast du ein Problem», soll er gesagt haben. Das Telefonat an sich stritt der Beschuldigte nicht ab. Er sei «hässig» gewesen, weil er fälschlicherweise beschuldigt worden sei. Und das, während er auf Bewährung war und sich nichts zuschulden kommen lassen durfte. Er habe jedoch dem Opfer in keiner Weise gedroht.

«Er ist ein geiler Siech»

Weil weder die SBB die Unterführung noch die Raiffeisen den besagten Bancomaten mit Kamera überwachen, lagen keine Videoaufnahmen als Beweis vor. Im Mittelpunkt standen somit die Aussagen des Opfers und die des Beschuldigten.

Dieser sprach am Mittwoch vor Gericht leise und ohne eine Miene zu verziehen. Er habe den Raub im Abstand von fünf Metern beobachtet, dabei sei er mit seiner Mutter am Telefon gewesen. Er habe die Bankkarte nie in der Hand gehabt und damit kein Geld abgehoben. Er habe im Gegenteil den Überfall verhindern wollen und den Angreifern gesagt: «Lasst ihn, er ist ein geiler Siech.»

«Die Erklärung des Beschuldigten, seine Mutter habe ­– um zwei Uhr nachts – den zehnjährigen Bruder gesucht, ist nicht glaubwürdig»Der Staatsanwalt

Ob er tatsächlich um zwei Uhr nachts mit seiner Mutter telefoniert hatte, wurde nicht näher überprüft. «Die Erklärung des Beschuldigten, seine Mutter habe ­– um zwei Uhr nachts – den zehnjährigen Bruder gesucht, ist nicht glaubwürdig», sagte der Staatsanwalt dazu.

Schadenersatz für Opfer

Das Gericht folgte der Anklage und verurteilte den jungen Mann zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, davon 15 bedingt mit einer Probezeit von vier Jahren, sowie zu einer Schadenersatz- und Genugtuungszahlung an das Opfer. Ebenfalls ordnete das Gericht eine Bewährungshilfe an.

Es begründete das Urteil damit, dass die Aussagen des Opfers «sehr glaubhaft und ohne Widersprüche» seien, die Aussagen des Beschuldigten dagegen «unglaubhaft und blosse Schutzbehauptungen». Er habe keine Details genannt, und wenn, dann diese nachträglich hinzugefügt und teils völlig übertrieben. Wegen der Vorstrafe könne man dem Beschuldigten keine günstige Prognose machen, weshalb er einen Teil der Freiheitsstrafe absitzen müsse. Wenn er die Arbeitsstelle wie erwähnt antreten wolle, sei das in Halbgefangenschaft möglich, sagte die Richterin. (Der Landbote)

Erstellt: 12.01.2019, 09:47 Uhr

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