Flaach

Grüngut führt zu leicht roten Köpfen

Die Weinländer Gemeinde Flaach richtet eine Grünabfuhr ein. Doch dem Entscheid vom Mittwoch ging eine intensive Debatte voraus.

In Flaach wird das Grüngut - hier Küchenabfälle - künftig per Abfuhr abgeholt.

In Flaach wird das Grüngut - hier Küchenabfälle - künftig per Abfuhr abgeholt. Bild: Manuela Matt

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Das Mitglied der Rechnungsprüfungskommission (RPK) fragte den Gemeindepräsidenten, ob es nach der Ja-Empfehlung der RPK gleich noch seine Meinung als Stimmbürger kundtun könne. Oder ob er zwischen den beiden Voten kurz absitzen solle. Flaachs Gemeindepräsident Walter Staub fand das keine gute Idee und erinnerte an das Kollegialitätsprinzip.

Diese Szene an der Gemeindeversammlung vom Mittwochabend in Flaach zeigte, wie umstritten das traktandierte Geschäft war. Es war das Grüngut, das etwas für rote Köpfe und eine lange Diskussion unter den 40 Anwesenden sorgte. Schliesslich stimmten 23 Flaachemer für und 11 gegen die Einführung einer Grüngutabfuhr in ihrer Gemeinde. Drei Personen enthielten sich der Stimme.

Verursacherprinzip verletzt

Gemeinderat Martin Thiessen schilderte zuerst die Ist-Situation. Heute betreibt die Gemeinde Flaach eine kostenlose, aber nicht kontrollierte Sammelstelle für Grüngut. Doch diese werde unerlaubterweise auch von «sehr vielen Leuten von auswärts» und sogar von Firmen benutzt. Laut Thiessen stieg so der Aufwand für die Entsorgung, Aufräumarbeiten und Nachforschungen ständig an. Die Kosten dafür werden über die Grundgebühr gedeckt, die alle Flaachemer bezahlen müssen – egal, ob sie einen Garten besitzen oder nicht. Dies verstösst gegen Bundesrecht, wonach die Verursacher des Grünguts die Kosten zu tragen haben. Zudem, führte Thiessen weiter aus, sei aus der Bevölkerung auch der Wunsch nach einer Grüngutabfuhr geäussert worden. «Wir konfrontieren Sie mit einem Systemwechsel», sagte Gemeindepräsident Staub zu den Stimmberechtigten. Die alte Abfallverordnung von 1995 schrieb noch vor, dass jeder Haushalt seine Gartenabfälle selber kompostieren muss – oder sie kostenpflichtig kompostieren lässt. «Jede Liegenschaft hat einen Standort für kompostierbare Küchenabfälle zu erstellen», hiess es in der bisherigen Verordnung.

Dank der Einführung der verursachergerechten Grüngutabfuhr rechnet der Gemeinderat mit einer Reduktion der Grundgebühr von heute 100 auf schätzungsweise 75 Franken.

Insgesamt nicht teurer

Die Fragen und Wortmeldungen vor der Abstimmung waren zahlreich. Was künftig tun mit grossen Ästen? Muss man sich nun einen Häcksler kaufen? Wer bezahlt die Grüngutcontainer, die es in verschiedenen Grössen gibt? Und die für die Leerung benötigten Gebührenmarken? Die Verursacher sind selber dafür verantwortlich, so die sinngemässe Antwort des Gemeinderates. Er staune etwas, erwiderte ein Befürworter den Kritikern. In anderen Gemeinden funktioniere eine solche Grünabfuhr ja auch. Für Dezember bis Februar ist ein monatlicher Abholrhythmus vorgesehen, in den übrigen Monaten alle zwei Wochen. Dieser Rhythmus soll aber ohne wesentliche Mehrkosten auch erhöht werden können. Insgesamt sollen keine Mehrkosten entstehen gegenüber dem heutigen System mit der zentralen Sammelstelle.

"Wir konfrontieren Sie mit einem Systemwechsel."Walter Staub, Gemeindepräsident

Eine Flaachemerin sprach sich gegen das Verursacherprinzip aus. Denn schliesslich seien schöne Gärten ein Teil des schönen Ortsbildes. Deshalb, so ihre Schlussfolgerung, könnten die Kosten dafür auch auf die ganze Bevölkerung verteilt werden.

Erstellt: 06.12.2018, 19:19 Uhr

Infobox

Die Thurauen sind verkehrsmässig schlecht erschlossen. So fehlt ein ÖV-Anschluss ins Herzen der Auenlandschaft. Als der Kanton vor einiger Zeit ankündigte, die einst bewilligten Parkplätze, die heute mitten im Naturschutzgebiet liegen, aufzuheben, «gerieten wir mit dem Kanton in einen Streit». Das sagte Flaachs Gemeindepräsident Walter Staub an der letzten Gemeindeversammlung. Die vier Anrainergemeinden Flaach, Marthalen, Andelfingen und Kleinandelfingen arbeiten daher ab dem ersten Quartal 2019 mit dem Kanton ein Verkehrskonzept aus. «Wir hoffen, dass wir in gut einem Jahr etwas zustande bringen», sagte Staub. Sogar eine Schiffsverbindung von Eglisau her soll thematisiert werden. mab

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