Geschichte

Der «natürliche Herr» von Winterthur

Am 12. Januar 1519, vor genau 500 Jahren, starb Kaiser Maximilian. Der schillernde Exponent einer Zeitenwende war der letzte Habsburger mit engeren Beziehungen zu Winterthur.

Zum 500. Todestag: Porträt Maximilians als Kaiser (links) und auf dem Totenbett, um 1519.

Zum 500. Todestag: Porträt Maximilians als Kaiser (links) und auf dem Totenbett, um 1519. Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Anno Domini 1519 starb der fromme Fürst und Kaiser Maximilian», notierte der Winterthurer Zeitzeuge und Chorherr Laurenz Bosshart in seiner Chronik. Der vorangehende Eintrag verwies auf Martin Luther, der folgende auf die Pest in Winterthur. Europa erlebte um 1519 eine dramatische Epoche. Dazu passt der Tod Kaiser Maximilians, der immerhin über 59 Jahre alt geworden war und als Feldherr wie als Kunstliebhaber neue Massstäbe setzte.

Krieg und Kunst

Der Habsburger ging als letzter Ritter wie als erster Artillerist und als Vater der Landsknechte in die Annalen ein. In den Konflikten gegen Frankreich, Venedig, die Osmanen oder auch die Eidgenossen soll er 27 Kriege geführt haben. Erst auf dem Totenbett sprach er die Befürchtung aus, damit mehr dem Teufel als Gott gedient zu haben. Maximilian strebte nach militärischem Ruhm, noch stärker beschäftigte ihn aber das «Gedächtnus», das Andenken über den Tod hinaus.

Man solle sich zu Lebzeiten um dieses Andenken kümmern, damit man nicht beim letzten Glockenton vergessen werde, hielt der Kaiser in seiner autobiografisch geprägten Schrift «Weisskunig» fest. In Zusammenarbeit mit Gelehrten und Künstlern wie zum Beispiel Albrecht Dürer schuf Maximilian ein einzigartiges Propagandawerk, das ihn selbst und das Haus Habsburg in bestem Licht zeigt und bis heute fasziniert.

Dieses Vermächtnis war allerdings kaum Grund dafür, dass Bosshart Maximilian erwähnte. Auch wenn der Chronist es nicht hervorhob: Der Kaiser war der letzte Habsburger mit engeren Verbindungen zu Winterthur. 1467 wurde Winterthur zwar an Zürich verpfändet, den Anspruch auf die Stadtherrschaft gaben die Habsburger aber deswegen keineswegs auf. 1487 bestätigte der Fürst alle Rechte und Freiheiten von Winterthur, und 1505 stellte er der Eulachstadt eine Urkunde aus, in der er zusicherte, Winterthur «ewiglich bei uns und unserem Haus Österreich zu behalten».

Erinnerungskultur

Bekanntlich blieb Winterthur jedoch jahrhundertelang ein Untertanenort von Zürich. Dennoch dürfte Maximilian an der Eulach trotz des verheerenden Schwabenkrieges von 1499 als Kaiser wie als Habsburger in hohem Ansehen gestanden sein. Allen voran der auf Schloss Hegi geborene Hugo von Hohenlan­denberg war als Bischof von Konstanz in engem Kontakt mit dem praktisch gleichaltrigen Maximilian.

Der Bruder des Bischofs, Ulrich, trat wie andere Bürger von Winterthur in den Dienst Maximilians und bezog jährlich eine grössere Geldsumme aus der Sa­line von Hall im Tirol. Und das Chorherrenstift Mariazell auf dem Beerenberg liess sich Ende 1500 von Maximilian die Freiheiten bestätigen, mit dem aufschlussreichen Hinweis, ein besonderer Gedächtnisort der Fürsten von Österreich zu sein.

Bezeichnenderweise verweist heute vor allem die Stadtkirche auf den habsburgischen Landesfürsten. Maximilian verzichtete nämlich auf seinen Anteil am Römischen Ablass von 1501 und trat als «natürlicher Herr» von Winterthur dem Baufonds der Stadtkirche die beträchtliche Summe von 1100 Pfund ab.

Die 1515 geweihte zweitürmige St.-Laurenzen-Kirche erinnert damit nicht nur an das stolze Selbstverständnis der Bürgerschaft, sondern steht auch für den wenig später so verpönten Ablasshandel. Vor allem aber reiht sich die Stadtkirche ein in das «Gedächtniswerk» des vor 500 Jahren verstorbenen Habsburgers, dessen Andenken auch in der zürcherischen Landstadt noch lange hochgehalten wurde.

(Der Landbote)

Erstellt: 12.01.2019, 10:19 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!