Mobilfunk

Nun melden sich die urbanen 5G-Gegner

Anders als in vielen Regionsgemeinden reagierten die Städter bisher gelassen bis gar nicht auf neue Antennen. Die jüngsten Zahlen zeigen jetzt aber, dass auch in Winterthur der Widerstand gegen neue 5G-Standorte erwacht.

Vermehrt wehren sich auch Städter gegen die 5G-Antenne auf dem Dach.

Vermehrt wehren sich auch Städter gegen die 5G-Antenne auf dem Dach. Bild: Marc Dahinden

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Es gibt sie also doch, die 5G-Gegner in der Stadt. Das zeigten die Reaktionen nach dem «Landbote»-Bericht von letztem Samstag. So meldete sich etwa Dominik Krämer, Präsident, Kassier und Sekretär des Vereins «Stopp 5G in Winterthur», der vor rund zwei Wochen gegründet wurde. Der Verein setzt sich für einen vorsorglichen Stopp der neuen Mobilfunktechnologie 5G ein. Konkret sollen die privaten Rekurse gegen die Baubewilligungen für die Mobilfunkantennen der Swisscom auf dem Technopark sowie an der Brühlbergstrasse 4 unterstützt werden.

Krämer bezweifelt die von der Stadt kommunizierten zwei Einsprachen. So werde nicht nur gegen die im Artikel genannten Antennen in Seen – an der Ricketwilerstrasse sowie im Schützenbühl – rekurriert, sondern eben auch gegen jene auf dem Technopark und an der Brühlbergstrasse, an der er wohnt: «Wenn wir grossen Zulauf hätten, würden wir den Widerstand auf weitere Projekte ausweiten.»

Drei Rekurse seit Neujahr

Heinz Wiher, der die Abteilung Energie und Technik beim Baupolizeiamt leitet, hält an der Zahl von zwei Einsprachen im letzten Jahr fest. Die Rekurse zu den Antennen auf dem Technopark und an der Brühlbergstrasse seien erst im Januar eingegangen. Ein dritter Rekurs in diesem Jahr sei gegen eine geplante Antenne an der Ibergstrasse am Stadtrand eingegangen. Sie scheint eine der umstrittensten zu sein: Von den 44 Baurechtsentscheiden, die letztes Jahr in Winterthur verlangt wurden, betrafen 20 die Antenne an der Ibergstrasse.

«Eine Frau mitKindern hat gesagt, sie wäre amliebsten aufs Dach gestiegen und hätte die Antenne selbst abmontiert.»Susanne Kägi-Griesser, Anwohnerin der Tellstrasse 64

Von Verhältnissen wie in Henggart oder Andelfingen ist Winterthur aber noch weit entfernt. Dort verlangte die Bevölkerung wegen jeweils einer Antenne 164 respektive 277 Mal den Baurechtsentscheid – ein notwendiger Schritt, um später Rekurs einzulegen. Dass in den ersten anderthalb Monaten von 2020 mehr Rekurse eingereicht wurden als im ganzen letzten Jahr, deutet darauf hin, dass der Widerstand gegen die neue Mobilfunkgeneration auch in der Stadt wächst.

Lethargische Bienen

Dominik Krämer setzt sich intensiv mit 5G auseinander, seit er auf seinem Balkon einem trägen Bienenschwarm begegnete. Es sei eine Art Weckruf gewesen: «Die Bienen schwebten lethargisch vor dem Balkon herum, an Ort und Stelle, hin und her», beschreibt er das Erlebnis. Krämer glaubt, das verwirrte Verhalten habe mit der Mobilfunkantenne in der Nähe zu tun, die damals noch 4G funkte.

Das Problem sei, dass man wenig über Risiken weiss. Darum fordert er neben einem vorsorglichen Stopp auch, dass zu allfälligen gesundheitlichen Schäden geforscht wird. Der Verein, zu dessen Gründungsmitgliedern neben Dominik Krämer und seiner Frau noch ein weiteres Paar gehört, beruft sich darum in einem Schreiben auch auf das Recht der körperlichen und seelischen Unversehrtheit.

Frauen von der Tellstrasse

Widerstand regt sich auch in Veltheim. Gegen eine 5G-Antenne von Salt auf dem Dach der Tellstrasse 64 sammeln die drei Bewohnerinnen Isabel Hilty, Susanne Kägi-Griesser und Andrea Oertig derzeit Unterschriften. Bei dem Dokument, das dem «Landboten» vorliegt, handelt es sich gemäss Heinz Wiher aber nicht um eine Einsprache im rechtlichen Sinn, sondern um eine Willensbekundung. Susanne Kägi-Griesser erzählt, wie vor ein paar Monaten ein Handwerker ein Baugespann auf dem Dach aufstellte: «Er wollte nicht recht mit der Sprache rausrücken und sagte nur, er sei im Auftrag des Verwalters da.»

Das Klinkenputzen sei erfolgreich. Sie habe viele Gegner angetroffen, so Kägi-Griesser: «Eine Frau mit Kindern hat gar gesagt, sie wäre am liebsten aufs Dach gestiegen und hätte die Antenne selbst abmontiert.»

Erstellt: 15.02.2020, 00:20 Uhr

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