Winterthur

3630 saubere Pfeifen für ein Halleluja

Die imposante Walcker-Orgel wird derzeit aufwendig gereinigt. Dazu werden nahezu alle der sehr zahlreichen ­Pfeifenaus der Orgel ausgebaut.

Die historische Stadtkirche wird unter der Leitung von Uwe Schacht revidiert.

Die historische Stadtkirche wird unter der Leitung von Uwe Schacht revidiert. Bild: Nathalie Guinand

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Für die laufende Orgelrevision, die nach Auffahrt begonnen hat, wurde auf der Empore der Stadtkirche ein dreistöckiges Bau­gerüst errichtet. Die renommierte Orgelbaufirma Kuhn aus Männedorf betreut die Walcker-Orgel seit 1922 und führt nun, 33 Jahre nach der ­Restaurierung und dem Rückbau in den Zustand von 1888, unter der Leitung von Orgelbauer, ­Designer und Konstrukteur Uwe Schacht einen umfassenden ­Service durch.

«Die Orgel wird einer Total­revision unterzogen», berichtet Schacht. «Dies beinhaltet die Reinigung aller Pfeifen und des Orgelinneren sowie die Kontrolle und allfällige Reparatur sämtlicher mechanischer Teile.» Dafür werden fast alle Pfeifen aus­gebaut. Es zeigt sich dabei eine Vielfalt verschiedenster Materialien: historische und rekonstruierte Orgelpfeifen aus Birnbaum-, Eichen- und Tannenholz und solche aus Zinn und Blei. Die Arbeiten werden voraussichtlich Ende August ab­geschlossen sein.

Mit Wasser, Staubsauger und Druckluft

Zusammen mit seinen Arbeitskollegen Marc Wagenbach und Ben Wahl, beide ebenfalls Orgelbauer, zerlegt Uwe Schacht die Orgel Stück für Stück. Einzeln werden die insgesamt 3630 Pfeifen herausgeholt. «Bei der Reinigung der Pfeifen und des Orgel­innern wird mit Wasser, Staubsauger und Druckluft gearbeitet», erklärt Schacht. Später erfolgt die technische Überarbeitung, die Funktionen von Spiel- und Registertraktur werden überprüft und neu eingestellt. «Jede einzelne Pfeife wird feucht abgewischt und abgetrocknet», so der Orgelbauer. «Wenn alle Teile sauber sind und die Technik funktioniert, wird das Ganzewieder zusammengesetzt, die Pfeifen registerweise eingebaut, nachintoniert und die Orgel gestimmt.» Alles in allem ein enormer Aufwand. Während der Re­visionsarbeiten werden die Gottesdienste auf der kleinen Metzler-Orgel begleitet.

Vom Kirchenschiff her ist sie kaum zu sehen, weil sie über der Empore prangt, die imposante Orgel der Stadtkirche mit ihrem prunkvollen barocken Prospekt (äusseres Erscheinungsbild). ­Dahinter steckt ein farbenreiches spätromantisches Orgelwerk, welches 1887/88 erbaut wurde und das über eine ­mechanische Traktur (Übertragungssystem) und Kegel­laden (spezielle Verteilung des Winds auf die Pfeifen) verfügt. Solche Orgeln sind in der Schweiz eine Rarität.

Zustand von 1888 nach 100 Jahren wiederhergestellt

Die Stadtkirche erhielt im Jahr 1809 trotz des Zürcher Orgel­verbotes eine grosse Barockorgel, die damals aus dem Kloster Salem erworbene Riepp-Orgel von 1768. Sie war auch für das rege Musikleben der Stadt von Bedeutung und stellt noch heute den wichtigsten Ausstattungsteil der grossen Kirche dar. Vor allem der Wandel des Zeitgeschmacks war der Grund für einen Umbau 1888 durch die damals führende Orgelbaufirma von Eberhard Friedrich Walcker in Ludwigsburg. Der Entschluss, dem durch zwei Eingriffe 1923 und 1934 entstandenen heterogenen Zustand ein Ende zu setzen, führte in den Jahren 1980 bis 1984 zur Rekonstruktion des walckerschen Umbaus von 1888 durch die Firma Kuhn in Männedorf unter Beibehaltung von drei Zungenregistern von 1932 und der Reduktion auf 56 Register. Dieser Massnahme ist zu verdanken, dass eines der letzten grossen spätromantischen Orgelwerke des deutschen Kulturkreises in unserem Land erhalten blieb.

Erstellt: 22.07.2017, 09:00 Uhr

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