Festival

Mit Met und Vollkontaktkämpfen zurück ins helle Mittelalter

Ritter und Knappen, Gaukler und Handwerker, Bauern und Mägde – für einmal lebten sie alle wieder auf und bildeten das Volk zu Winterthur.

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Schon am Eingang erwarteten die zahlreich kostümiert erschienenen Besucher mittelalterliche Klänge mit Dudelsack, Fideln, Pfeifen und Trommeln von der Band Koenix, um sich schon einmal standesgemäss auf die Reise in die Vergangenheit einstellen zu können.Auf dem Turneiplatz ging es da schon weniger harmonisch zu und her. Die Vollkontaktkämpfe mit echten Schwertern und Schildern waren beeindruckend, weil hier recht unzimperlich zur Tat geschritten wurde. Nach einer unterhaltsamen Ritter-Pferde-Show durften auch die Kleinsten aus dem Publikum noch zeigen, was ein (Holz-)Schwert ist, und kämpften tapfer und siegreich gegen eine furchteinflössende Ritterformation, der auch eine (Styropor-)Riesenaxt nichts half.

Nach so viel Körpereinsatz meldete sich der Magen und man hatte die Qual der Wahl: Spanferkel, Fisch am Spiess oder Hanftaschen, Baumkuchen oder bekiffter Hirsch. Auch bei den Getränken war man unschlüssig, doch man konnte den Met genauso wie die Beerenweine vorab degustieren und sich dann entscheiden. Wieder gestärkt, schlenderte man danach an den einzelnen Marktständen vorbei, verlustierte sich an Spielen wie dem Eierknacker oder dem Mäuseroulette, lauschte eingeschüchtert den Erklärungen über mittelalterliche Folterinstrumente oder liess sich eine Flechtfrisur machen.

Ungiftige Tierpräparate

Hatte man die Nachrichten der letzten Wochen verfolgt (arsenbelastete ausgestopfte Tiere an Schulen, der «Landbote» berichtete), machte man Halt beim Tierpräparator und liess sich über den Stand der Dinge informieren. «Unsere Präparate werden mittels Holzwolle und Bindfaden in einer Wickeltechnik hergestellt, also hundertprozentig ungiftig», erklärte Franz Grabner aus Diepoldsau. Arsen habe man in den 70er-Jahren zum Schutz gegen Motten auf der Hautseite der Tiere verwendet, doch bei einer guten Gärbung benötige man gar keinen Mottenschutz, so der Experte, der auch Showpräparationen macht. Im Mittelalter wurden die Tiere mit Seegras ausgestopft – daher der Name Ausstopfer, heute ist Präparator richtig – und sahen dann eher aus «wie eine Wurst», lachte Grabner.

Ein paar Meter weiter hatte es sich indes Hans Grütter aus Oftringen im Zuber des Badehauses gemütlich gemacht und erklärte, das sommerliche Freibad sei sehr angenehm. Wer den Blick in den Spiegel wagte, fand sich am Handlesestand von Magali Gmür und ihrer Kollegin Antonella Plüss ein, die auch den grössten Skeptiker zu überraschen wussten. Von der Treffsicherheit der Analyse zeigte sich auch Melanie Hauser aus Winterthur beeindruckt, die des Öfteren an Mittelaltermärkten anzutreffen ist. «Die Stimmung am Abend mit den Fackeln ist recht schön. Ein solcher Markt mitten in der Stadt ist schon besonders, so als ob man eine völlig andere Welt betreten würde.» Hoffentlich nicht zum letzten Mal, dachten sich sicher viele der Knappen und Ritter, Mägde und Troubadoure, bevor sie in die Nacht und Realität heimkehrten.
(Der Landbote)

Erstellt: 16.07.2017, 17:31 Uhr

Geniessen Sie hier Impressionen vom Mittelalterspektakel als Video.

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