FCW

Eine klassische Cup-Ausgangslage für den FCW

Der FC St. Gallen aus der Super League ist Favorit. Aber die Chancen des FCW auf eine Überraschung sind nicht unrealistisch. Es geht heute auf der Schützi um einen Platz in den Achtelfinals und 12 500 Fränkli Prämie vom Verband.

Luca Radice (Mitte) lag die ganze Woche krank im Bett.

Luca Radice (Mitte) lag die ganze Woche krank im Bett. Bild: Melanie Duchene

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist zweifellos ein attraktiver Cup-Sechzehntelfinal: Einer der stärkeren Klubs aus der Challenge League, der FCW, empfängt einen Nachbarn aus der Super League. den FC St. Gallen. Die Winterthurer sind zwar nicht so gut zur Meisterschaft gestartet, wie sie sich erhofften und wie auch ihrem Potential entspräche. Also stehen sie im Mittelfeld, aber unweit der Spitze – noch lässt sich alles korrigieren. Und die St. Galler sind ebenfalls im Mittelfeld klassiert, im Raum zwischen drohender Enttäuschung und weiterhin möglicher Erfüllung sportlicher Wünsche.

Man kann also sagen, der FCW könne sehr wohl stark genug sein, an einem guten Tag den Favoriten zu fordern, wenn nicht zu schlagen. Beim FCSG ist allen bewusst, dass sie die grundsätzlich bessere Mannschaft sein mögen. Aber ihrer Sache sicher sein können sie nicht. Es ist also die klassische Ausgangslage für einen interessanten Cupmatch – mit Aussichten für den Aussenseiter, die zu einem Erfolg führen könnten, der dann eine Überraschung, aber keine Sensation wäre.

Vier Siege gegen «Grosse»

In Winterthur sind aus der jüngeren Vergangenheit mehrere Cup-Spektakel in Erinnerung, wie vor sieben Jahren der Viertelfinal-Sieg in einem Elfmeterschiessen gegen den FC St. Gallen, der damals zwar ebenfalls in der Challenge League spielte, aber so klar auf dem Rückweg in die Super League, dass er mindestens so Favorit war wie heute. Es sind allerdings die Erfolge des FCW mit den zwei Halbfinal-Qualifikationen in diesem Jahrtausend, 2006 gegen den FC Sion und eben 2012 gegen den FC Basel, auch zu relativieren: Seit er vor 20 Jahren aus der 1. Liga in die Nationalliga B zurückkehrte, hat er nur viermal gegen einen Klub aus der Super League gewonnen.

Im Februar 2001 wurde der als Wintermeister der Nationalliga A angereiste FC Lugano mit dem neuen Star Kubilay Türkyilmaz mit einem 0:1 heimgeschickt. Im Herbst 2005 verlor GC ein besonders spektakuläres Spiel 2:4, und die letzten angenehmen Erinnerungen waren zwei Coups gegen die Young Boys, beide im Elfmeterschiessen. Im November 2011 schossen die Winterthurer – auf dem Weg einem umjubelten Sieg gegen St. Gallen Halbfinalist eben gegen den FCB zu werden – vom Punkt aus besser als die Berner des Christian Gross. Gar den Anstrich einer Sensation hatte der Viertelfinal vor zweieinhalb Jahren in Bern, als der FCW zuerst ein 0:2 ausglich und dann alle Elfmeter verwertete.

St. Gallens Trainer Peter Zeidler hatte drei Wochen Zeit, den Cupmatch vorzubereiten, Winterthurs Ralf Loose immerhin zwei. Loose verzichtete auch auf ein Trainingsspiel. Er weiss, dass seine Mannschaft in Sachen Einstellung und Zweikampfverhalten anders auftreten muss als zuletzt bei der 2:3-Niederlage in Kriens. Jedem ist klar, eine Leistung wie dort kann heute nicht reichen. Eine Woche vorher, am Tag nach dem 2:2 gegen GC, hat Loose St. Gallen bei dessen letztem Pflichtspiel beobachtet. Er sah das 3:2 gegen Lugano, nach einer Führung der Tessiner die Wende, die durch einen Platzverweis für Lugano erheblich begünstigt wurde.

Die Ideen des Trainers Loose

Loose ist klar, dass es seiner Mannschaft bisher nicht so lief wie erhofft. Es waren diverse Unwuchten festzustellen. Die einen wurde provoziert durch verletzungsbedingte Absenzen von Stützen wie Davide Callà, Sead Hajrovic oder Granit Lekaj, andere durch das Problem, dass die Aussenverteidiger nicht überzeugten. Oder durch den Fakt, dass die neue Doppelsechs mit Ousmane Doumbia und Gjelbrim Taipi nicht so rund zusammenpasste wie die alte mit Doumbia und Remo Arnold. Noch passten zu viele Schräubchen nicht präzis zusammen, um Leistungen zu bringen, wie sie bis und mit Startspiel gegen Aarau geboten worden waren.

Loose hat sich selbstredend seine Gedanken gemacht. Aber er lässt die Resultate offen. Klar ist nur, die nominelle Bestbesetzung kann er wieder nicht aufbieten: Captain Callà trainiert nach seiner Wadenverletzung aus dem Startspiel noch immer allein. Reichts ihm fürs nächste Meisterschaftsspiel gegen Wil, ist das gut. Und Luca Radice, der zweite «Dreissiger» im Kader, der zweite Captain auch, lag die ganze Woche über krank im Bett. Radice war auch als Torschütze eine der grossen Figuren beim Sieg gegen den FCSG im Frühjahr 2012.

Damals war die «Schützi» mit 8500 Zuschauern ausverkauft. Am Freitag stünden 9400 Plätze zur Verfügung, zu rechnen ist mit gegen 7500. Auch das wäre gut. Auf jeden Fall sind, anders als vor gut sieben Jahren, die Tageskassen offen, vor dem Gastsektor wie auch für die FCW-Gemeinde. Der FCW hat sich gestern auch erstmals seit Anfang August wieder auf dem (teils neuen) Rasen der Schützi bewegen können. Dessen Qualität: einigermassen in Ordnung. Und wer gewinnt, kann die Qualität seines Saisonstarts guten Gewissens Richtung «gut» schrauben.

Erstellt: 12.09.2019, 20:35 Uhr

Cup-Sechzehntelfinal

FCW - FC St. Gallen. Schützenwiese, Freitag, 20 Uhr.

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles