Berufsfachschulen

Lehrlinge werden neu verteilt

Jetzt hat der Bildungsrat über die Monster-Reform Berufsfachschulen entschieden. Es bleiben aber Knackpunkte und Winterthur ist enttäuscht.

Die angehenden Konditoren bleiben an der Berufsbildungsschule Winterthur, während die Architekturzeichnerinnen neu nach Wetzikon müssen.

Die angehenden Konditoren bleiben an der Berufsbildungsschule Winterthur, während die Architekturzeichnerinnen neu nach Wetzikon müssen. Bild: Heinz Diener

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Die Flugzeugmechaniker haben Glück gehabt. Die Berufsschule Bülach muss eigentlich alle angehenden Polymechanikerinnen nach Winterthur oder Rüti abgeben. Nur diejenigen der Fachrichtung Luftfahrt bleiben in Bülach. Die Nähe zum Flughafen ist wichtig, denn die meisten Lernenden arbeiten bei der Swiss. Dies ist allerdings eine Ausnahme und vorerst bis 2022 befristet. Im Tausch gegen die Mechaniker erhält die Berufsschule Bülach Elektrikerinnen von Winterthur und Horgen.

Kanton um Hilfe gebeten

Das Beispiel zeigt, dass kein Stein auf dem anderen bleibt in der Lehrlingsausbildung im Kanton Zürich. Die Berufsfachschulen haben schon mehrfach versucht, sich neu aufzustellen, sind aber gescheitert. Vor zwei Jahren haben sie die Bildungsdirektion um Hilfe gebeten. Im Frühling 2019 hat diese einen Vorschlag in die Vernehmlassung gegeben, wie die rund 40000 Lernenden und die 200 Berufe besser auf die 29 Schulen verteilt werden könnten. Das Ziel der Monster-Reform sind Kompetenzzentren mit mindestens vier Parallelklassen desselben Berufs pro Standort.

Heute werden 30 Berufe an mehreren Schulorten angeboten. Was historisch gewachsen sei, entspreche nicht mehr den heutigen Bedürfnissen und Anforderungen, sagte Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) am Dienstag vor den Medien. Geschlossen werde keine Schule, da die Infrastruktur gebraucht werde: «Wir wissen, dass in zehn Jahren 11000 Schülerinnen und Schüler mehr eine Lehre machen werden als heute, nur wissen wir nicht in welchen Berufen», sagte Steiner. Als Kompetenzzentren seien die Schulen besser aufgestellt, die Herausforderungen zu meistern.

Jetzt hat der Bildungsrat entschieden, welche Schulen welche Berufe abgeben und welche Kompetenzen sie ausbauen sollen. So entstehen neue Zentren wie am Bildungszentrum Zürichsee. Um Winterthur zu entlasten, gehen künftig 800 angehende Kinderbetreuerinnen und -betreuer in Horgen zur Schule. Dies weil die Ausbildung boomt, und pro Jahr mit 100 bis 150 neuen Lehrlingen gerechnet wird. Dafür braucht es Winterthur und Horgen. Darüber freue man sich am Zürichsee, sagte Niklaus Schatzmann Chef des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes. Die Veränderung erreichte in der Vernehmlassung 94 Prozent Zustimmung.

Architekturzeichner gehen neu nach Wetzikon zur Schule

Aber nicht alle Standorte sind glücklich mit dem Entscheid des Bildungsrates. In Winterthur ist man enttäuscht, wie Karvin Ahuja, Schulkommissionspräsident der Berufsbildungsschule Winterthur (BBW), auf Anfrage sagt. Die BBW muss die Zeichnerinnen und Zeichner der Fachrichtung Architektur gegen ihren Willen abgeben. Die Schule hatte sich schon während der Vernehmlassung gegen den Vorschlag vom Kanton gewehrt, da Winterthur als einer der besten Ausbildungsstandorte der Branche gelte.

Das hat aber nichts genützt. Die Zeichner gehen künftig in Wetzikon zur Schule. «Wir haben 14 verschiedene Varianten geprüft und keine einvernehmliche Lösung gefunden», sagte Schatzmann gestern. Schliesslich sei man auf den ersten Vorschlag zurückgekommen. Es sei die Lösung mit den geringsten Wechseln und die einzige Möglichkeit, die Bauberufe an zwei statt drei Standorten zu konzentrieren. Dieser Entscheid ist der einzige, den der Bildungsrat nicht einstimmig gefällt hat.

Im Oberland gibt es eine Schule mit zwei Standorten

Eine Ausnahme erlaubt der Bildungsrat nebst den Flugzeugmechanikern in Bülach auch im Zürcher Oberland. Ursprünglich war vorgesehen, dass die Kaufleute aus Uster nach Wetzikon wechseln an ein neues Zentrum KV Zürcher Oberland. Dagegen wehrten sich aber die Schulen in Wetzikon und Uster wie auch die Wirtschaftsverbände der Region. Die beiden Schulen wollen stattdessen zusammenarbeiten als eine Schule mit zwei Standorten. Dieser Idee hat nun der Bildungsrat zugestimmt, setzt aber ein Ultimatum. Bis 2023 sollen die Schulen herausfinden, wie sie ihre Räumlichkeiten und Fachbereiche am besten verteilen. Sollten dann keine Reformen umgesetzt sein, übernimmt der Bildungsrat wieder.

Grundsätzlich seien die Berufsfachschulen zufrieden mit dem «konstruktiven Dialog» mit der Bildungsdirektion, sagte Sabine Wettstein am Dienstag. Die Präsidentin der Präsidialkonferenz der Zürcher Berufsfachschulen steht auch der Schulkommission in Uster vor und erlebte den Entscheidungsprozess als kompromissbereit und «nicht von oben herab».

Umsetzung bis 2024

Die Rochade an den Berufsfachschulen wird ab sofort und bis 2024 umgesetzt. Der Zeitplan sei «sportlich», wie Silvia Steiner sagt. Die Regierungsrätin ist sich bewusst, dass die vielen Veränderungen «Mut und Flexibilität» von allen Beteiligten verlange, insbesondere von den Lehrern, die mit ihren Fachbereichen mitwechseln müssen. Sie sei stolz auf die gute Lösung des Bildungsrats, dessen Präsidentin Steiner ist. Auch wenn es nicht immer leicht gewesen sei, wie etwa in Winterthur. «Aber für eine gemeinsame Lösung muss jede Schule ihren Beitrag leisten.»

Erstellt: 11.02.2020, 17:42 Uhr

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