Challenge League

Der FCW kanns doch noch – zuhause siegen

Mit einer starken zweiten Halbzeit erzwang der FCW einen 3:1-Sieg im Derby gegen den FC Schaffhausen, der sehr defensiv spielte und auch noch in Führung gegangen war. 3500 Zuschauer waren danach zufrieden.

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Der FCW machte am Ende des ersten Meisterschaftsviertels Schluss mit zwei Serien, die nicht für ihn sprachen: Erstmals in dieser Saison bestätigte er einen ersten Sieg, diesmal jenen vom Dienstag in Chiasso, mit einem zweiten. Und im vierten Anlauf und nach einer grauenhaften Bilanz von 1:10 Toren gewann er in der Meisterschaft auch erstmals vor eigenem Publikum. Also sammelte er im ersten Meisterschaftsviertel 14 Punkte, was genau dem Schnitt entspricht, den er in der vergangenen Saison erreichte – und die galt doch als Erfolg.

Einen Derbysieg gegen Schaffhausen schätzt die FCW-Gemeinde natürlich besonders – genauso wie sie einen gegen den FC Wil geschätzt hätte. Aber der war ja vor einer Woche mit einem 3:0 von der Schützenwiese heimgereist. Zu schätzen war aber auch die Art und Weise, wie die Winterthurer diesen Sieg erzwangen. In einem Spiel, das nicht für sie lief. Denn nach ihren ersten guten Angriff, in der 18. Minute, hatte Roman Buess nach starker Vorarbeit Ousmane Doumbias und Nuno Da Silvas nur den Pfosten getroffen. Und in der 23. gingen die Schaffhauser gar noch in Führung. Einen weiten Ball von Aly Coulibaly, der nun wirklich nicht bedrohlich wirkte, setzte sich die französische Sturmspitze des FCS, Gaëtan Missi Mezu, gegen die beiden Innenverteidiger Sead Hajrovic und Mario Bühler durch. Weil vor allem Bühler in dieser Szene nicht gut aussah, konnte der Schaffhauser den Ball über Raphael Spiegel hinweg lupfen.

Der wichtige Ausgleich

Damit schien sehr viel für den FCS zu laufen, der von seinem Trainer Murat Yakin taktisch doch so aufgestellt worden war: In einem 5-4-1, also sehr defensiv und ganz darauf ausgerichtet, irgendwann von einem Fehler des Gegners zu profitieren. Im selben Stil hatten die Schaffhauser ja schon vor ein paar Wochen im Letzigrund gegen die Grasshoppers 1:0 gewonnen. Man musste also Bedenken haben, ob der FCW dieses Spiel noch kehren könne. Denn es fiel ihm doch schwer, Chancen herauszuspielen. Es war jedenfalls eine zähe erste Halbzeit.

Sehr wichtig war dann allerdings, dass er Sekunden vor der Pause doch den Ausgleich schaffte. Luka Sliskovic schlug aus dem Mittelfeld einen Foulfreistoss, Buess erwischte den Ball vor allem Schaffhausern und lenkte ihn zwar nur leicht, aber doch entscheidend ab. «Wir waren unglücklich in Rückstand geraten, aber es war wichtig, dass wir noch vor der Pause ausgleichen konnten», atmete FCW-Trainer Ralf Loose auf. Denn er hatte auch gesehen: «Wir waren zwar spielbestimmend, aber es war auch festzustellen, dass wir am Dienstag in Chiasso viel Kraft gelassen hatte.» Worin er sich aber bestätigt fühlte: «Ich sagte der Mannschaft vor dem Spiel, dass wir bei Standardsituationen Vorteile haben könnten.» Bei diesem Tor hatte sie diese.

Geduldig dominiert – bis zum Ende

Was dann folgte: eine zweite Halbzeit, die der FCW so klar dominierte, dass nichts anderes als ein Sieg verdient war. Die Schaffhauser spielten weiterhin sehr defensiv, der FCW griff zum einen geduldig an und liess zum andern defensiv so gut wie nichts zu. Die Frage war nur, ob dem FCW auch das Tor gelingen würde, dass dann wohl auch die Entscheidung sein würde. Dieses 2:1 fiel dann in der 69. Minute, und es fiel, nachdem Loose seiner Mannschaft mit einem ersten Offensivwechsel einen eindeutigen Impuls verliehen hatte.

Für Captain Luca Radice kam nach einer guten Stunde der Israeli Anas Mahamid. Man erinnert sich: Das war der, der mit seinem 1:0 den Cupmatch gegen St. Gallen praktisch entschied. Gegen Wil hatte er dann eine schwache Leistung geboten, in Chiasso war er deshalb erst kurz vor Schluss eingewechselt worden. Diesmal also kam er etwas früher, und diesmal zeigte er nach ein paar Minuten, dass er dieser Mannschaft mit seiner Torgefährlichkeit immer wieder helfen kann. Einen Flankenball Tobias Schättins schnappte er sich zwischen den Schaffhausern Helios Sessolo und Silvan Gönitzer; und dann schlug er den Ball aus gut zehn Metern in die weitere Ecke.

