Winterthur

Alle Velos müssen weg

Obschon die grosse Sanierung der Kanalisation am Bahnhof von innen erfolgt, müssen oberirdisch Veloparkplätze weichen – allerdings nicht ganz so viele, wie es den Anschein hat.

Die Schilder an der Stadthausstrasse sind kaum zu übersehen.

Die Schilder an der Stadthausstrasse sind kaum zu übersehen. Bild: Marc Dahinden

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«Es tut mir leid, ich habe das Schild nicht gesehen.» Wer sein Velo nach dem Stichdatum noch an der unteren Stadthausstrasse oder an der Münzgasse vor der ZKB parkiert hat, wird mit dieser Ausrede schwerlich durchkommen. Das Tiefbauamt hat auf der Ostseite des Bahnhofes nämlich einen sprichwörtlichen Schilderwald aufgestellt, der nur eines kommuniziert: Ab Freitag, 17. Januar, 04.00 Uhr müssen alle Velos entfernt werden. Etwas weniger offensiv wird der Grund für die Räumung kommuniziert. Bei genauer Suche findet sich aber auch dafür ein Schild: Es geht demnach um eine Leitungssanierung beim Bahnhofplatz und in der Stadthausstrasse.

Weitere 50 Jahre frisch

Die Mischkanalisation ist in diesem Abschnitt bereits 108 Jahre alt und ohne Massnahmen nicht mehr zukunftstauglich. Die Stadt weiss das bereits seit 2011, damals wurden Proben vom Beton genommen. Diese zeigten ein vergleichsweise positives Bild. Der Beton kann innen abgetragen und neu aufgespritzt werden, dann sollte die Kanalisation für weitere 50 Jahre halten. Und das Beste: Die Kanäle, die 1,2 Meter hoch und damit begehbar sind, können von innen saniert werden, was mit deutlich geringeren Kosten und weniger Umständen an der Oberfläche verbunden ist.

Trotzdem braucht es für die Baustelleneinrichtung Platz und deswegen müssen die Velos erst einmal aus dem Weg. Benjamin Lutz, der das Projekt für das Tiefbauamt koordiniert, stellt allerdings in Aussicht, dass für Baumaterial und Container nicht die ganze, jetzt zu räumende Fläche gebraucht wird und ein Teil bald wieder freigegeben werden kann.

«Solange keine Veloparkplätze dauerhaft verschwinden, sind wir beim Bauen immer entspannt»Kurt Egli, Pro Velo

Eine Schätzung, wie viele der beliebten Pendlerparkplätze während der Bauzeit wegfallen, gibt es nicht. Einige Hundert dürften es sein. Gemäss Bauprogramm dauert die Beeinträchtigung bis im Juni. Man wolle, wenn immer möglich, vor dem Albanifest fertig sein, sagt Lutz. Ansonsten werde die Baustelleneinrichtung für das Fest entfernt und wieder neu aufgestellt.

An der Münzgasse müssen die Velos bis Freitag abgeräumt werden, sonst tut dies die Stadt.Foto: Marc Dahinden

Ersatzparkplätze werden während der Bauzeit nicht ausgeschildert. Das Baudepartement empfiehlt, andere, etwas weniger nahe Veloabstellplätze zu benutzen, die als nicht ausgelastet gelten, etwa jene an der Bankstrasse oder beim Kesselhaus. Kritik daran gibt es von offizieller Seite nicht. «Solange keine Veloparkplätze dauerhaft verschwinden, sind wir beim Bauen immer entspannt», sagt Kurt Egli von Pro Velo. Er hätte sich einzig eine etwas bessere Kommunikation der Stadt gewünscht.

Die Baustelleneinrichtung erfolgt nächste Woche. Erste Vorarbeiten für die Sanierung haben aber bereits angefangen. Beim Bahnhofplatz ist der Abstand zwischen zwei Zugangsschächten zum Kanalsystem zu gross. Deshalb wird ein zusätzlicher gebaut. Da eine Mischkanalisation bei Regen schnell geflutet wird, müssen sich Arbeiter auch rasch in Sicherheit bringen können.

Erstellt: 13.01.2020, 19:31 Uhr

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