Winterthur

Gartenkunst statt Kunst im Vogelsang

Ohne Sieger ist der Ideenwettbewerb für Kunst am Bau für die künftige Wohnsiedlung Vogelsang der Gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft Winterthur (GWG) ausgegangen. Als Alternative denkt man an einen Spalier.

Statt Kunst könnten Pflanzen in der traditionellen Spaliertechnik die Mauer bespielen.

Statt Kunst könnten Pflanzen in der traditionellen Spaliertechnik die Mauer bespielen. Bild: Knapkiewicz + Fickert Architekten

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Nicht jeden Tag wird ein Kunst-am-Bau-Wettbewerb von dieser Bedeutung und Dimension in Winterthur ausgeschrieben – und dann entschieden, dass keine der eingereichten Projektidee realisiert wird. Ein Eklat also, aber nur auf den ersten Blick.

Denn bei näherer Betrachtung wird man zum Schluss kommen, dass die Veranstalterin des Ideenwettbewerbs, die Gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft Winterthur (GWG) mit Bedacht gehandelt hat, als sie den Vorschlag der Jury, zwei Projekte auf eine Überarbeitungsrunde zu schicken, ablehnte.

Fünf Kunstschaffende waren eingeladen worden, um Ideen für die Bespielung und Gestaltung von 18 Mauerfeldern auf einer Länge von 300 Meter entlang der Vogelsangstrasse zu präsentieren. Hinter der Mauer wird ab Herbst 2017 eine der interessantesten Wohnüberbauungen der letzten zehn Jahre realisiert, die die acht Mehrfamilienhäuser von 1939 ersetzen wird.

Das Projekt, das in der Weiterbearbeitungsphase steckt, stammt vom renommierten Zürcher Architekturbüro Knapkiewicz & Fickert. Es war 2013 siegreich aus dem offenen Wettbewerb hervorgegangen.

Herausforderung unterschätzt

Zurück zur Kunst am Bau. Nicht nur die fünf eingeladenen Kunstschaffenden sind gescheitert, auch die Veranstalterin des Wettbewerbes hat die Herausforderung unterschätzt. Das gibt man bei der GWG unumwunden zu; doch man will daraus die Lehren ziehen, versprach die künftige Präsidentin der GWG, Doris Sutter Gresia.

Beispielsweise, indem man künftig die Kunstschaffenden sorgfältiger auf ihre spezifischen Eignungen hin auswählt oder die Erwartungen der GWG sowie den Schwierigkeitsgrad der Aufgabe präziser kommuniziert. So kritisierten Jury und GWG praktisch bei allen Projektideen, dass erstens der Bezug zur Architektur der neuen Siedlung fehle.

Zweitens bedauert die GWG, dass sie sich in keinem Ansatz wiedererkennen könne. Im Gespräch mit Vertretern der Jury wurde auch deutlich, dass die technische Umsetzung kaum vertieft betrachtet wurde. Doch das Gremium hatte sich vor einer radikalen Entscheidung gescheut und den Schwarzpeter dem Vorstand der GWG zugeschoben.

Ohne wirkliche Überzeugung empfahl die Jury den Bilderzyklus zur Entstehung der Welt vom Innerschweizer Franz Wanner und die Farbabstufungen vom Winterthurer Ron Temperli zur Weiterbearbeitung. Wanners Ideologie hinter seiner antikisch-edlen Bildsymbolik und -sprache hätte mehr als irritiert; Temperlis Einfärbung der Wandfelder in den Abstufungen von Rot nach Grün wäre wohl eher eine Verlegenheitslösung gewesen.

Sutter begründete denn auch den Nullentscheid mit der Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit an diesem prominenten (Neben)-Eingangstor zur Stadt, das täglich von tausenden von Auto- und Zugreisenden passiert werde: „Da müssen wir mit 100 Prozent hinter einem Projekt stehen können, und das war hier nicht der Fall“.

Spalier als Alternative

Zum Feld der Eingeladenen gehörten das Basler Künstlerinnen-Duo Claudia und Julia Müller sowie die heimischen Gianin Conrad und Lydia Wilhelm. Die reputierten Baslerinnen enttäuschten mit Blechreliefs. Wilhelm mehrschichtige Arbeit auf der Basis portugiesischer Kacheltechnik wurde als zu wenig ortsbezogen kritisiert.

Conrad verblüffte dagegen mit einem Fensterkonzept in den Mauerfeldern, das so stark war, dass es die Architektur allzu sehr konkurriert hätte. Jeder Beitrag wurde mit 4000 Fr. honoriert. Zur Umsetzung hätten 210‘000 Franken zur Verfügungen gestanden. Möglicherweise wird die Genossenschaft nun eine schöne Winterthurer Gartenstadttradition auf den 18 Feldern wieder auferstehen lassen: den Spalier.

Erstellt: 11.05.2016, 11:59 Uhr

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