Dieses Tor war hochverdient, so wenig hatten die Schaffhauser seit der Pause noch geboten. Es war nun nur noch die Frage offen, ob es den «Gelbschwarzen» Murat Yakins gelingen würde, nach einem Rückstand anders aufzutreten, offensiv etwas zu bewirken. Nach gut 94 Minuten kann man sagen: Sie bemühten sich zwar etwas mehr, aber sie waren doch nicht fähig dazu. Es gab noch eine Szene, die zu ihrem Glück hätte werden können. In der 77. Minute konnte der ehemalige FCW-Nachwuchsmann Danilo Del Toro aus 17 Metern einen Freistoss treten. Er schoss in Flach und gefährlich, aber Spiegel war unten in der Ecke und lenkte den Ball in Corner. Eine Szene forderte den FCW-Goalie in diesem Spiel – er bestand die Prüfung. Und auch deshalb gewann seine Mannschaft.

Die kompletteste Halbzeit

In der 90. Minute durfte sich die FCW-Gemeinde dann noch über ein drittes Tor freuen, das ein sehr fein herausgespielter Konter war. Granit Lekaj schlug den entscheidenden letzten Pass, Sliskovic lief davon und hob den Ball über Torhüter Amir Saipi in die weitere hohe Ecke. Es war der spielerische Glanzpunkt einer zweiten Halbzeit, in der die Winterthurer wohl die kompletteste Meisterschaftsleistung in dieser Saison lieferten. Sie griffen eben geduldig an gegen einen sehr defensiven Gegner, liessen nur den einen Schuss Del Toros zu und trafen selbst zweimal ins Tor.

Also war auch Trainer Loose des Lobes voll: «Es war eine Energie-, eine Willensleistung der Mannschaft. Sie hatte Geduld und zur gegebenen Zeit konnten wir Wechsel vornehmen. Das Tor von Anas war kein Zufall.» Das wars nicht, weil der Israeli das kann. Also schloss Loose seine Ausführungen so: «Ich bin sehr zufrieden, die Mannschaft zeigte Moral, Teamgeist und Einsatz.» Und wenn es in einer Woche in der Waadt gegen den Leader Lausanne-Sport geht, wird Loose erstmals seit dem Startspiel gegen den FC Aarau wohl auch wieder auf Callà zählen können.

«Es war eine Energie-, eine Willensleistung der Mannschaft.»FCW-Trainer Ralf Loose

Es war also, wie schon in Chiasso, eine kämpferisch gute Leistung des FCW, insgesamt geschlossen, mit Offensivspielern wie Buess, Sliskovic und zuletzt Mahamid, die Tore schossen. Und mit einer Doppelsechs, die das Spiel kontrollierte – mit Doumbia, der wohl wieder mal der beste Mann auf dem Platz war, und mit Lekaj, der defensiv wieder stabil war und diesmal auch noch das «Zückerchen» eines Assists lieferte. Also konnte Loose ganz am Schluss auch noch ein kleines Geschenk verteilen: Enrique Wild durfte an seinem 20. Geburtstag auch noch auf den Platz.

Yakins FC Schaffhausen aber gehört – zumindest mit einem Auftreten dieser Art – nicht zur besseren Hälfte der Liga. Wer so defensiv spielt und auch noch in die Gunst eines Führungstores kommt, der darf am Ende nicht drei Treffer kassiert haben. Oder er ist eben ein Verlierer.

Erstellt: 27.09.2019, 23:36 Uhr

Challenge League

FC Winterthur - FC Schaffhausen 3:1 (1:1)
Schützenwiese. – 3500 Zuschauer. – SR Piccolo. – Tore: 23. Missi Mezu 0:1. 45. Buess 1:1. 69. Mahamid 2:1. 90. Sliskovic 3:1. – FCW: Spiegel; von Niederhäusern (93. Isik), Bühler, Hajrovic, Schättin; Doumbia (89. Wild), Lekaj; Radice (87. Bdarney), Sliskovic, Nuno Da Silva (62. Mahamid); Buess. – Schaffhausen: Saipi; Vitija (60. Mevlja), Qollaku, Müller, Gönitzer (87. Casciato), Dindamba (60. Zé Turbo); Tranquilli (74. Bajrami), Coulibaly, Sessolo, Del Toro; Missi Mezu. – Bemerkungen: FCW ohne Callà (im Aufbau), Liechti (verletzt), Roth und Saliji (nicht im Aufgebot). – Schaffhausen ohne Bunjaku, Menezes, Nikci, Bislimi (verletzt) und Barry (nicht im Aufgebot). – 18. Pfostenschuss von Buess. – Verwarnungen: 70. Mahamid (übertriebener Torjubel). 75. Hajrovic (Foul). 77. Bühler und Coulibaly (Unsportlichkeiten). 87. von Niederhäusern (Unsportlichkeit).

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