Gesundheit

Ärzte im Ruhestand dürfen keine Rezepte mehr ausstellen

Ehemalige Hausärzte fühlen sich von der Regierung zu medizinischen Laien degradiert. Erfolglos haben sie sich dagegen gewehrt, dass sie nicht mehr unentgeltlich Freunde und Verwandte behandeln dürfen.

Walter Grete kämpft dagegen, dass Ärzte im Ruhestand nicht mehr tätig sein dürfen. Foto: Paco Carrascosa

Walter Grete kämpft dagegen, dass Ärzte im Ruhestand nicht mehr tätig sein dürfen. Foto: Paco Carrascosa

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Die Nachricht traf rund 700 ehemalige Ärzte im Kanton aus heiterem Himmel. Die Gesundheitsdirektion teilte ihnen 2018 mit, dass eine jahrzehntealte Regelung nicht mehr gelten sollte. Ärzte im Ruhestand hatten bislang weiterhin Freunde und Verwandte unentgeltlich behandeln dürfen, sofern sie über eine Seniorenbewilligung verfügten. So konnten sie beispielsweise schnell und unkompliziert einem kranken Nachbarn helfen, der rezeptpflichtige Medikamente benötigte und nicht mehr aus dem Haus gehen und den Notfall aufsuchen konnte.

Doch nun sollte diese Seniorenbewilligung abgeschafft werden. Es gebe keine gesetzliche Grundlage dafür, sagte die Gesundheitsdirektion. Die betroffenen Ärzte kritisierten, sie erhielten ein faktisches Berufsverbot. Dabei sei es doch angesichts des Hausarztmangels im öffentlichen Interesse, dass sie – wenn auch im kleinen Rahmen – einen Beitrag leisten würden.

Mehrere Senioren rekurrierten gegen den Entscheid. Gestern hat der Regierungsrat nun mitgeteilt, dass er einen ersten Rekurs abgelehnt hat. Er betrifft eine Ärztin, die sich dagegen wehrte, dass ihre auf drei Jahre befristete Seniorenbewilligung nicht mehr verlängert wurde.

Weniger strenge Regeln

Der Schutz der öffentlichen Gesundheit und der Patientensicherheit erfordere auch beim wohltätigen, unentgeltlichen Angebot ärztlicher Leistungen eine Bewilligungspflicht, hält der Regierungsrat fest. Der rekurrierenden Ärztin stehe es frei, wieder eine solche Zulassung zu beantragen. Sie wäre dann erneut berechtigt, Leistungen zulasten der obligatorischen Krankenversicherung zu erbringen und Medikamente zu verschreiben.

Gemeinsam mit der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich (AGZ) hat die Gesundheitsdirektion nun auch neue Regeln für jene Hausärzte aufgestellt, die ihre Praxis aufgegeben haben, aber trotzdem weiterarbeiten möchten. Die Anforderungen an sie sind nicht mehr so hoch wie an die Kollegen, die noch voll berufstätig sind. So werden Ärzte im Pensionsalter, die ihre Berufsausübungsbewilligung verlängern, vom Notfalldienst befreit. Sie müssen sich auch nur noch im reduzierten Mass fortbilden, aber weiterhin eine Haftpflichtversicherung abschliessen.

Die Ärztegesellschaft begrüsst dies. «Im Interesse der Patientensicherheit stehen wir hinter diesen auch für die Seniorenärzte zumutbaren Auflagen», teilt AGZ-Präsident und Kantonsrat Josef Widler (CVP, Zürich) mit.

Nicht zufrieden ist hingegen der ehemalige Hausarzt Walter Grete aus Bachenbülach. Der frühere Präsident der kantonalen Ärztegesellschaft hat sich zusammen mit 300 Kolleginnen und Kollegen in der Interessengemeinschaft Seniorenärzte organisiert und sich gegen die Abschaffung der Seniorenbewilligung gewehrt. Von einer Neuregelung hätte sich die IG mehr gewünscht. Was jetzt vorliege, sei gut für Ärzte, die reduziert weiterarbeiten wollten, sagt Grete. Als Beispiel nennt er pensionierte Kollegen, die noch zwei Nachmittage pro Woche tätig sein wollten. Dank der neuen Bestimmung könnten sie gut «weiter dökterle».

«Problem ist nicht gelöst»

Viele ehemalige Hausärzte wollten jedoch gar nicht mehr berufstätig sein, wohl aber unentgeltlich Familie oder Freunde und auch sich selbst ärztlich versorgen dürfen. Die neue Regelung verunmögliche dies weiterhin. «Unser Problem ist nicht gelöst», sagt der 76-Jährige. «Die Regelung sieht keine Bewilligung für den richtigen Ruhestand vor.»

Grete kritisiert, ehemaligen Ärzten wie ihm würde jedes ärztliche Handeln verwehrt. Sie dürften sich nicht einmal mehr selbst behandeln. Zwar hält die Gesundheitsdirektion fest, dass Ärzte ohne Berufsausübungsbewilligung in vielen Apotheken auf «Vertrauensbasis Medikamente zum Eigengebrauch beziehen können». Eine rechtsverbindliche Bestimmung sei das aber nicht, sagt Grete. Damit werde die Verantwortung an den Apotheker delegiert. Der ehemalige Hausarzt sieht darin ein Problem: Man bewege sich so schnell in einem «Graubereich». Das könne nicht das Ziel sein.

Die IG Seniorenärzte wird an ihrer nächsten Versammlung diskutieren, wie sie den Kampf für ihr Anliegen fortsetzen soll. Die Ärztin, die mit ihrem Rekurs unterlegen ist, könnte zudem an die nächste Instanz gelangen.

Erstellt: 14.02.2020, 17:59 Uhr

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