Elgg

Bumann hilft dem Elgger Löwen

Ganz alleine hat Kemal Özdengiz versucht, das Gasthaus Löwen in Elgg wieder zum Laufen zu bringen. Nun hat er prominente Hilfe erhalten: TV- Restaurantkritiker Daniel Bumann war zu Gast und hat Özdengiz unter die Arme gegriffen.

Mehr als nur einen guten Rat will Daniel Bumann, Sternekoch und Restauranttester, dem Löwen-Wirt Kemal Özdengiz geben.

Mehr als nur einen guten Rat will Daniel Bumann, Sternekoch und Restauranttester, dem Löwen-Wirt Kemal Özdengiz geben. Bild: Johanna Bossart

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Noch schnell ein Foto vor dem Pizzaofen. Die Kohle glüht, die Teigfladen liegen bereit. «Du musst den Ofen rechtzeitig einfeuern», sagt Daniel Bumann. «Das hat Priorität.» Wirt Kemal Özdengiz nickt, der Kameramann macht noch ein paar Schritte nach links. Fertig.Am letzten Sonntag betrat TV-Restauranttester Daniel Bumann den Elgger Löwen zum ersten Mal, im Schlepptau Kamerateam und Testesser aus dem Dorf. Eiskalt haben sie Özdengiz erwischt, der an diesem Abend ganz allein versuchte, den Restaurantbetrieb zu schmeissen. Er war Koch, Service und Pizzabäcker in einem. «Unmöglich», sagt Bumann. Entsprechend schwierig gestaltete sich das Testessen.

Der Löwen soll bleiben

Doch Bumann ist da, um zu helfen. Der Walliser hat mit seiner Frau Ingrid ingesamt 27 Jahre selber eines der besten Restaurants der Schweiz geführt. Jetzt testet der Spitzenkoch für das TV-Format des Senders 3+ Gastro-Betriebe in der ganzen Schweiz. Nach dem Testessen am Sonntagabend blieb er drei Tage bei Özdengiz und zeigte ihm schonungslos auf, wo es hapert. Bumann ist umgänglich, gar kumpelhaft. Die Stimmung in der Beiz freundschaftlich. Aber mit Kritik spart er nicht. «Wenn ich nett bin, hilft das niemandem», sagt er. «Gradlinig, klar, direkt, muss ich sein.»

Özdengiz hatte grosse Pläne mit dem Löwen. Die ganze Familie werde helfen, ein Koch mit italienischen Wurzeln werde authentische Küche garantieren, sagte er bei der Eröffnung im vergangenen Herbst. Doch es kam anders. Am Ende versuchte er alles allein. Hinzu kommt, dass Özdengiz keine Gastroausbildung hat. Erfahrung sammelte er als Kebabverkäufer. «Aber das ist nicht das Gleiche wie ein Speiserestaurant», kommt er nun zum Schluss. «Dass es so schwierig ist, habe ich nicht erwartet.» Der Wirt sieht müde aus, reibt sich das Gesicht. «Ich habe keine Kraft mehr.» Die drei Tage mit Bumann waren gut, aber hart. Ihm schwirrt der Kopf. Die Testesser waren nochmals zum Mittagessen da, darunter auch Gemeindepräsident Christoph Ziegler. «Mir liegt etwas daran, dass der Löwen für Elgg erhalten bleibt», sagt er. Darum habe er mitgemacht.

Hartes Geschäft statt Spiel

Fälle wie der Löwen-Wirt begegnenBumann immer wieder. Es sei wohl eine Mode, ein Restaurant zu pachten, ganz ohne Vorkenntnisse und ohne Ausbildung. Das ärgert den Sternekoch. «Die Politik muss da eingreifen.» Mit einem Wirtepatent, das es früher einmal gab oder einer Betriebsbewilligung würde man viele Leute vor dem Verderben retten.

«Wenn ich nett bin, hilft das niemandem.»

Daniel Bumann, TV-Restauranttester

«Restaurant spielen», so hat er die Situation im Löwen genannt. Aber das Geschäft ist hart, alles andere als ein Spiel. «Kemal hat sich zum Glück schon früh bei uns gemeldet», sagt Bumann. «So hat er noch eine Chance.» Pizza backen könne er, sagt Bumann. Teig, Zutaten, Fleisch – alles sei frisch und von guter Qualität.

Doch Özdengiz müsse sich ausbilden. Darum hat ihn der Fernsehstar am Montag zu Gastro Zürich gebracht. Dort wurde ihm das Ausbildungsprogramm vorgestellt und er bekam von Gastro Zürich noch einen Gutschein für einen Service-Grundkurs geschenkt. Ein Treuhänder nahm sich zudem die Buchhaltung vor und stellte diese professionell auf.

In einigen Wochen wird Bumann nochmals mit dem Kamerateam auf der Matte stehen und schauen, was sich im Löwen verändert hat. Im Spätsommer wird die Folge auf 3+ ausgestrahlt.

Bumann hofft, dass die Gäste dem Löwen noch eine Chance geben und dass diese ihre Kritik auch äussern. «Die Schweizer sind höflich», sagt er. Es wird nicht kritisiert. Ein enttäuschter Gast kommt einfach nicht mehr. «Und damit beerdigt er den Wirt, ohne dass dieser weiss, warum.» Wegen Kritik dürften Wirte nicht beleidigt sein. Annehmen, zu Fehlern stehen und es besser machen. «Nur so funktioniert es.»

Erstellt: 30.03.2018, 17:22 Uhr

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