Freienstein-Teufen

Buchhaltertechnologie bläst zur Revolution

Eric Bernhard, Professor an der HZW, sprach in der alten Spinnerei in Freienstein-Teufen über die Blockchain und die Industrie 4.0.

Für Eric Bernhard ist klar, dass man in Kryptowährungen investieren soll.

Für Eric Bernhard ist klar, dass man in Kryptowährungen investieren soll. Bild: Leo Wyden

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Industrie 4.0 hört sich vielleicht für manche wie ein obskures Computerupdate an. Doch der Begriff umfasst Veränderungen der Wirtschaft, welche unser Leben nachhaltig prägen könnten. Über diese Entwicklungen sprach vorgestern Montagabend Professor Eric Bernhard von der Zürcher Hochschule für Wirtschaft.

Was als einfache Einführung in die sogenannte Blockchain begann, wurde schnell zum Vortrag über die verschiedenen Möglichkeiten der Industrie 4.0. Industrie 4.0 meint in erster Linie die Effizienzsteigerung in der wirtschafltichen Produktion durch Technologien ähnlich wie man es aus der Geschichte kennt. Mit dem mechanischen Webstuhl wurde die erste industrielle Revolution angezettelt, jetzt – so die Meinung von Eric Bernhard – sei die vierte an der Reihe.

Blockchain

Passend ist es da, dass sein Vortrag in der alten Spinnerei in Freienstein stattfand. Die Blockchain ist dabei in erster Linie auch eine Technologie ganz ähnlich wie der mechanische Webstuhl vor 200 Jahren. Diese Technologie kann ganz einfach ausgedrückt Buch führen. Sie kann dies dezentral und digital.

Buchführung heisst, dass man weiss wie viel einem gehört, wann man etwas ausgegeben oder weggegeben hat und was man wann bekommen hat. Dezentral bedeutet hier, dass nicht etwa ein Buchhalter allen Nutzern bestätigen muss, wann sie etwas bekommen oder weggegeben haben und wie viel sie besitzen. Man kann sich das vorstellen, als würden alle Nutzer sich anonym sagen, was sie weggeben und bekommen und gleichzeitig erinnern sich alle an alle Transaktionen.

«Man darf keinen Tag mehr warten mit dieser Technologie. Man muss sich informieren und seine Mitarbeiter darauf vorbereiten.»

Eric Bernhard

Deswegen braucht es auch keinen Buchhalter mehr, der die Übersicht wahrt. Jeder führt die Buchhaltung von allen. Die berühmteste Anwendungen dieser Buchhaltungstechnologie sind die Kryptowährungen, von denen es mehrere hundert verschiedene gibt. Aber dabei bleibt es für Eric Bernhard bei weitem nicht. Vielmehr sieht er ein ganzes Blockchain-Ökosystem, in welchem diese Technologie wichtig werden kann: Beispielsweise zur Registrierung von wertvollem Besitzgegenständen. Oder zur Sicherung der eigenen Daten.

Denn was heute noch automatisch Facebook gehört, könnte mit dieser Technologie endlich dem Nutzer gehören, der sie auch produziert. Für Bernhard ist klar, dass diese Technologie alles verändern wird. Er rät den Gästen und den Gewerbeführenden: «Man darf keinen Tag mehr warten mit dieser Technologie. Man muss sich informieren und seine Mitarbeiter darauf vorbereiten.»

Und so endet er seinen Vortrag mit drei einfachen und ganz konkreten Vorschlägen: Sich selbst darüber weiterbilden, aktiv erkunden, wie man sein Unternehmen auf die Industrie 4.0 umstellen kann und in Kryptowährungen investieren.

Risiken und Chancen

Ein Aufruf zur Weiterbildung scheint nie verkehrt. Rudolf Menzi, der Präsident des Vereins Standort Zürcher Unterland, sieht verschiedene Möglichkeiten für die Region: «Vielleicht können wir mit 3-D-Druckern wieder vermehrt lokal produzieren. Aber im Ganzen gibt es da sowohl Chancen als auch Risiken.» Denn in der anschliessenden Diskussion tauchen auch Fragen auf, ob durch solche Veränderungen nicht auch Arbeitsplätze verloren gehen würden.

Wie sollte man mit Menschen umgehen, die so ihre Stellen verlieren? Aber grundsätzlich überwiegt die Begeisterung. Denn begeistern, dass gelingt Blockchainafficionados besonders gut.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 10.07.2018, 17:25 Uhr

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