Eishockey

Der EHCW bringt sich selber um seinen Lohn

Der EHC Winterthur führt gegen La Chaux-de-Fonds 3:1 und ist auf dem Weg zum Sieg. Wegen einer Disziplinlosigkeit aber verliert er noch 3:5.

Der EHCW verteidigte sein Tor mit viel Einsatz, musste sich aber trotzdem geschlagen geben.

Der EHCW verteidigte sein Tor mit viel Einsatz, musste sich aber trotzdem geschlagen geben. Bild: Madeleine Schoder

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Es braucht einiges, bis die Emotionen in der Zielbau-Arena so hochgehen, dass Becher aufs Eis fliegen. Am Dienstagabend aber war der Ärger gross. Er galt den Schiedsrichtern. Die haben gegen den EHCW 80 Strafminuten verhängt, gegen La Chaux-de-Fonds 31. Man muss aber sagen: Die Schiedsrichter haben dem EHCW im Schlussdrittel zwar nicht geholfen – sie hätten es tun können, als Riley Brace unmittelbar vor dem Ausgleich La Chaux-de-Fonds’ zu Fall gebracht wurde oder auch bei der einen oder anderen umstrittenen Szene – aber den Match haben nicht sie entschieden. Sondern Verteidiger Pascal Blaser, der knapp neun Minuten vor Schluss für ein wirklich saudummes Revanchefoul völlig zu Recht mit einer 5-Minuten-plus-Spieldauer-Disziplinarstrafe vom Eis geschickt wurde.

Aber der Reihe nach: Es sah lange gut aus für den EHCW, ja sehr gut, als Martin Alihodzic in der 49. Minute in Unterzahl das 3:1 fürs Heimteam erzielte. Das schien fast schon die halbe Miete zu sein gegen dieses La Chaux-de-Fonds, an dessen Leistung nichts an das Team erinnerte, das letzte Saison den Playoff-Final erreicht hat. Aber es war gut genug, die wenigen Schwächen der Winterthurer auszunutzen. Und es hatte mit Timothy Coffman und Brett Cameron die überragenden Spieler im Team. Cameron nutzte dieselbe Strafe, in welcher der EHCW das 3:1 erzielt hatte, zum 3:2. In der fünfminütigen Überzahl hielt das Heimteam lange dagegen, ehe Makai Holdener ausglich und Daniel Carbis das 4:3 erzielte. Danach blieben nur noch gut vier Minuten, um zu reagieren. Das war zu wenig Zeit.

«Selber verschuldet»

Nach einigen hohen Niederlagen gegen Teams der Top-7 in der Swiss League war dieser Match für die Winterthurer sicher ein Fortschritt, auch wenn keine Punkte herausschauten und der Gegner gewiss schon bessere Tage gehabt hat. Der Funke ins Publikum ist nicht nur wegen der Schiedsrichter gesprungen,sondern auch, weil der EHCW so gespielt hat, dass ein Sieg gegen einen Favoriten möglich schien, und weil er bis zum Schluss gekämpft hat.

Umso ärgerlicher war der Grund für die Niederlage. «Wir haben sie selber verschuldet», sagte EHCW-Trainer Michel Zeiter. «Die 5-Minuten-Strafe gegen Blaser hat uns den Match gekostet. Bis dahin haben wir den alles unter Kontrolle gehabt.» Aber ein Spiel dauert eben 60 Minuten und nicht nur 50. Wenn ein Team wie der EHCW eines wie La Chaux-de-Fonds schlagen will, dann muss es bis zum Schluss diszipliniert bleiben. Das waren nicht alle.

Zeiter hatte für diesen Match seine Linien umgestellt. An der Seite von Torquato und Brace stürmte mit Filip Sluka ein 18-jähriger Debütant aus den U-20-Top-Junioren des EHCW. Er hat seine Chance genutzt, auch wenns etwas übertrieben war, ihn gleich zum besten Spieler zu wählen. Da wären andere infrage gekommen. Arbeiter wie Alihodzic, der nicht nur das 3:1, sondern auch das 2:1 erzielt hatte. Oder Silvan Hess, der vor dem 3:1 in Unterzahl den Puck erobert hatte. Oder Kevin Bozon, der mit grossem Einsatz von Anfang an voranging. Punkto Stabilität in der Defensive wirkte sich auch positiv aus, dass mit Captain Reto Kobach und Yannick Hänggi zwei Verteidiger nach langen Verletzungspausen wieder zurück waren.

o:1 gut weggesteckt

Weil kämpferisch vieles stimmte, konnte der EHCW auch Coffmans frühes 0:1 gut wegstecken. Brace glich in der 24. Minute verdientermassen aus, Alihodzic gelang das 2:1 in einer Phase, als es eher La Chaux-de-Fonds war, das den Druck erhöht hatte. Aber als der Sieg der Winterthurer nahe schien, da brachten sie sich selber um den Lohn für die bis dahin sehr gute Leistung. Also brauchts einfach noch einen Zacken mehr an Leistung und vor allem an Disziplin, wenn am Freitag Visp nach Winterthur kommt. Nur schon, weil die Walliser im Moment stärker einzustufen sind als die Jurassier.

Erstellt: 13.11.2019, 00:04 Uhr

Swiss League

EHCW - La Chaux-de-Fonds 3:5 (0:1, 2:0, 1:4)

Zielbau-Arena. – 660 Zuschauer. – SR Urban/Erard; Nater, Haag. – Tore: 4. Coffman (Cameron, Schmidt) 0:1. 24. Brace (Torquato) 1:1. 38. Alihodzic (Guerra, Monnet) 2:1. 49. (48:56) Alihodzic (Hess/Ausschluss Schmutz!) 3:1. 50. (49:55) Cameron (Coffman/Ausschluss Schmutz) 3:2. 55. (54:42) Holdener (Ausschluss Blaser) 3:3. 56. (55:43) Carbis (Cameron, Coffman/Ausschluss Blaser) 3:4. 59. Cameron (Carbis, Jaquet/ins leere Tor) 3:5. – Strafen: 5-mal 2 plus 2-mal 10 (Schmutz, Brace) plus 2-mal 5 plus 2-mal Spieldauer (Blaser, Bozon) gegen den EHCW, 5-mal 2 plus 1-mal 5 plus Spieldauer (Tanner) gegen La Chaux-de-Fonds. – EHCW: Guggisberg; Guerra, Küng; Schmutz, Roos; Hänggi, Pozzorini; Blaser, Kobach; Sluka, Torquato, Brace; Zahner, Mason, Wieser; Monnet, Hess, Bozon; Allevi, Alihodzic, Lazarevs. – La Chaux-de-Fonds: Ritz; Zubler, Jaquet; Wollgast, Ahlström; Barbero, Fontana; Dubois, Hofmann; Cameron, Coffman, Schmidt; Holdener, Tanner, Bogdanoff; Augsburger, Mieville, Hasani; Grezet, Wetzel, Carbis. – Bemerkungen: EHCW ohne Homberger (verletzt) und Diem (krank) sowie Bleiker, Forrer, Sigg, Bachofner und Raggi (überzählig). La Chaux-de-Fonds ohne Voirol, Bays, Iglesias, Schnegg und Kühni (verletzt). Erstes Drittel wegen Fehlers in der Zeitmessung 1:55 Minuten zu kurz; Zeit wurde nach der ersten Pause nachgeholt. EHCW von 58:30 bis 58:55 und ab 59:16 ohne Torhüter. 58:55 Time-out EHCW.

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