Geld

Für die Hypothek zur Pensionskasse

Nicht nur Banken und Versicherungen, sondern auch einige Pensionskassen vergeben Hypotheken. Weil das Anlegen der Vorsorgegelder schwieriger geworden ist, wird dieses Geschäft für die Pensionskassen attraktiver. Auch die BVK legt einen Teil ihrer Gelder so an.

Wer den Kauf eines Eigenheims finanzieren will, geht meist zur Bank. Es gibt aber auch andere Anbieter.

Wer den Kauf eines Eigenheims finanzieren will, geht meist zur Bank. Es gibt aber auch andere Anbieter. Bild: Keystone

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Die Geldanlage ist für Pensionskassen aufgrund des anhaltend tiefen Zinsniveaus deutlich schwieriger geworden. Die Vergabe von Hypotheken hat für die Vorsorgeeinrichtungen deshalb an Bedeutung gewonnen. «Aufgrund der ganzen Zinssituation haben einige Pensionskassen ihre Aktivitäten in diesem Bereich verstärkt», sagt Lorenz Heim, Managing Director beim HypothekenZentrum, welches zur VermögensZentrum-Gruppe (VZ) gehört. «Die Pensionskassen stehen vor der Wahl, ob sie in Obligationen investieren sollen, die eine negative Rendite abwerfen, oder ob sie beispielsweise mit Hypotheken wenigstens noch einen bescheidenen Ertrag erzielen wollen.»Zu den Pensionskassen, die Hypotheken vergeben, gehört auch die BVK, die Vorsorgeeinrichtung der Angestellten des Kantons Zürich sowie angeschlossener Gemeinden und Unternehmen.

BVK baut Angebot aus

Die gemessen an der Anzahl Versicherten grösste Pensionskasse der Schweiz weist per Ende 2016 in ihrer Bilanz Hypothekarforderungen in der Höhe von rund 993 Millionen Franken aus, was etwas mehr als 3 Prozent der angelegten Gelder der Pensionskasse entspricht. «Die Hypotheken sind ein wichtiger Teil unserer Anlagestrategie. Wir haben das Angebot in dem Bereich ausgebaut», sagt Florian Küng, Leiter Kommunikation, auf Anfrage. Während früher nur aktive Versicherte bei der BVK eine Hypothek beantragen konnten, stehe die Möglichkeit nun auch Nicht-Versicherten sowie Rentnerinnen und Rentnern offen. «Zudem haben wir die maximale Laufzeit von zehn auf zwölf Jahre verlängert und bieten die Möglichkeit, eine Hypothek zu einem Zinssatz von 0 bis 0,3 Prozent bis zu 18 Monate im Voraus zu reservieren.»

Auch andere grosse Pensionskassen haben ihr Hypothekar-Angebot auf Nicht-Versicherte ausgeweitet, beispielsweise die Pensionskasse der Migros (in Zusammenarbeit mit der Glarner Kantonalbank) und die Pensionskasse Basel-Stadt.

Günstig bei langen Laufzeiten

Die aktuellen Zinssätze der BVK schneiden im Vergleich zu denjenigen anderer Anbieter durchaus gut ab. Für eine Festhypothek in der Höhe von 500 000 Franken über 5 Jahre beispielsweise werden 0,95 Prozent fällig. Gemäss dem Hypothekenvergleich auf der Internetseite des Vermögenszentrums (VZ) gehört die BVK mit diesem Zinssatz zu den günstigsten Anbietern. Spürbar tiefere Zinssätze verlangen lediglich noch die Migros Bank sowie einige Anbieter von Online-Hypothekarlösungen.

Nischenanbieter

Dass die Pensionskassen im Vergleich zu den Banken attraktive Zinssätze anbieten, hat laut Heim vor allem mit der Marktsituation zu tun: «Die Pensionskassen wollen sich ein grösseres Stück vom Kuchen abschneiden.» Heim geht aber davon aus, dass die Vorsorgeeinrichtungen auf dem rund 900 Milliarden Franken schweren Schweizer Hypothekenmarkt trotzdem ein Nischenanbieter bleiben werden.

Zudem würden den günstigen Zinsen auch mögliche Nachteile gegenüberstehen: «Die Vergabe von Hypotheken gehört nicht zum Kerngeschäft der Pensionskassen. Sollten die Zinsen wieder steigen, wird ihr Interesse daran sinken. Ein Hypothekarkunde, der den Kredit verlängern will, muss dann vielleicht einen anderen Anbieter suchen.» Zudem seien die Zinssätze für kurze Laufzeiten bei den Pensionskassen vegleichsweise wenig attraktiv, da diese ihre Gelder vor allem langfristig anlegen möchten.

Die Anforderungen, welche die BVK an Hypothekarkunden stellt, sind mit denjenigen von Banken und Versicherungen vergleichbar. In einzelnen Punkten gibt es jedoch Abweichungen. So fordert die BVK von Hypothekarkunden beispielsweise Eigenmittel in der Höhe von 30 Prozent, während Banken teilweise auch mit etwas weniger zufrieden sind. Zudem vergibt die BVK keine Baukredite. Bei der Tragbarkeitsberechnung hingegen sind keine Differenzen erkennbar. Die Wohnkosten (Zinszahlungen und Unterhaltskosten) sollten nicht mehr als ein Drittel des Einkommens betragen. Der Berechnung zugrunde gelegt wird nicht der tatsächliche vereinbarte Zinssatz, sondern einer von 5 Prozent. So soll sichergestellt werden, dass der Hypothekarnehmer auch einen zukünftigen Zinsanstieg verkraften könnte.

(Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 19.04.2017, 17:28 Uhr

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