Winterthur/Wiesendangen

Auch am Sonntag soll geschult werden

Die Winterthurer Segelfluggruppe will neu auch am Sonntag Schulungsflüge durchführen, um flexibler zu sein. Sorgt das für mehr Fluglärm?

Ein Schleppflugzeug zieht den Segelflieger in luftige Höhen und über das Schloss Hegi hinweg.

Ein Schleppflugzeug zieht den Segelflieger in luftige Höhen und über das Schloss Hegi hinweg. Bild: Marc Dahinden

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Die Mitgliederzahlen der Segelfluggruppe Winterthur sinken. «In den letzten zehn Jahren haben wir einen Fünftel unserer Mitglieder verloren. Wir kämpfen wie viele Vereine um die Zukunft und ums Überleben», sagt Präsident Alois Sauter aus Rickenbach. Aktuell zählt der Verein 74 aktive Mitglieder. Darunter jeweils fünf bis sechs Schüler. Deshalb wollen die Segler künftig auch am Sonntag Schulungsflüge durchführen, jedoch nicht während dem Mittag.

Stadt gibt Verantwortung ab

Hintergrund ist ein neues Betriebsreglement. Die Stadt will nicht mehr Halterin des Flugfelds Hegmatten in Oberwinterthur sein. «Das zuständige Immobilienamt war häufig mit der Bewirtschaftung überfordert», sagt Sauter. Nach dem Bau des Hochwasserrückhaltebeckens habe die Stadt mit den Seglern deshalb einen Baurechtsvertrag abgeschlossen. Somit musste auch das Betriebsreglement ersetzt werden, dass die Stadt 1989 mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) abgeschlossen hatte.

«Es ist eine Salamitaktik, alle Jahre gibt es ein bisschen mehr Fluglärm.»Anwohner aus Wiesendangen

Laut dem neuen Reglement sollen auch am Sonntag und an Feiertagen Schulungsflüge erlaubt sein. Dabei werden die Segelflieger nicht von einer Winde, sondern von einem motorisierten Flugzeug in die Luft «geschleppt» (siehe Foto). Für ausgebildete Segler war das schon bisher am Sonntag erlaubt. Weshalb das für Schüler nicht galt, weiss Sauter nicht. Die Stadt Winterthur hat der Änderung des Reglements bereits zugestimmt. Nun liegt das Gesuch noch bis am Freitag öffentlich auf der Gemeinde Wiesendangen und im Winterthurer Superblock auf. Am Ende entscheidet das Bazl über das Betriebsreglement, das juristisch angefochten werden kann. Während der Auflage hat der Wiesendanger Gemeinderat beschlossen, keine Einsprache zu tätigen.

Flugfeld als «Lärmriegel»

Ein betroffener Wiesendanger findet das Vorgehen der Segelfluggruppe nicht in Ordnung: «Es ist eine Salamitaktik, alle Jahre gibt es ein bisschen mehr Fluglärm.» Im alten Reglement von 1989 waren etwa Flüge von 12 bis 14 Uhr nicht erlaubt. Seit 2010 sind während der Mittagszeit maximal sechs Flüge erlaubt. Vor drei Jahren erlaubte die Stadt, dass dies auch an Sonn- und Feiertagen gilt. «Am Samstag ist die Hölle los, am Sonntag ist es aktuell, ohne die Schulungsflüge, noch ruhiger», sagt der Anwohner. Der Entscheid des Gemeinderats, sich nicht gegen das neue Reglement zu wehren, enttäuscht ihn.

«Unsere Mitgliederzahlen gehen leider zurück, es kann in der Summe gar nicht mehr Fluglärm geben.» Alois Sauter,
Präsident Segelfluggruppe Winterthur

Segelflieger-Präsident Sauter bestreitet, dass es mehr Fluglärm geben wird: «Unsere Mitgliederzahlen gehen leider zurück, es kann in der Summe gar nicht mehr Fluglärm geben, da die Bewegungen insgesamt abnehmen.» Dem Verein gehe es mit dem neuen Reglement vor allem um mehr Flexibilität. Sauter nennt ein Beispiel: «Gegen Ende der Saison im Frühherbst ist ein Schüler bereit für den Prüfungsflug. Nun ist das Wetter an den Samstagen aber immer schlecht und er sollte vor der Prüfung noch einige Starts mit dem Schleppflugzeug absolvieren. Das ist ein Stress.» Insbesondere dann, wenn seine Theoriepfrüfung bald zwei Jahre her sei und anschliessend verfalle.

Sauter erwähnt zudem, dass das Flugfeld ein «Lärmriegel» für Winterthur und Wiesendangen darstelle: «Solange wir diesen Luftraum bewirtschaften, fliegen keine startenden Flugzeuge von Kloten über dieses Gebiet.» Deshalb habe auch die Stadt ein grosses Interesse, das Flugfeld zu erhalten. «Wenn wir einmal weg sind, dann hätte man hier Fluglärm.»

Aber gäbe es denn keine leiseren Schlepper? «Das ist eine Sicherheitsfrage», sagt Sauter. «Wir benötigen ein ziemlich starkes Schleppflugzeug, damit wir mit genügend Abstand über die Starkstromleitungen in Wiesendangen und die Siedlungen in Winterthur-Hegi fliegen können.» Bei einem Seilriss kurz nach dem Start würde der Segelflieger sonst keine Chance für eine Umkehrkurve haben, ein Unfall wäre vorprogrammiert.

Bei den Schleppflugzeugen habe man lärmmindernde Massnahmen getroffen, etwa mit einem leiseren Propeller: «Der Lärm kommt eben nicht nur vom Motor, sondern auch vom Propeller, dessen Blätter sich nahe oder im Überschallbereich bewegen.»

Bis es leistungsfähige Elektroschleppflugzeuge gebe, werde es noch einige Zeit brauchen, sagt Sauter. (Der Landbote)

Erstellt: 09.09.2018, 18:42 Uhr

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