Rheinau

Das erste Experiment ist geglückt

Das Projekt für ein Grundeinkommen kommt im Dorf gut an. Schon nach kurzer Zeit sind wohl mehr als genug Anmeldungen eingegangen.

Schon beim Anmeldestart Ende August war das Interesse in Rheinau gross.

Schon beim Anmeldestart Ende August war das Interesse in Rheinau gross. Bild: Enzo Lopardo

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Das ist superschön», sagt Filmemacherin Rebecca Panian. Die Initiantin des Projekts für ein bedingungsloses Grundeinkommen in Rheinau kann sich bereits über rund 700 Anmeldungen freuen. Damit das Projekt zustande kommt, wären rund 650 Teilnehmende nötig gewesen, also die Hälfte der Einwohnerzahl in Rheinau. Es gibt allerdings noch einen kleinen Vorbehalt: Die Anmeldungen sind nicht überprüft. Theoretisch hätten sich auch Personen von ausserhalb über ein Formular im Internet eintragen können. Auch doppelte Einträge sind denkbar.

Erst nach dem Anmeldeschluss am kommenden Freitag sichtet das Projektteam die Anmeldungen im Detail. «Wir werden uns dafür die nötige Zeit lassen», sagt Rebecca Panian.

Im Whatsapp-Chat

Derzeit spricht alles dafür, dass das erste wichtige Projektziel in Rheinau deutlich übertroffen wird. «Ich bin mir zu 99 Prozent sicher, dass es klappt», sagt Panian weiter. Die Initiantin spürt in der Gemeinde schon seit der Lancierung des Projekts einen grossen Rückhalt. Sie höre von Einwohnerinnen und Einwohner, dass der Zusammenhalt bereits gewachsen sei. Es kursiere das Motto: «Wir Rheinauer schaffen das.» Die Grundidee des Experiments, die Gemeinschaft zu stärken, scheine also bereits zu funktionieren. Panian ist über einen Whatsapp-Chat mit rund 40 Einwohnern verbunden, um so direkt Fragen beantworten zu können. Zudem war sie am Wochenende am Vielfaltsmarkt unterwegs und habe auch dort schöne Rückmeldungen erhalten. «Ich habe wieder Gänsehaut, wenn ich daran denke.»

Auch Gemeindepräsident Andreas Jenni spürt viel Wohlwollen. «Nach der Veranstaltung zum Anmeldestart war ich mir sicher, dass genügend Anmeldungen eingehen werden. Viele finden das spannend.» Jenni freut sich darüber, dass sich durch das Experiment viele für Politik interessieren. Ansonsten erfahre man das meiste nur aus der Zeitung, nun finde ein Pionierprojekt direkt vor der Haustür statt

«Ich habe wieder Gänsehaut, wenn ich daran denke.»

Rebecca Panian, Filmemacherin und Initiantin des Projekts

Das Geld fehlt noch

Der nächste Schritt ist die Finanzierung des Projekts. Das «Dorf-Team» will per Crowdfunding einen Betrag von geschätzt fünf Millionen Franken auftreiben. Damit soll den Teilnehmenden, die über 25 Jahre alt sind, ein Jahr lang ein bedingungsloses Mindesteinkommen von 2500 Franken garantiert werden. Jugendliche erhalten je nach Alter 1250 oder 1875 Franken und Kinder bis 18 Jahre 625 Franken. Wer monatlich mehr Geld verdient, muss das ausbezahlte Geld wieder in den Grundeinkommentopf zurückzahlen. Es gibt deshalb Teilnehmer, die nicht direkt finanziell profitieren, so wie zum Beispiel Marcel Naegler, pensionierter Volkswirtschafter und Kommunikationsprofi. Er erhofft sich neue Erkenntnisse und positive Auswirkungen durch das Experiment, wie er sagt. So könne ein Student womöglich früher abschliessen, da er nebenbei nicht noch arbeiten müsse. Auch Alleinerziehende könnten entlastet werden.

Nicht alle sind aber gleicher Meinung. Ein Gartenbauer, der selber nicht teilnimmt, ist eher skeptisch. «Ich habe schon von mehreren Leuten gehört, dass sie mit dem Geld einfach Ferien machen wollen», sagt er. Er befürchtet, das Projekt werde so ausgenützt. «Es ist zwar gut, etwas Neues zu wagen, ich glaube aber nicht, dass ein Grundeinkommen der richtige Weg ist.» Zudem sei ihm für eine Teilnahme der bürokratische Aufwand zu gross.

Bodenleger und Gemeinderat Martin Jaun ist gespannt, wie sich das Projekt auf sein Einzelunternehmen auswirken wird. Mit einem Grundeinkommen könne man einen Auftrag allenfalls auch einmal ablehnen, wenn man das Gefühl habe, es werde zu viel. «Das gibt eine gewisse Sicherheit.» (Der Landbote)

Erstellt: 10.09.2018, 18:27 Uhr

Artikel zum Thema

Rheinauer geben Startschuss für Grundeinkommen-Versuch

Rheinau Am Freitagabend hat die Gemeinde Rheinau erneut für Schlagzeilen gesorgt. Erste Einwohner haben sich bereits für das bedingungslose Grundeinkommen angemeldet. Mehr...

Rheinau als politisches Freiluftlabor

Bedingungsloses Grundeinkommen Die Weinländer Gemeinde Rheinau hat gestern landesweit für Schlagzeilen gesorgt. Sie will als erste das bedingungslose Grundeinkommen testen – aber nur für ein Jahr. Mehr...

«Das alles ist ein grosses Abenteuer»

Bedingungsloses Grundeinkommen Initiantin Rebecca Panian erklärt, weshalb es in Rheinau und auch an anderen Orten ein bedingungsloses Grundeinkommen braucht. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!