Bassersdorf

Frisiert wird dort, wo der Kunde ist

Als mobile Coiffeuse besucht Stephanie Löpfe die Kunden in deren zu Hause. Das erfordert von ihr eine hohe Flexibilität, wird aber mit grosser Zufriedenheit und schönen Begegnungen belohnt.

Betritt Stephanie Löpfe eine Wohnung, zieht sie Hausschuhe über und lässt sich zuerst das Badezimmer zeigen.

Betritt Stephanie Löpfe eine Wohnung, zieht sie Hausschuhe über und lässt sich zuerst das Badezimmer zeigen. Bild: Paco Carrascosa

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«Ich weiss nie, was mich erwartet, wenn ich das erste Mal bei jemandem zu Hause bin», sagt Stephanie Löpfe über ihren Beruf als fahrende Coiffeuse. In einem Messie-Haushalt sei sie aber erst einmal gelandet. Zum Glück verfüge sie über eine gute Menschenkenntnis und höre schon beim ersten Telefongespräch heraus, ob allenfalls etwas nicht stimme.

«Wenn ich nicht hundertprozentig sicher bin, sage ich ab», fügt die 38-Jährige hinzu. Vor allem bei Männern, die mit seltsamen Fragen auffielen, sei sie besonders vorsichtig. Einmal habe sie ein Typ gefragt, ob sie ihn rasieren könne. Erst beim genaueren Nachfragen stellte sich heraus, dass er eine Intimrasur wünschte. Erotische Dienstleistungen habe sie aber definitiv nicht im Angebot, betont Stephanie Löpfe.

Marktlücke entdeckt

Vor etwas mehr als sechs Jahren hat sich die Bassersdorferin selbstständig gemacht. Zuvor hatte sie 13 Jahre lang in einem Coiffeursalon gearbeitet. «Auch dort war der Druck, immer neue Kunden zu bringen, sehr hoch», sagt sie rückblickend. Deshalb fand sie, dass sie sich genauso gut alleine behaupten könnte. Auf die Idee, einen mobilen Service anzubieten, kam sie durch eine Kollegin, die ihr von einer fahrenden Coiffeuse im Kanton Thurgau erzählte.

«Ich fand heraus, dass es ein solches Angebot bei uns noch nicht gibt.» Da sie einen Grossteil der Friseurausrüstung schon besass, musste sie sich für den Start nur ein mobiles Waschbecken, eine Haube und ein paar weitere Kleinigkeiten neu anschaffen. Nebst Schneiden, Färben, Mêches und Dauerwelle bietet Stephanie Löpfe auch einen Brautservice und Hochsteckfrisuren an.

«Bis jetzt hatte ich mit meinem Equipment in jedem noch so kleinen Bad Platz.»Stephanie Löpfe

Betritt sie die Wohnung eines Kunden, zieht sie sich als Erstes Hausschuhe über und lässt sich das Badezimmer zeigen. «Bis jetzt hatte ich mit meinem Equipment in jedem noch so kleinen Bad Platz», sagt sie und lacht. Einige Leute würden die Haare aber schon vor ihrer Ankunft waschen, sodass sie gleich mit dem Schneiden beginnen könne. Frisiert wird dort, wo es der Kunde wünscht – egal ob in der Küche, im Wohnzimmer oder im Garten.

Ältere und Behinderte

Die fahrende Coiffeuse ist besonders bei älteren Menschen beliebt, die nicht mehr mobil sind. Aber auch junge Familien schätzen es, dass sie für einen Haarschnitt nicht mit Kind und Kegel einen Coiffeursalon aufsuchen müssen. «Grundsätzlich sind alle meine Kunden sehr unkompliziert», fasst Stephanie Löpfe zusammen.

Nebst ihrer freiberuflichen Tätigkeit arbeitet sie seit 15 Jahren eineinhalb Tage pro Woche als Coiffeuse im Pflegezentrum Rotacher in Dietlikon. Und alle zwei Monate ist sie für einen Samstagvormittag bei der Stiftung Pigna in Kloten, wo sie Menschen mit Behinderung zu neuen Frisuren verhilft. Älteren Leuten und Behinderten eine neue Frisur zu verpassen, sei nicht immer einfach, sagt Stephanie Löpfe. Aber die Mühe nimmt sie gerne in Kauf. «Sie freuen sich immer riesig, wenn sie wieder gut aussehen.»

Erstellt: 12.09.2019, 17:17 Uhr

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