Kleinandelfingen

«Die Verursacher streiten es oft ab»

Im Oktober verendeten hunderte Krebse, weil Insektizide in den Mederbach gelangten. Andrew Faeh, Abteilungsleiter Gewässerschutz beim Kanton, erzählt, wie er in so einem Fall vorgeht und wie viele Leute die hochtoxischen Mittel nicht im Griff haben.

Hunderte Krebse verendeten im Mederbach. Dafür braucht es nur Kleinstmengen von Insektiziden.

Hunderte Krebse verendeten im Mederbach. Dafür braucht es nur Kleinstmengen von Insektiziden. Bild: Madeleine Schoder

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Wie oft muss Ihre Abteilung im Jahr ausrücken?
Andrew Faeh: 2017 gab es im Kanton Zürich rund 230 Fälle von verschmutzten Gewässern. Das meiste passiert auf Baustellen, wenn beispielsweise Entwässerungen falsch angeschlossen werden. Dann rücken wir oft in den Strassenverkehr aus, wenn Öl oder Benzin ausläuft, und die Landwirtschaft macht auch in jedem Jahr einige Fälle aus.

Wie muss man sich so einen Einsatz vorstellen?
Normalerweise meldet sich jemand bei der Polizei, beispielsweise, weil er oder sie tote Fische in einem Bach sieht. Die Polizei informiert dann unseren Pikettdienst und wir gehen mit vor Ort. Dann versuchen wir die Ursache der Verschmutzung festzustellen, indem wir Proben nehmen und schauen, an welcher Stelle die toten Fische genau sind. Wenn wir die Einlaufstelle finden, nehmen wir ober- und unterhalb Proben. Manchmal stossen wir auch auf Schächte, wo sich die toxische Flüssigkeit angesammelt hat. Im Labor untersuchen wir die Proben, und wenn wir die Mittel identifizieren können, wissen wir, wo wir nach den Verursacher suchen müssen.

Können Sie denn vor Ort noch etwas tun für die Tiere?
Nein, meistens kann man nicht mehr viel machen. Die Tiere sind schon tot und die Mittel wurden weggespült. Wenn auf Baustellen Beton ins Wasser kommt und es alkalisch verseucht, kann man mit Frischwasser verdünnen, wenn man schnell genug ist. Das hilft auch bei Gülle.

Wie ist es im Strassenverkehr?
Dort sind meist Unfälle die Ursache und Gewässer sind oft nicht besonders gefährdet. Die Verschmutzungen können wir gut beheben.

Da sind ja auch weniger Bäche in der Nähe.
Sie würden sich noch wundern. Man fährt öfters an Gewässern vorbei, als man denkt. Es landen auch immer wieder Fahrzeuge direkt im Bach.

Finden Sie immer heraus, welches Gift es war?
Letztes Jahr blieben rund 50 Fälle ungeklärt. Das heisst, wir haben eine Verfärbung im Wasser festgestellt, aber nicht herausgefunden, was die Ursache war. Ein Gewässer gilt als verschmutzt, wenn man nicht auf mindestens 30 Zentimeter klar sieht.

Wie oft kommen Krebssterben vor, wie es im Mederbach bei Kleinandelfingen passiert ist?
Letztes Jahr hatten wir acht Fisch- und fünf Krebssterben. Insgesamt sind im letzten Jahrrund 6000 Krebse gestorben. Wir haben leider nicht immer herausgefunden, weshalb.

Kann man die Tiere nicht obduzieren?
Nein, das geht nicht. Man hat mir gesagt, dass die Giftmengen zu klein sind, um sie in den Krebsen nachzuweisen. Wir müssen die Mittel noch vor Ort im Wasser finden.

Hat das Gift denn wirklich nur Krebsen etwas an oder sterben noch andere Tiere?
Es betrifft in Bächen oft auch noch Insekten oder kleinere Wirbeltiere, die aber niemand sieht. Krebse sind sehr anfällig. Es reicht schon eine Konzentration von zwei Zuckerwürfeln im Greifensee, um ihnen zuzusetzen. Insektizide sind zudem extrem toxisch. Fische vertragen sie eher noch, die sind dafür anfälliger, wenn beispielsweise Abwasser aus der Kanalisation ohne Reinigung in einen Bach fliesst.

Wenn Sie wie im Fall Mederbach – wo es sich um ein Insektizid handelte – herausfinden, welches Gift es war, was passiert dann?
Dann konfrontieren wir den Verursacher. Oft haben die das selbst gar nicht bemerkt oder streiten es ab. Wenn dann nicht gerade ein Gefäss mit Resten vom Pflanzenschutzmittel herumsteht, ist es schwierig. Aber darum muss sich dann die Polizei kümmern.

Was drohen für Strafen?
Auch das ist dann nicht mehr mein Bereich. Aber ich weiss, dass gerade für Landwirte nicht die Bussen das Schlimmste sind, sondern die Kürzung von Direktzahlungen viel einschneidender sein kann.

Können solche Unfälle auch im heimischen Gärtchen passieren?
Ja, absolut. Die Leute sind sich nicht bewusst, wie gefährlich diese Mittel sind. Oft passiert es beim Auswaschen von Geräten, dass das Abwasser nicht an den richtigen Ort fliesst. Beim Spritzen auf den Beeten oder auf den Feldern passiert weniger.

Was wird in der Prävention unternommen?
Derzeit läuft eine Fördermassnahme, damit Landwirte ihre Spritzplätze, wo sie Geräte auswaschen, ausbauen. Am Wichtigsten ist natürlich, ein Bewusstsein zu schaffen. Viele Leute haben die Dosierung der Mittel überhaupt nicht im Griff. Eigentlich sollte man sie zuhause nur im verdünnten Zustand haben, dann würde weniger passieren. Aber es ist logistisch natürlich einfacher, eine kleine Dose zu verkaufen statt Literflaschen mit verdünnten Pflanzenschutzmitteln. Aus meiner Sicht müsste das gesetzlich geregelt sein.

Frustriert Sie das?
Ich finde es bedenklich. Seit 2001 ist es auch verboten, Herbizide auf Plätzen oder Wegen zu spritzen. Trotzdem machen das viele Privatpersonen und sogar teilweise Gemeinden noch. Einfach, weil es einfacher ist. Alternativen wären das Abbrennen oder maschinelle Entfernen von unerwünschten Pflanzen, aber das ist halt ein wenig aufwändiger. Viele wissen auch nicht, dass die Entwässerung von Plätzen oft direkt in ein Gewässer geht und nicht erst durch eine Kläranlage.

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Erstellt: 29.11.2018, 18:05 Uhr

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