Bühne

«Ich, äh, geniess’ es»

In der Oper «humanoid» von Leonard Evers und Pamela Dürr sind die Roboter noch am Lernen.

Alma (Orsolya Nyakas) mit ihrem Prototyp.

Alma (Orsolya Nyakas) mit ihrem Prototyp. Bild: Toni Suter / T+T Fotografie

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Wir befinden uns Ende der 2030er Jahre. Jonah hat den Verlust seiner Freundin Vivienne, die bei einem Unfall ums Leben kam, auf seine Weise bewältigt: Durch technische Reproduktion. Der täuschend echte, «humanoide» Roboter verfügt über die Erinnerungen, die ihr Schöpfer ihr mitgab, und schwärmt von den Momenten des Kennenlernens in der Eisdiele. «Du weisst es doch noch …», singt Vivienne (Larissa Angelini), und das klingt ganz so, als hätten auch Maschinen inzwischen echte Empfindungen.

Jonah aber (Per Lindström), Kreativtyp mit krausen Haaren, schwarzer Designer-Brille, roten Socken und grauem Hoodie, hat bereits eine andere, bessere gebaut. Alma heisst sie (Orsolya Nyakas), sie ist jung und sieht gut aus, braucht aber noch «zusätzliche Informationen», wie sie nicht müde wird zu wiederholen. Um alles unter Kontrolle zu haben, löscht Jonah jeweils abends die Datensätze.

Doch ein Kind, gespielt vom Countertenor Oscar Verhaar, sichert die Daten und bringt Jonahs damit aus dem Konzept. Dieses Mädchen ist die Seele des Stücks. Ausgestattet mit Krone und Tütü, verfügt es über zahlreiche Identitäten, wie eine Figur in einem Computerspiel. So kann es auch nicht glauben, dass Alma nur Alma sein soll und nichts weiter.

Auch für Jugendliche

Die siebzigminütige Kurzoper «humanoid» von Leonard Evers (Musik) und Pamela Dürr (Libretto) ist ein zeitgemässes Update der Geschichte von Frankenstein. Wie sein berühmter Vorläufer rechnet auch Jonah nicht damit, dass seine Geschöpfe eigene Gefühle entwickeln. Die an der Spätromantik orientierte Musik bringt diese Gefühle ergreifend indessen zum Ausdruck. Sie klingt modern, aber nicht zu sehr modern.

Die Oper, die am Donnerstag im Theater Winterthur uraufgeführt wird, ist eine Koproduktion mit dem Winterthurer Musikkollegium und Konzert Theater Bern. Am Donnerstag war Klavierhauptprobe.

Das Werk richtet sich auch ein jugendliches Publikum ab 13 Jahren. Um eine Jugendoper handelt es sich nicht, auch wenn die Librettistin Pamela Dürr bereits die Textvorlage der 2013 im Theater Winterthur entstandenen Jugendoper «Die Reise nach Tripiti» verfasste. Jung sind allerdings die meisten der an der Produktion Beteiligten: Der holländische Komponist Leonard Evers etwa hat Jahrgang 1985.

Menschliche Roboter

Gespielt wird auf kreuzweise übereinander gelegten, nach hinten ansteigenden Laufstegen, was dem Ganzen einen surrealen Charakter verleiht. Die künstlichen Menschen besitzen Doppelgänger und sind alles andere als perfekt. «Ich, äh, geniess’ es, die Sonne, die Luft …», versichert Alma immer wieder, damit genau den Text wiedergebend, den ihr Jonah vorgesprochen hat. Trotzdem wirkt sie mindestens so lebendig wie der Mensch, der glaubt, sich keinen Fehler erlauben zu können.

Es macht den Reiz dieser Produktion aus, dass die Grenze zwischen Mensch und Maschine unscharf wird. Trotzdem kommt es zwischen ihnen zu einem folgenschweren Konflikt. Wie der ausgeht, sei hier nicht verraten. Nur soviel: Die Darsteller singen und spielen hervorragend.

humanoid: Donnerstag, 21.2., 19.30 Uhr, Theater Winterthur. Weitere Aufführungen bis 3.3. Danach in Bern. (Der Landbote)

Erstellt: 17.02.2019, 15:49 Uhr

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