Winterthur

Kein Billig-Bus nach Zürich

Seit Sonntag verkehren die Fernbusse von Eurobus auf drei Kursen in der Schweiz. Eine Linie führt von St. Gallen via Winterthur nach Genf. Trotz Halt in Zürich kann die Verbindung in die Kantonshauptstadt aber nicht gebucht werden.

Das Busunternehmen Eurobus, hier an der Haltestelle in Wiesendangen, hat sein Angebot ausgebaut. Seit Sonntag verkehren drei Inlandlinien in der Schweiz, eine davon über Winterthur.

Das Busunternehmen Eurobus, hier an der Haltestelle in Wiesendangen, hat sein Angebot ausgebaut. Seit Sonntag verkehren drei Inlandlinien in der Schweiz, eine davon über Winterthur. Bild: Enzo Lopardo

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25.50 Franken von Winterthur nach Genf. Die Reise mit dem Unternehmen Eurobus, das am Sonntag in der Schweiz den Betrieb aufgenommen hat, ist konkurrenzlos günstig. Wer sparen will, muss allerdings fühlen: Sechseinhalb Stunden dauert die Fahrt bis an den Lac Léman. Der Zug schafft diese Reise in der halben Zeit, ist mit 98 Franken aber beinahe viermal so teuer (beide Beispiele ohne Halbtax).

Nicht nach Zürich und Bern

Deutlicher bemerkbar macht sich der Preisvorteil auf kurzen Strecken, auf denen der Bus gegenüber dem Zug weniger Zeit verliert. So dauert die Fahrt nach St. Gallen ab der Haltekante an der Lagerhausstrasse in Winterthur bei normalem Verkehr 50 Minuten und ist ohne Halbtax schon für 6.60 Franken zu haben. Die SBB bieten die Strecke für 22.80 Franken an. Dauer: 36 Minuten.

Interessant sind die Busverbindungen vor allem für eine junge, preissensitive Kundschaft. Die zieht es von Winterthur bevorzugt in die Kantonshauptstadt. Eine günstige Verbindung nach Zürich sucht man bei Eurobus aber vergebens. Zwar halten die Busse auf der Linie von St. Gallen nach Genf sowohl am Flughafen als auch am Sihlquai in Zürich. Aber ein Ausstieg der Winterthurer ist dort nicht vorgesehen.

Was absurd anmutet, hat formelle Gründe: Winterthur-Zürich sei eine ZVV-interne Verbindung, sagt Roger Müri, Leiter von Eurobus. Um eine solche anzubieten, müsste sein Unternehmen dem ZVV beitreten. «Das wäre sehr auwändig.» Fast noch wichtiger: Damit würde das Busunternehmen den subventionierten Verkehr konkurrenzieren, was die Konzessionsauflagen verbieten und laut Müri «nicht die Absicht von Eurobus ist».

Für Winterthur scheint diese Auflage eingelöst. Dass Passagiere trotz allem in Zürich aussteigen, kann Eurobus zwar nicht verhindern. Schlaumeier, die sich über das System hinwegsetzen wollen, müssen aber ein Ticket von St. Gallen nach Zürich oder von Winterthur nach Solothurn lösen, was kaum mehr Einsparungen bringt. Eine Linie von Winterthur nach Bern fehlt ausserdem ganz.

Anders ist das in Zürich, von wo Eurobus für 11.50 Franken nach Bern fährt, bei 1:40 Stunden Reisezeit. Kritiker wie die Bahngewerkschaft SEV warnen darum lautstark vor negativen Folgen der Billigbusse für den Bahnverkehr.

Gratis Halt in Winterthur

Laut Müri ist der Betrieb am Sonntag gut angelaufen. Auslastungszahlen nennt er aber nicht. Nur soviel: «Das Angebot braucht natürlich Zeit, um bekannt zu werden.» Zwar gab es Verspätungen, die meisten seien aber im Umfang weniger Minuten geblieben.

In Neuchâtel und Basel werde noch nach den optimalen Zu- und Abfahrtswegen zu den Haltestellen gesucht. Diese befinden sich möglichst auf öffentlichem Grund, so wolle man den ÖV-Nutzern einen Mehrwert bringen, sagt Müri. Was Winterthur interessieren muss: Eurobus ist auch bereit für die Haltestellen zu zahlen. «Wir haben mit einzelnen Gemeinden Infrastruktur-Pauschalen vereinbart», bestätigt Müri. In Winterthur hält Eurobus noch kostenlos. (Landbote)

Erstellt: 12.06.2018, 17:58 Uhr

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